Gewerkschafter und Arbeitgeber protestieren zusammen
Energiewende hat dicken Haken

Münster -

Gewerkschaftler und die Stadtwerke-Geschäftsführung stießen bei einer Verdi-Demonstration am Mittwochmittag ins gleiche Horn. Die Energiewende sei nicht ohne Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke zu haben. Die derzeitige Förderpolitik und Preisstürze an der Strombörse bescheren dem Stadtwerke-Kraftwerk Millionenverluste.

Mittwoch, 08.10.2014, 19:10 Uhr

Zahlreiche Luftballons, die Richtung Berlin geschickt wurden, sollen symbolisch der Forderung nach einer anderen Förderpolitik für Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke Nachdruck verleihen.
Zahlreiche Luftballons, die Richtung Berlin geschickt wurden, sollen symbolisch der Forderung nach einer anderen Förderpolitik für Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerke Nachdruck verleihen. Foto: hö

Eine Gewerkschaftsveranstaltung mit Seltenheitswert: Am Mittwoch zogen nicht nur Gewerkschafter von Verdi , sondern auch Branchenverbände und Vertreter der Stadtwerke-Geschäftsführung und des Aufsichtsrats an einem Strang. Die wirtschaftliche Existenz von Kraft-Wärme-Kopplungskraftwerken nicht nur in Münster , sondern überall in Deutschland, und die drohende Gefahr für zig Arbeitsplätze trieb rund 200 Mitarbeiter der Stadtwerke und 50 aus Osnabrück angereiste Kollegen auf die Straße. Auf dem Hafenplatz machten sie im ungewohnten Schulterschluss, „auf die dramatische Lage auf dem Strommarkt aufmerksam“, so Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr .

Die Versorgungssicherheit und 20 000 Arbeitsplätze, davon 120 allein in Münster, seien in Gefahr. „Das derzeitige Strommarktdesign passt nicht zu den Zielen der Energiewende “, brachte es Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke plakativ auf den Punkt. Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, so Wernicke, „wir unterstützen die Energiewende.“ So betreiben die Stadtwerke allein 14 Windkraftanlagen. Aber die derzeitige Förderpolitik führe dazu, dass die umweltschonendsten mit fossilen Brennstoffen betriebenen Anlagen aus dem Markt gedrängt würden. Wernicke: „Das ist ein Paradoxon der Energiewende.“

Durch den zunehmenden Anteil der regenerativen Energien und die derzeitige Förderungspraxis sei die Stromproduktion des münsterischen Gaskraftwerks, das Strom und Fernwärme für zahlreiche Haushalte produziert, seit 2011 um ein Viertel zurückgegangen. Andererseits sei die Energiewende und speziell der für 2020 geplante Atomausstieg nicht ohne das moderne Gas-Kraftwerk zu bewerkstelligen, unterstrich Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Gerd Joksch. Das Kraftwerk am Hafen liefert nach Stadtwerkeangaben etwa die Hälfte des produzierten Stroms, der Anteil des regenerativ erzeugten Stroms betrage neun Prozent. Wegen der rückläufigen Auslastung des Gas-Kraftwerks und der gesunkenen Preise pro Kilowattstunde an der Strombörse fahren die Stadtwerke mit ihrem Kraftwerk rund fünf Millionen Euro Verlust pro Jahr ein. Trotz der schlechten Kennzahlen gibt es laut Wernicke wegen der Wärmelieferverpflichtung aber „keine Überlegung, das Kraftwerk stillzulegen“.

Gefordert wurde bei der Demonstration aber eine Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Denn diese Kraftwerke sind laut Joksch „unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende“. Als Signal an die Politik stiegen symbolisch 200 rote Luftballons vom Hafenplatz Richtung Berlin auf.

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