Investor will Wohnungen bauen
Kloster-Kapelle droht der Abriss

Münster -

Das Claudiahaus der Clemensschwestern mit seiner Kapelle und einem Skulpturengarten zwischen Piusallee und Warendorfer Straße steht möglicherweise vor dem Abriss. Die Clemensschwestern haben das Areal veräußert, der Investor will hier Wohnungen bauen.

Samstag, 11.10.2014, 10:10 Uhr

1890 wurde unweit der Piusallee die Kapelle  der Clemensschwestern errichtet. Sie grenzt an das 1972 errichtete Wohnheim der Raphaelsklinik (r.).
1890 wurde unweit der Piusallee die Kapelle  der Clemensschwestern errichtet. Sie grenzt an das 1972 errichtete Wohnheim der Raphaelsklinik (r.). Foto: kal

Es gibt nur wenige historische Gebäude in Münster , die so versteckt liegen wie das im 19. Jahrhundert errichtete Claudiahaus der Clemensschwestern mit seiner Kapelle und einem Skulpturengarten. Würde das Ensemble, das sich zwischen Piusallee und Warendorfer Straße befindet, verschwinden – kaum jemand bekäme es mit.

Womöglich rücken tatsächlich schon bald Bagger an. Die Clemensschwestern haben das Areal vor Kurzem veräußert, der komplette Abriss der Gebäude sei „eine Option“, betont Achim Friedrich , Chef der Sparkassen Immobilien GmbH, die im Kontakt zum Investor steht, der dort Wohnungen errichten will. Zwar betont Friedrich, dass er mit dem Investor noch einmal über einen Erhalt des Claudiahauses sprechen will. Doch er verweist auch darauf, dass das Ensemble baulich in einem schlechten Zustand sei, und stellt die Frage: „Wer würde sich denn in Zukunft um das Claudiahaus kümmern?“

Die Clemensschwestern jedenfalls nicht. Sie haben sich kürzlich von der Immobilie ebenso getrennt wie von Teilen des Mutterhauses an der Klosterstraße, um ihre Zukunft finanziell abzusichern. „Die Schwestern, die dort gebetet haben, hängen natürlich an der Kapelle“, so Oberin Schwester Charlotte. „Doch es müsste baulich viel gemacht werden.“ Der Frage, ob sie sich einen Erhalt wünscht, weicht sie aus – sie wolle dem neuen Besitzer nicht reinreden, sagt sie.

Kloster-Kapelle von Abriss bedroht

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  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal
  • Die einstige Kapelle des Claudiahauses nahe der Piusallee ist vom Abriss bedroht. Auch der Park könnte verschwinden. Foto: kal

Stefan Rethfeld, Architekt und Organisator der Touren „Münster vor Ort“, warnt eindringlich vor einem Abriss. Er wäre „unsensibel“, würde von fehlendem Geschichtsverständnis zeugen, hätte „Tristesse statt Atmosphäre“ zur Folge. „Münster würde ein Stück austauschbarer“, so seine Befürchtung.

Unter Denkmalschutz steht das Claudiahaus freilich genauso wenig wie seine Kapelle. „Die Gebäude wurden seit dem 19. Jahrhundert zu stark verändert, seine Architektur ist nicht herausragend“, betont Marcus Brokmann von der städtischen Denkmalbehörde. Zugleich verspricht er, dass sich die Stadt das Ensemble im Verlauf des Bebauungsplan-Verfahrens „noch einmal genau anschauen“ werde.

Auch Friedrich beruhigt: „Das Ensemble wird nicht über Nacht verschwinden, Ausschüsse und Gestaltungsbeirat, also Leute mit Sachverstand, werden sich die Neubaupläne genau anschauen.“ Aber die endgültige Lösung müsse „auch wirtschaftlich darstellbar sein“, stellt er klar.

Rund um das Claudiahaus befindet sich ein Skulpturenpark mit alten Bäumen, die laut Rethfeld ebenfalls verschwinden sollen. „Schauen Sie sich die Innenstadt an“, sagt der Architekt. „Dort gibt es nicht mehr so viele Gebäude, die so alt sind wie das Claudiahaus mit seiner Kapelle.“ 

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