Pfarrer Miled Abboud betreut rund 50 Familien
Der Hirte arabischer Christen in Münster

Münster -

Wenn Pfarrer Miled Abboud in der Antoniuskirche seinen Gottesdienst feiert, hat er häufig neue Besucher. 130 Menschen sind manchmal da. „Meine Gemeinde wächst.“ Das ist in Zeiten, in denen häufig über Kirchenaustritte geklagt wird, eigentlich ein positives Zeichen. Doch der Grund, weshalb sich die Reihen in den Gottesdiensten von Miled Abboud füllen, ist die blanke Not.

Freitag, 17.10.2014, 12:10 Uhr

Miled Abboud ist der Pfarrer der arabischen Christen in Münster. Er betreut hier etwa 50 Familien – etliche von ihnen sind vor dem Terror der IS-Milizen geflogen.
Miled Abboud ist der Pfarrer der arabischen Christen in Münster. Er betreut hier etwa 50 Familien – etliche von ihnen sind vor dem Terror der IS-Milizen geflogen. Foto: kv

Abboud ist Pfarrer der chaldäischen, der arabischen katholischen Christen in Münster . Er kümmert sich vorwiegend um Menschen aus dem Irak und aus Syrien. Diejenigen, die erst seit Kurzem in Münster sind, sind vor den Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) geflohen. „Bisher ist niemand dabei, der den IS-Kämpfern persönlich gegenüber gestanden hat“, sagt Abboud. Aber zu seiner Gemeinde gehören Familien aus der Umgebung der irakischen Stadt Mossul, die oft zusammen mit Jesiden in Dörfern gelebt hätten. Als die Kunde vom IS-Terror die Runde machte, seien die christlichen Familien geflohen.

Bisher ist niemand dabei, der den IS-Kämpfern persönlich gegenüber gestanden hat.

Miled Abboud, Pfarrer der arabischen Christen in Münster

Zu mehr als 50 Familien hat der aus dem Libanon stammende Pfarrer ständig Kontakt, trifft jede von ihnen mehrmals pro Monat. Seelsorge, aber auch praktische Lebenshilfe ist gefordert, erklärt Miled Abboud. Er kam vor sieben Jahren nach Münster, lebt seit seiner Ankunft in einem bescheidenen Zimmer im katholischen Studentenwohnheim am Breul – und ist meistens unterwegs bei den Familien der Gemeinde, nicht nur in Münster.

Miled Abboud betreut auch die arabischen Christen in Enschede und Amsterdam, Hamburg und Hannover. Ihre gemeinsame Muttersprache ist wie zu Zeiten von Jesus vor 2000 Jahren das Aramäische. 2007 wurde Miled Abboud von seiner Heimatkirche nach Münster geschickt. Nicht nur, weil er sich um die Betreuung der Christen seiner Kirche kümmern sollte, sondern auch, um zu promovieren. An der katholisch-theologischen Fakultät der Universität hat er inzwischen seinen Doktor gemacht, nun schreibt er an seiner zweiten Dissertation bei dem islamischen Theologen Prof. Mouhanad Khorchide von der Universität Münster . Thema sind die Potenziale des Friedens im Islam und in seiner Kirche.

Das friedliche Zusammenleben der Religionen ist für uns existenziell.

Pfarrer Miled Abboud über seine Heimat, den Viel-Religionen-Staat Libanon

Der Libanon ist ein Viel-Religionen-Staat, verschiedene christliche Kirchen und muslimische Gruppierungen halten sich zahlenmäßig in etwa die Waage. „Das friedliche Zusammenleben der Religionen ist für uns existenziell“, sagt Abboud. Nach eineinhalb Jahren soll er zurück in seine Heimat. Sein Nachfolger soll schon bald nach Münster kommen. „Ein Jahr habe ich dann Zeit, ihn einzuarbeiten“, sagt Abboud. Die arabischen Christen in Münster werden weiter einen Pfarrer haben.

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