Drogenszene beunruhigt Anwohner
Verlagerung in benachbarte Quartiere?

Münster -

Verlagert sich die Drogenszene am Bremer Platz in die umliegenden Viertel, wenn die Bauarbeiten am Bahnhof beginnen? Anwohner befürchten, dass sich der Drogenkonsum dann vor ihren Türen abspielen könnte. Die Polizei sieht für eine solche Entwicklung jedoch keine Anzeichen.

Samstag, 18.10.2014, 13:10 Uhr

Einschlägiger Treffpunkt der münsterischen Drogenszene: der Bremer Platz. Anlieger befürchten, dass es Dealer und Konsumenten mit Beginn des Bahnhof-Umbaus noch stärker in die benachbarten Viertel zieht.
Einschlägiger Treffpunkt der münsterischen Drogenszene: der Bremer Platz. Anlieger befürchten, dass es Dealer und Konsumenten mit Beginn des Bahnhof-Umbaus noch stärker in die benachbarten Viertel zieht. Foto: Oliver Werner

Mit Beginn der Bauarbeiten im Hauptbahnhof wird der Ostausgang in Richtung Bremer Platz für fast zwei Jahre zum Hauptausgang. Am Treffpunkt der Drogenszene, der sich in Sichtweite befindet, werden dann Tag für Tag mehrere Zehntausend Reisende vorbeikommen. Die Anwohner befürchten das Schlimmste. „Wir rechnen damit, dass die Szene vor den Reisenden ausweicht und sich noch stärker in die umliegenden Viertel verlagert, als es ohnehin schon der Fall ist“, sagt eine Frau, die hier lebt und arbeitet und nach eigenen Angaben ständig mit Anwohnern im Gespräch ist.

Die Liste der Klagen sei lang, betont sie. Die Szene sei in den letzten Jahren immer größer geworden, ihr Verhalten immer dreister. Vor aller Augen würden sich die Abhängigen Nadeln setzen, manchmal sogar in die Genitalien. Menschliche Exkremente in Hauseingängen seien ebenso Alltag wie ungebetene „Besuche“ Abhängiger in benachbarten Geschäften. Bis zu 500 Personen täglich, so ihre Schätzung, kaufen oder konsumieren inzwischen am Bremer Platz Drogen.

Die Szene am Bremer Platz

Nach Schätzungen des Vereins Indro halten sich jeden Tag rund 100 Personen aus der Drogenszene am Bremer Platz auf, weitere 50 kämen in den Konsumraum des Vereins. Eine Erhebung im März habe ergeben, dass es sich bei etwa der Hälfte der Personen um Russlanddeutsche und andere Migranten handele. Vor allem Kokain und Heroin würden am Bremer Platz konsumiert. Die Polizei registrierte 2013 in Münster 943 Rauschgiftdelikte.

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Entspannter fällt die Einschätzung der Behörden aus. Die Menschenansammlung sei weder größer geworden noch gebe es Verlagerungstendenzen ins benachbarte Viertel, betont die Polizei. Mehr noch: Der Bremer Platz sei „gar kein Szene-Treffpunkt“, sondern einfach ein Ort, an dem sich „Menschen aus den verschiedensten Milieus“ aufhalten würden.

Richard Halberstadt , CDU-Ratsherr und Vorsitzender des „Fördervereins Drogen“, hat andere Beobachtungen gemacht. Schon jetzt ziehe es die Szene verstärkt an andere Orte – darunter der Berliner Platz, die Achtermannstraße und die Engelenschanze. „Die Zahl der Spritzen, die in Hinterhöfen gefunden werden, nimmt dort in letzter Zeit zu“, sagt Halberstadt.

2500 gebrauchte Spritzen sammeln Mitarbeiter des Drogenhilfevereins Indro jede Woche rund um den Bahnhof ein, berichtet Vorsitzender Dr. Wolfgang Schneider. Er betont, dass Abhängige, die ihre Drogen sichtbar konsumieren („Viele haben nichts mehr zu verlieren und verhalten sich entsprechend“), von ihnen angesprochen würden, zudem habe die Polizei „alles im Blick“. Würde die Szene umziehen, dann verlagerten sich die Probleme nur. Stattdessen werde Indro während des Bahnhof-Umbaus verstärkt Streetworker in die Szene schicken. „Die Reisenden sollen so wenig wie möglich von der Szene mitbekommen“, sagt Schneider. „Doch ganz verhindern können wir das nicht.“

Und auch die Ordnungspartnerschaft Drogen will die Szene während der Bauarbeiten genau im Blick halten. „Wir sind gewappnet, bei Handlungsbedarf können wir in kürzester Zeit reagieren“, verspricht Felix Graf von Plettenberg, Geschäftsführer der Partnerschaft. Doch auch er sieht aktuell noch keine Hinweise, dass die Süchtigen zu einem Problem des gesamten Viertels werden könnten.

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