Sicherheit ist für Schüler ein wichtiges Thema
US-Botschafter John B. Emerson zum Townhall Meeting bei Aschendorff

Münster -

"Hey, guys". Locker begrüßte der Mann aus Kalifornien die Schüler. Doch beim Townhall Meeting mit dem US-amerikanischen Botschafter John B. Emerson ging es dann doch um harte Fakten. Datenspionage, internationales Handelsabkommen - darum drehten sich die Fragen der Jugendlichen. Emerson stand im Medienhaus Aschendorff Rede und Antwort.

Donnerstag, 23.10.2014, 11:10 Uhr

Sicherheit ist für Schüler ein wichtiges Thema : US-Botschafter John B. Emerson zum Townhall Meeting bei Aschendorff
Selfie mit Botschafter Emerson. Foto: Gunnar A. Pier

Wie unterschiedlich Amerikaner und Europäer politische Probleme diskutieren, machte dabei die Frage eines Friedensschülers nach der Überwachung des Internet durch die NSA deutlich. Botschafter Emerson verwies nämlich im Sitzungssaal des Medienhauses Aschendorff auf die Differenzen: "Die Deutschen kannten über 50 Jahre lang Nachrichtendienste, die das private Leben bespitzelt haben." Sei es während des NS-Regimes oder in der DDR.

"Wir hatten 9/11". Der terroristische Angriff auf die Zwillingshochhäuser in New York und die Erkenntnis, dass er vielleicht durch bessere nachrichtendienstliche Überwachung von Telefongesprächen und Emails hätte verhindert werden können, beeinflusst das amerikanische Denken.

Natürlich, so Emerson, habe auch Präsident Barack Obama deutlich gemacht, dass es nicht angehe, die Handys befreundeter Regierungsmitglieder abzuhören. Doch die tatsächliche Überwachung bestehe nicht darin, zu belauschen - "wir haben gar keine 30 000 Mitarbeiter, die dafür gut genug Deutsch sprechen würden", sagte Emerson auf Englisch. Es komme vielmehr darauf an, Informationen miteinander zu verknüpfen.

Botschafter Emerson in Münster

Gruppenfoto mit dem Botschafter.

Auf die Frage eines Schülers, was er von Edward Snowden halte, verwies der Botschafter auf dessen fragwürdige Praxis, große Datenmengen, die den Amerikanern und befreundeten Staaten schaden würden, zu veröffentlichen. Lobend hob er dagegen das Beispiel von Daniel Elsberg hervor, der mit der Veröffentlichung geheimer Pentagon-Papiere die Verwicklung der Amerikaner in den Vietnam-Krieg angeklagt hat. Elsberg hatte aus seinen Unterlagen nur einen Teil veröffentlicht. Er hatte die Informationen zuvor - vergebens - einem Senatsausschuss angeboten. Und er war danach in den USA angeklagt worden. Snowden, sagte der Botschafter, "ist für mich kein Held."

Aber der Botschafter wurde auch ganz privat, erzählte von seiner Tochter, Jaqueline Emerson, die in Tribute von Panem das Fuchsgesicht gespielt hat. Seine beiden anderen Kinder, die Zwillinge Hayley und Taylor, besuchten die internationale Schule in Berlin. Und er sei schon überrascht, dass Jugendliche in Europa besser über das Weltgeschehen informiert seien als Jugendliche in Amerika . Für die wiederum sei der Umweltschutz ein großes Thema.

 

Dr. Benedikt Hüffer, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Aschendorff, begrüßte den Botschafter im Druckhaus an der Hansalinie. Er verwies auf vielfältige Beziehungen Westfalens mit Amerika, es gebe zahlreiche Firmen, die intensive Kontakte unterhielten. Und der dritte amerikanische Präsident, Thomas Jefferson, habe nach einer Europareise anno 1788 zwar nicht viel verstanden, weil er kein Deutsch konnte, aber doch den "hervorragenden westfälischen Schinken" gelobt.

Emerson hat seine Karriere als Wirtschaftsanwalt begonnen und wurde 1993 schon von Präsident  Bill Clinton  ins  Executive Office  gerufen. Seit August 2013 ist er amerikanischer Botschafter in Deutschland und lebt mit seiner Familie in Berlin. Vor dem Besuch des Botschafters, der standesgemäß mit einer Cadillac-Limousine und einer Polizeieskorte vorfuhr, hatte es strikte Sicherheitsauflagen gegeben. So mussten die Schüler Taschen und Handys abgegeben. Ansonsten meinte Emerson allerdings: "Wir fühlen uns in Deutschland sehr sicher."

Für die Schüler aus münsterischen und Telgter Schulen standen klar die Fragen der Internet-Überwachung und das umstrittene internationale Handelsabkommen TTIP im Vordergrund. "Was bedeutet das TTIP für mein persönliches Leben", wollte eine Marienschülerin wissen. Botschafter Emerson ist natürlich ein Befürworter des Abkommens, über das derzeit intensiv gestritten wird. "Wir bekommen eine größere Auswahl beim Einkaufen, niedrigere Preise", sagte er. Auch für Unternehmen werde es einfacher, Ideen international umzusetzen. "Das sind neue Möglichkeiten für junge Menschen."

Die Schüler waren am Ende beeindruckt. Julius Furth aus Telgte: "Es war wirklich interessant, mal die Meinung des Botschafters zu hören. Und nicht nur die der Medien." Dalila Zgol von der Marienschule aus Münster schränkte das etwas ein: "Beim Thema TTIP hat sich der Botschafter ein bisschen herausgeredet."

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