Kommentar zum Gefängnis an der Gartenstraße
Erhalt statt Abriss!

Wenn die neue Justizanstalt fertiggestellt ist, wird das mehr als 150 Jahre alte Gefängnis an der Gartenstraße nicht mehr benötigt. Nun hat die Diskussion über die Zukunft des historischen Gemäuers begonnen.

Samstag, 01.11.2014, 10:11 Uhr

 
  Foto: Matthias Ahlke

Als 1851 in Münster die ersten Strafgefangenen in das Gefängnis an der Gartenstraße einziehen, eröffnet im Londoner Hyde Park die erste Weltausstellung. In New York erscheint die erste Ausgabe der „ New York Times “, in Paris beweist der Wissenschaftler Foucault mit seinem Pendel die Erdrotation, Herman Melville veröffentlicht seinen Roman „Moby Dick“, und in Venedig wird Verdis Oper „Rigoletto“ uraufgeführt.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte sind seitdem vergangen, und das Gefängnis wird noch immer genutzt. Baulich in nicht gerade allerbestem, aber doch nach wie vor akzeptablem Zustand. „Es hätte renoviert und weiter genutzt werden können“, stellte in dieser Woche die langjährige Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA), Maria Look, bei einer Tagung klar. Das Land hat sich bekanntermaßen für einen Neubau entschieden, das Schicksal der JVA ist damit ungewiss.

Erhalten oder abreißen? Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: Erhalten! Ein Gebäude, das errichtet wurde, als „Moby Dick“ auf den Markt und „Rigoletto“ in die Oper kam, ein Gebäude, das alles andere als eine Ruine, sondern ein architektonisch bedeutendes Bauwerk aus preußischer Zeit ist, darf nicht der Abrissbirne zum Opfer fallen. Dieses Ensemble platt zu machen, wäre eine städtebauliche Sünde, mit der Münster seine eigene Geschichte mit Füßen treten würde.

„Wirtschaftlichkeit“ und „Druck auf dem Wohnungsmarkt“: Das sind Realitäten, die dem historischen Gemäuer gefährlich werden könnten. Im Klartext: Was kostet die Sanierung der JVA – und wer bezahlt sie? Und: Kann man es sich in einer Zeit, in der dringend Unmengen an bezahlbarem Wohnraum benötigt werden, leisten, ein opulentes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zu erhalten?

Ja, man kann es nicht nur, man muss es. Daher muss das Land beim geplanten Verkauf dem Investor klare Auflagen machen, was auf diesem Gelände geht – und was nicht. Eine Erweiterung um Neubauten ist auf dem riesigen Gelände ja nicht ausgeschlossen. Dafür die historische Bebauung zu opfern, wäre allerdings ein irreversibler Fehler, der das Gesicht Münsters ein Stück mehr enthistorisieren würde. Martin Kalitschke

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