Flüchtlingscontainer
Ungeliebte Nachbarschaft

Münster -

Die Stadt hat versprochen, zusätzlich errichtete Containerbauten für Flüchtlinge, wie die am Nordkirchenweg, nur für ein Jahr stehen zu lassen. Nun ist der Druck auf die Stadt angesichts der vielen Flüchtlinge groß. Die Anwohner am Nordkirchenweg sind aber nicht sonderlich glücklich über die Flüchtlinge.

Donnerstag, 06.11.2014, 04:11 Uhr

Das Containergebäude für rund 100 Flüchtlinge am Nordkirchenweg muss eigentlich am Jahresende wieder abgebaut werden.
Das Containergebäude für rund 100 Flüchtlinge am Nordkirchenweg muss eigentlich am Jahresende wieder abgebaut werden. Foto: Matthias Ahlke

Es war so manchen Bewohnern des kleinen Neubaugebietes am Nordkirchenweg zu laut in diesem Sommer, spät abends noch Kinderlärm, mitunter Musik. In ihren Garten, so klagte eine Anwohnerin kürzlich bei einer Bürgerversammlung, seien Steinchen geworfen worden. Das Kindertrampolin in einem anderen Privatgarten, so eine andere Beschwerde, war in Abwesenheit der Familie offenbar von den fremden Kindern benutzt worden. Der Beweis: „Dort waren zu kleine Fußabdrücke“.

Die Bewohner der Siedlung haben sich nicht recht mit den rund 100 Flüchtlingen anfreunden können, die dort seit einem knappen Jahr in einem Containerbau wohnen. Einem Gebäude, das die Stadt mit dem Versprechen dort aufgestellt hat, es werde nach einem Jahr wieder verschwinden.

Das wäre, so die Stimmung bei der Bürgerversammlung, vielen Nachbarn das Liebste. Aber Stadtverwaltung und Politiker werben angesichts des Flüchtlingsansturms darum, dass die Container weiter dort stehen bleiben können.

Am 13. November tagt die Bezirksvertretung Hiltrup. „Wenn sie kein entsprechendes Votum abgibt, müssen wir die Container Ende des Jahres abbauen“, sagt Dagmar Arnkens-Homann , Leiterin des Sozialamtes. Wohin mit den dort wohnenden Menschen? „Wir wissen es nicht“, sagt Arnkens-Homann.

Bürgerinitiative gegründet

Auch andernorts in Münster regt sich Widerstand gegen die Ansiedlung von Flüchtlingsheime. Am vergangenen Sonntag versammelten sich Anwohner des nördlichen Kreuzviertels, Anwohner rund um die Falgerstraße, wo auf der so genannten Bahlmannwiese eine neue, dauerhafte Flüchtlingsunterkunft gebaut werden soll. Die Anwohner haben eine Bürgerinitiative für den Erhalt der öffentlichen Wiese gegründet.

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151 neue Flüchtlinge sind der Stadt für den November angekündigt, im Oktober kamen 105, an einem einzigen Freitag allein 37. Die ankommenden Flüchtlinge werden von der Stadt oft notgedrungen zunächst in Hotels untergebracht, neulich, weil Münster – wieder einmal – ausgebucht war, sogar in einem Zimmer im Mövenpick, vier Sterne. „Das ist kein Ort, wo sich eine Flüchtlingsfamilie wohl fühlen kann“, stellt Arnkens-Homann klar.

Zurück zum Nordkirchenweg, wo die angestammte Nachbarschaft, anders als in Wolbeck am Hof Buddenbäumer oder am Hoppengarten, bisher nicht das Signal für eine Verlängerung der Container-Flüchtlingsunterkunft gibt. Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt (CDU) findet auch, dass „nicht alles optimal gelaufen ist“ am Nordkirchenweg. Ebenso wie der Vorsitzende der SDP-Fraktion Hermann Geusendamm-Wohde. Er zeigt Verständnis für das Zähneknirschen der Nachbarschaft. Es gab zunächst zu wenig Betreuungspersonal, außerdem keinerlei Aufenthaltsmöglichkeiten oder Spielflächen für die Kinder, noch nicht mal eine Sandkiste. All das soll jetzt nachgeholt werden, kurzfristig ein Spielplatz gebaut werden, ein Sozialpädagoge und ein Hausmeister seien inzwischen eingestellt worden, erklärt Dagmar Arnkens-Homann. Das Sozialamt versuche auch, verstärkt Ehrenamtliche in die Betreuung einzubinden.

Auch Bezirksbürgermeister Schmidt hofft noch auf Harmonie in der Nachbarschaft. „Es gibt kein Alternativ-Grundstück, wo die Stadt die Container aufstellen könnte“, sagt er. Die Kosten für Ab- und Wiederaufbau von mindestens 300 000 Euro seien da fast Nebensache.

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