Gedenken am Volkstrauertag
„Wenn ihr nicht Nein sagt“

Münster -

Am Volkstrauertag wird traditionell der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. In Münster wurde der Gedenktag am Sonntag mit einer feierlichen Kranzniederlegung am Denkmal des Infanterieregimentes 13 auf der Promenade begangen. Im Anschluss fand eine Feierstunde im Rathauses statt.

Sonntag, 16.11.2014, 18:11 Uhr

Kranzniederlegung: Bürgermeisterin Karin Reismann, Wolfgang Heuer für die Kriegsgräberfürsorge (l.) und das 1. Korps nahmen daran teil.
Kranzniederlegung: Bürgermeisterin Karin Reismann, Wolfgang Heuer für die Kriegsgräberfürsorge (l.) und das 1. Korps nahmen daran teil. Foto: Oliver Werner

Gerade als zwei Marienschülerinnen aus Wolfgang Borcherts dramatischer Endzeitbeschreibung nach einem Krieg vorlesen, ruft ein Kleinkind auf den Armen seines Vaters vergnügt nach seiner Mutter. Welch Kontrast im ansonsten stillen Rathausfestsaal: Junges, unbescholtenes Leben auf der einen Seite – literarische Wiedergabe von Kriegselend und Gedenken an die Toten andererseits.

Die Erinnerung daran war am Volkstrauertag Grund für eine Kranzniederlegung und einen Festakt – Erinnerung an jene, die durch Kriege in Deutschland und in der ganzen Welt ihr Leben verloren.

Morgens hatten Bürgermeisterin Karin Reismann und Soldaten des 1. Deutsch-Niederländischen Korps Kränze am Mahnmal des Infanterieregiments 13 an der Promenade niedergelegt. Teil nahmen unter anderem Svenja Schulze , Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Kommunalpolitiker und der Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Das Programm im Rathaus gestalteten das Gymnasium Paulinum und die Marienschule mit.

Das Programm im Rathaus gestalteten das Gymnasium Paulinum und die Marienschule mit. Foto: Oliver Werner

Im Rathaus erinnerte Reismann an den ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch genau 100 Jahre her ist. Ferner an die Toten und die Leiden der Menschen im Zweiten Weltkrieg und, wie sie sagte, „der bestialisch ermordeten sechs Millionen Juden, Sinti und Roma und Homosexuellen“ während der NS-Zeit. Das Rathaus sei heute ein „Ort, wo der Wunsch nach Frieden das Denken und Handeln bestimmt“. In dem Sinne sollten die Menschen zusammenleben, „in dieser zerbrechlichen Welt“.

Ministerin Svenja Schulze lobte den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: „Mit Hochachtung unterstütze ich diese Arbeit.“ Die Ehrenamtlichen kümmerten sich um den „einzelnen Menschen“, der wieder ein Gesicht bekomme. „Sie reichen als Nachgeborene über die Gräber die Hand zum Frieden.“ Kriege brächen „nicht einfach aus“, sagte Schulze, sondern hätten eine Vorgeschichte sowie „Opfer, hinter denen Täter“ stünden. „Die Patina der Zivilisation ist dünn. Wir müssen täglich daran arbeiten, sie nicht zu beschädigen.“

Die Marienschülerinnen hatten den Aufruf des Schriftstellers Borchert „Dann gibt es nur eins“ vorgelesen, in dem der Kriegsinvalide 1947, kurz vor seinem Tod, forderte: „Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins: sag nein!“ Am Volkstrauertag wurden auch in mehreren Stadtteilen Gedenkkränze niedergelegt. Flaggen von Bund, Land und Stadt wehten auf Halbmast.

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