Versammlung im Wienburgviertel
Front gegen Flüchtlingspläne

Münster -

Soll ein Teil einer Grünfläche in einem besonders gehobenen Wohnviertel für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft geopfert werden? Diese Frage bewegte am Montag über 200 Menschen. Sie folgten der Einladung des Rates der Stadt, der sein Konzept zum Bau neuer Einrichtungen verteidigen wollte – ohne sich den Bedenken der Anwohner, die eine Bürgerinitiative gegründet haben, zu verschließen.

Dienstag, 18.11.2014, 17:11 Uhr

Soll auf der Bahlmannwiese eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden?  Diese Frage diskutierten über 200 Menschen im überfüllten Sitzungssaal der Deutschen Rentenversicherung.
Soll auf der Bahlmannwiese eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden?  Diese Frage diskutierten über 200 Menschen im überfüllten Sitzungssaal der Deutschen Rentenversicherung. Foto: Oliver Werner

Die Bewohner des Wienburgviertels rund um die sogenannte Bahlmannwiese an der Falgerstraße strömten in das Haus der Deutschen Rentenversicherung in den großen Sitzungssaal, der sich als viel zu klein erwies.

Die Leute aus dem Viertel, wo eines von elf im Stadtgebiet geplanten Flüchtlingshäuser für 50 Menschen entstehen soll, sind aufgebracht. Der Eingangsvortrag von Flüchtlingsdezernent Jochen Köhnke , der das Flüchtlingskonzept der Stadt, das Aussehen des mögliches Hauses und das Zustandekommen der Liste von Standorten erläuterte, war vielen der Anwesenden zu lang.

Sie hatten Fragen: Warum nicht andere Standorte doch geeigneter sind? Wie sie sicher sein können, dass am Ende nicht die ganze Grünfläche bebaut wird? Wie die Stadt gewährleisten will, dass in der Gegend im dicht bebauten Bezirks Mitte noch genügend Frischluft zirkulieren kann, wenn ein Gebäude auf der Bahlmannwiese steht?

Zwei Anwohner wiesen darauf hin, dass die Bundesregierung in Kürze das Planungsrecht mit Blick auf die Flüchtlingsunterbringung ändern will: „Warum diese Entscheidung jetzt übers Knie brechen, wenn demnächst andere Optionen rechtlich möglich sind?“

Jede Frage kommentierten die Nachbarn des Viertels mit lauten Beifalls-, die von Politikern und Verwaltung aber häufig mit Missfallenskundgebungen.

Andersherum die Münsteraner, unter ihnen auch Mi­granten, die den Gegnern der Flüchtlingsunterkunft nicht das Feld überlassen wollten und sich für das Konzept der Stadt stark machen.

Die Politiker auf dem Podium versuchten sich in Vermittlung und Erklärung der anstehenden Rats-Entscheidung, die sie verteidigen. Allein Frank Baumann (CDU) machte sich die Bedenken der Nachbarn zu eigen und betonte, die CDU diskutiere, „ob die Falger­straße der richtige Standort“ ist“. Aus dem Saal erscholl ein vielstimmiges „Juhu“.

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