Drohender Verkauf von WestLB-Kunstwerken
Chillida: Geschenk oder Dauerleihgabe?

Münster -

War die Chillida-Skulptur ein Geschenk der WestLB – oder handelte es sich nur um eine Dauerleihgabe? Die Stadt sucht nach Dokumenten, um einen Verkauf abzuwenden.

Samstag, 29.11.2014, 06:11 Uhr

Die Chillida-Skulptur im Rathausinnenhof
Die Chillida-Skulptur im Rathausinnenhof Foto: Oliver Werner

Geschenk oder Dauerleihgabe ? In der Stadtverwaltung wird zurzeit intensiv recherchiert, ob es bei der Übergabe der Chillida-Skulptur durch die WestLB an die Stadt Münster im Jahr 1993 eine rechtliche Vereinbarung gegeben hat. Bei der Portigon AG , einer hundertprozentigen Tochter des Landes und Rechtsnachfolgerin der in Abwicklung befindlichen WestLB, geht man – wie berichtet – davon aus, dass es sich bei dem Kunstwerk um eine Dauerleihgabe handelt. Der Verkauf der Chillida-Skulptur wäre damit, früher oder später, kaum zu verhindern, da Portigon im Rahmen der Bank-Entwicklung deren gesamten Besitz zu Geld machen muss.

Der damalige WestLB-Chef Friedel Neuber hatte 1993, bei der Übergabe des Kunstwerks, in einer Rede das Wort „Geburtstagsgeschenk“ in den Mund genommen. „Eine eindeutige Aussage“, betont Oberbürgermeister Markus Lewe. Eine Schenkungsurkunde sei allerdings bislang nicht gefunden worden. Dennoch: „Wir werden alles, was politisch und rechtlich möglich ist, tun, damit die Chillida-Skulptur in Münster bleibt.“

So prüfe die Stadt, ob das Urheberrecht des Künstlers einen Verbleib des eigens für den Rathausinnenhof angefertigten Kunstwerks zwingend erforderlich machen könnte. Eduardo Chillida ist inzwischen verstorben, die Frage müssten also seine Erben beantworten.

Nach Einschätzung von Dr. Helmut Keßler, langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates der WestLB und nach eigenen Angaben vor 21 Jahren in den Ankauf des Kunstwerks involviert, hatte die Bank damals keinerlei Absichten, den Chillida der Stadt zu schenken. „Es ist eine Dauerleihgabe“, das würde er vor Gericht beeiden. Der Portigon AG bleibe keine andere Wahl, als das Kunstwerk zu veräußern. „Sie muss das tun. Anderenfalls würde sie sich strafbar machen.“

Zugleich stellt er klar, dass er sich den Abbau der Chillida-Bänke kaum vorstellen mag. „Es wäre schlimm, wenn sie aus Münster verschwinden.“ Denkbar sei, dass sich kunstbegeisterte Münsteraner zusammentun und das Kunstwerk für die Stadt erwerben.

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