Arbeiten im Jobcenter
Für viele kein Traumjob

Münster -

Der Leiter der Behörde mag es gar nicht schön reden: Die Arbeit beim Jobcenter der Stadt sei für viele seiner Mitarbeiter nicht eben ein Traumjob, sagt Ralf Bierstedt. Etwa ein Drittel der 260 Mitarbeiter starken Belegschaft des städtischen Jobcenters wechselte innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Der Personalratsvorsitzende der Stadt, Jochen Lüken, hatte die hohe Fluktuation im Jobcenter unlängst bei der Personalversammlung der Stadt kritisch angesprochen.

Donnerstag, 04.12.2014, 06:12 Uhr

Die Fluktuation ist hoch im Jobcenter: Etwa ein Drittel der 260 Mitarbeiter der städtischen Behörde wechselte in den vergangenen zwei Jahren.
Die Fluktuation ist hoch im Jobcenter: Etwa ein Drittel der 260 Mitarbeiter der städtischen Behörde wechselte in den vergangenen zwei Jahren. Foto: Matthias Ahlke

Dabei hatte sich die Stadt von der Übernahme des Jobcenters versprochen, dass eine größere Kontinuität beim Personal einkehre. Zwar haben nach Angaben von Ralf Bierstedt nur noch zehn Prozent der Mitarbeiter befristete Stellen, meist in zeitlich begrenzten Projekten. Aber auch ein unbefristeter Job sorgt offenbar nicht dafür, dass die Mitarbeiter besonders lange in der Behörde bleiben.

„Wir haben ein sehr junges Team“, sagt Bierstedt, viele Jobcenter-Mitarbeiter starten ihre Berufslaufbahn hier. Außerdem hätten Jobcenter ein Imageproblem, spätestens seitdem eine Mitarbeiterin des Jobcenters in Neuss vor Jahren von einem Kunden mit einem Messer attackiert und getötet wurde. Und erst gestern kam es in Rothenburg im Jobcenter zu einer Messerattacke, bei der ein Gutachter ums Leben kam. Die Kunden, die die Mitarbeiter als sogenannte Job-Coaches betreuen, träten häufig „sehr fordernd“ auf, sagt Bierstedt. Dies sei bei einer Entlohnung von rund 2500 Euro brutto für Berufseinsteiger keine große Verlockung.

Die hohe Fluktuation in der Belegschaft ist ein Problem, denn bei der Betreuung der Langzeitarbeitslosen sei Beständigkeit wichtig – neben dem Fingerspitzengefühl.

Immerhin: Etwa 3500 Personen habe das Jobcenter in einem Jahr in Beschäftigung gebracht, ergänzt der Leiter. Dass die Zahl der Bezieher von Leistungen nach Hartz IV in Münster trotzdem seit Jahren konstant bleibe, habe zwei Ursachen: Zum einen wandern Menschen zu – und nicht immer solche, nach denen der Arbeitsmarkt dringend verlange.

Zum anderen: die hohen Mieten. Rund 4000 der 9200 arbeitsfähigen, vom Jobcenter betreuten Leistungsbezieher haben Arbeit und ein Einkommen. Das reicht aber – meist wegen der hohen Kosten für die Wohnung – nicht zum Leben, sodass weiter Sozialleistungen in Anspruch genommen werden können.

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