Interview mit Donots-Gitarrist Alex Siedenbiedel
Karamba, Karacho, ein Album

Münster -

Im Februar erscheint das neue Album der Donots. Mit „Karacho“ soll das bereits zehnte Werk des Quintetts in den Charts einschlagen. Vorher aber geben sie ihr obligatorisches Konzert in der Halle Münsterland. Alex Siedenbiedel hat mit uns über das neue Album, Band Aid und Fitness gesprochen.

Mittwoch, 10.12.2014, 12:12 Uhr

Donots 2014: Alex Siedenbiedel, Guido Knollmann, Ingo Knollmann, Jan-Dirk Poggemann und Eike Herwig (v.l.) sehen gelassen, aber auch gespannt, dem Heimspiel in der Halle Münsterland entgegen. Anfang des kommenden Jahres erscheint das neue Album des münsterländischen Fünfers.
Donots 2014: Alex Siedenbiedel, Guido Knollmann, Ingo Knollmann, Jan-Dirk Poggemann und Eike Herwig (v.l.) sehen gelassen, aber auch gespannt, dem Heimspiel in der Halle Münsterland entgegen. Anfang des kommenden Jahres erscheint das neue Album des münsterländischen Fünfers. Foto: Patrick Runte

Wo seid ihr gerade?

Alex Siedenbiedel : Wir purzeln gerade aus dem Bus in Hannover, Warm-up-Konzert . Morgen weiter nach Bochum zur 1Live-Krone.

Ihr seid aber nicht nominiert, oder?

Siedenbiedel: Nee. Das letzte Mal, als wir nominiert waren, mussten wir als beste Liveband gegen Casper einpacken. Das ist auch in Ordnung.

Den habe ich noch nie live gesehen.

Siedenbiedel: Ein super Spektakel.

Ich tue mich da etwas schwer. Peter Fox in der Halle war zwar auch super, aber wehe, der versucht eine Sekunde zu improvisieren, dann gerät die Show aus dem Takt.

Siedenbiedel: Ja, das Problem hatte ich bei Deichkind. Am Anfang einmal auf Play, am Ende auf Stop und dazwischen fehlt das Leben in der Show.

Aber wenn die bei “Roll das Fass rein” mit dem überdimensionierten Fass in die Halle rollen…

Siedenbiedel: Total geil (lacht). Geile Zeile auch.

Wenn ich an mir herunterschaue, muss ich auch immer an die Zeile denken. Ich muss dringend wieder ins Fitness-Studio .

Siedenbiedel: Hör bloß auf, den Satz habe ich heute Morgen noch zu meiner Freundin gesagt. Es muss mal wieder über den Satz hinausgehen (lacht).

Wir haben doch keine Zeit. Und es gibt Wichtigeres…

Siedenbiedel: Das weiß ich nicht. Wichtiger vielleicht nicht, aber dringender.

Ich hasse ja solche Sätze: “Im Fitness-Studio kann ich so gut abschalten”. Ich denke da immer nur, hoffentlich ist es gleich vorbei.

Siedenbiedel: Oder man ist an einer Station und soll drei Durchgänge à 15 Wiederholungen machen. Dann denke ich, es merkt doch auch keiner, wenn ich zwei Durchgänge à 10 mache, oder? Und ich überlege, die Gewichte einfach ganz wegzulassen und direkt nach dem Aufwärmen nach Hause zu gehen (lacht).

Ihr müsst aber fit sein auf der Bühne.

Siedenbiedel: Es macht sich gerade wieder die erste Nightliner-Grippe wegen der Klimaanlagen-Luft breit. Das durchmengt sich wunderbar, wenn in dem Schuhkarton durchgeschwitzte Männer liegen. Riecht auch gut (lacht).

Wie Turnhalle?

Siedenbiedel: Wie ganz alte Turnhalle (lacht).

Spielt ihr in Münster auch Songs vom neuen Album?

Siedenbiedel: Nein. Wir werden einen neuen Song, der auch die erste Single der neuen Platte sein wird, als aller erstes in der Halle Münsterland spielen. Sonst halten wir uns zurück.

 

Mit deutschem Text?

Siedenbiedel: Gucken wir mal… (lacht).

Ich hab’s versucht.

Siedenbiedel: Wir versuchen auch, dass das Album ab dem 12. Dezember vorzubestellen ist. Es erscheint zwar dann erst im Februar, aber dann ist die Katze bereits aus dem Sack.

Ich vermute einfach mal, dass es musikalisch härter ist als vorher, oder?

Siedenbiedel: Ja. Im Studio waren plötzlich die Gitarren laut, das Schlagzeug laut und Ingo war laut und (lacht) es hat einfach einen Kick - einen Wirbelsturm - gegeben. Es ist uns auch egal, ob es radiotauglich ist. Wir hatten ruckzuck die Songs zusammen und haben jetzt das Jahr daran gearbeitet. Es entspricht auch viel mehr dem, was wir live machen. Das Album wird übrigens wie die Tour heißen: Karacho . Und so war das auch: mit Karacho.

Ich muss jetzt an “Karamba, Karacho, ein Whiskey” denken.

Siedenbiedel: (lacht) Das hängt von deiner Sozialisation ab.

Oder vom Alter. Meinst du, dass sich etwas durch eure Pause angestaut hatte, was sich entladen wollte?

Siedenbiedel: Nein, es ging nahtlos ineinander über. Wir hatten die USA-Tour, dann die Europatour mit Billy Talent, danach waren wir direkt mit den Toten Hosen unterwegs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Und mit dem Schwung haben wir uns in Hamburg ein Studio gemietet. Zur Landung sozusagen. Wir hatten soviel Feuer in uns, dass wir jede Nacht bis fünf Uhr im Aufnahmestudio gewesen sind.   

Hat sich durch die Tour mit den Toten Hosen auch die Kooperation mit Band Aid ergeben?

Siedenbiedel: Ich glaube, wir haben 2002 das erste Mal mit den Hosen zusammengespielt. Uns verbindet also eine längere Geschichte. Als Campino dann angefangen hat zu planen, hat er uns gefragt, ob wir mitmachen wollen. Wir wussten, dass die Nummer nicht unbedingt als “cool” gelten wird. Aber was ist die Alternative? Nicht mitzumachen? Natürlich gab es Häme. Aber es gab in den vergangenen Tagen Reaktionen auf die Häme, weil es eben leicht ist, am Schreibtisch zu sitzen und über die Aktion herzuziehen. Das Schlimmste ist doch, Leuten ein schlechtes Gefühl zu geben, obwohl sie etwas Gutes tun, nur weil es angeblich uncool ist.

Damon Albarn hat in England auch Lack von Sinead O’Connor für seine Kritik an Band Aid bekommen.

Siedenbiedel: Um das auf die nächste Ebene zu heben. Es ist ja legitim, darüber zu diskutieren, ob die Art der Hilfe in Ordnung ist. Aber ich habe letztens noch im Kölner Treff eine Entwicklungshelferin gesehen, die das seit Jahrzehnten macht. Und sie meinte auch, dass jeder Euro, der ankommt, dringend gebraucht wird.

Und das Wichtigste ist doch zu wissen, dass das Geld ankommt. Ich erinnere nur an den Unicef-Skandal vor ein paar Jahren.

Siedenbiedel: Bob Geldof hat erst mal an die teilnehmenden Künstler eine Liste geschickt, in der dezidiert aufgeführt ist, wo jeder Cent seit den 80er Jahren hingegangen ist. Ob sich das letztlich alles jemand ausgedacht hat, weiß man nicht, aber es hat schon viele offizielle Siegel und sieht sehr überzeugend aus.

Info

Donots, Grand Münster Slam - 20th Birthday, 13. Dezember 2014, Halle Münsterland, Albersloher Weg 32, Support The Subways, CJ Ramone, Tim Vantol, ab 19.30 Uhr.

...

Ich vermute mal, dass ihr das Lied in Münster nicht spielen werdet. Gibt es denn wieder Special Guests?

Siedenbiedel: Wir hoffen, dass CJ Ramone vor seinem einzigen Europakonzert rüberkommt. Der letzte noch Lebende der Ramones. Er hatte uns eingeladen, in New York mit ihm zu spielen. Das ist jetzt die Rückeinladung. Wir müssen aber noch die letzten Stellschrauben drehen, deshalb machen wir auch die kleine Warm-up-Tour.  

Nach der Albumveröffentlichung wird sich die Setlist ja wieder verändern...

Siedenbiedel: Total. Da freuen wir uns auch drauf. Es ist aber auch eine schwere Entscheidung, wieviel Neues man den Leuten zumuten kann. Die wollen ja gerne auch die alten Songs hören. Aber wir wechseln die Setlist jeden Tag und tauschen große Blöcke aus. Das ist mittlerweile unser zehntes Album. Leider ist es immer so, dass nur drei oder vier Lieder hängenbleiben und der Rest unter den Tisch fällt.

Ist es ein Problem, dass Ingo nach Köln gezogen ist?

Siedenbiedel: Nein. Eike ist ja auch in Köln. Die können dann zusammen mit der Bahn fahren und wir treffen uns dann um 10 Uhr im Proberaum in Münster. Ingo geht sogar in Münster noch ins Fitness-Studio und steigt in Köln bereits um 6 Uhr in den Zug. Das ist mal Disziplin.

Da sind wir wieder beim Thema.

Siedenbiedel: Das Tonnen-Thema (lacht).  

 
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2931049?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F2572714%2F4847847%2F
Nachrichten-Ticker