Dunkle Materie gesucht
Kernphysiker der Uni schicken Apparatur ins Untergrundlabor

Münster -

Kiste um Kiste hatten die Doktoranden und Mitarbeiter des Instituts für Kernphysik gepackt und zum Abholen für die Spedition bereitgestellt. Dann ging die Fracht mit kostbarem Inhalt per Lastwagen auf die Reise von Münster in Richtung Süden, zum italienischen Gran-Sasso-Labor. Diese Forschungsstätte in den Abruzzen unweit von Rom ist das weltweit größte Untergrundlabor zur Untersuchung von Elementarteilchen. Dort – 1500 Meter unter dem Fels des Gran-Sasso-Massivs – setzte das münsterische Team aus den einzeln verpackten Bauteilen eine Apparatur zusammen, die ihresgleichen auf der Welt vergeblich sucht: eine sogenannte kryogene Destillationssäule, mit der sich ultra-reines Xenon herstellen lässt.

Freitag, 02.01.2015, 21:01 Uhr

 Die kryogene Destillationssäule musste zuerst abgebaut werden, bevor es auf Fahrt nach Italien
 Die kryogene Destillationssäule musste zuerst abgebaut werden, bevor es auf Fahrt nach Italien ging. Foto: WWU

Wenn Prof. Christian Weinheimer davon erzählt, leuchten seine Augen. „Wir sind sehr stolz darauf. Denn damit haben wir in Münster einen Meilenstein geschaffen, der für den Erfolg des Xenonit-Experiments ausschlaggebend ist“, betont er. Bei diesem Experiment geht es um die Suche nach Dunkler Materie : Ein internationales Forscherteam will die Existenz von sogenannten „Wimps“ (Weakly Interacting Massive Particles) beweisen. Diese hypothetisch vorhergesagten Teilchen sind heiße Kandidaten für diejenigen Partikel, aus denen dunkle Materie bestehen könnte, berichtet die Universität.

Die dunkle Materie ist eines der großen Geheimnisse der Kosmologie. Bislang ist nur ein Sechstel der Materie des Universums bekannt. Von den anderen fünf Sechsteln wissen Forscher nur indirekt aufgrund ihrer Gravitationswirkung im Universum, daher der Name „dunkle Materie“. Verschiedene Arten von Teilchen, aus denen diese Materie bestehen könnte, sind in der Diskussion. „Sind es die ‚Wimps‘, werden wir sie mit ‚Xenon1T‘ finden“, ist Christian Weinheimer überzeugt.

Um die Wimps aufzuspüren, benötigen die Wissenschaftler 3500 Kilogramm flüssiges Xenon. Sie hoffen, einige der seltenen theoretisch vorhergesagten Kollisionen von Wimps und Xenon-Atomkernen messen zu können und anhand der Signale, die dabei entstehen, die Existenz der Teilchen zu beweisen. Damit die Experimente nicht durch kosmische Strahlung gestört werden, finden sie tief im Fels statt. Die münsterische Destillationssäule soll Spuren von Krypton entfernen und dadurch extrem reines Xenon produzieren.

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