Organisatoren der Anti-Pegida-Demonstration ziehen Bilanz
Erst rote Ohren – dann Gänsehaut

Münster -

Unter erheblichem Zeitdruck und mit minimalem Budget stemmten der Theologiestudent Stephan Orth und zahlreiche Mitstreiter am Montagabend Deutschlands bislang größte Anti-Pegida-Demonstration. Am Tag nach dem Marsch dominieren Freude und Erleichterung.

Dienstag, 06.01.2015, 19:01 Uhr

Mit einem Mini-Budget und unter Zeitdruck organisierten sie die Demonstration am Montagabend (großes Foto, v.l.): Albert Uhr, Stephan Orth, Ulrich Coppel und Ekki Kurz. Rund 10 000 Menschen sind nach Polizeiangaben durch die Stadt gezogen.
Mit einem Mini-Budget und unter Zeitdruck organisierten sie die Demonstration am Montagabend (großes Foto, v.l.): Albert Uhr, Stephan Orth, Ulrich Coppel und Ekki Kurz. Rund 10 000 Menschen sind nach Polizeiangaben durch die Stadt gezogen. Foto: Oliver Werner

Münster hat seit Montagabend einen Superlativ mehr . Deutschlands bislang größte Anti-Pegida-Demonstration fand hier stand. Am Tag nach dem Marsch der 10 000 Münsteraner dominierte bei dem Initiator Stephan Orth zweierlei: Freude und Erleichterung.

Freude deshalb, „weil diese Veranstaltung ganz viel über Münster aussagt“. Erleichterung deshalb, weil die Vorbereitung ihm noch am vergangenen Freitag „rote Ohren und einen Schweißausbruch“ beschert habe. „Ich habe noch nie eine Großveranstaltung organisiert.“

Per Internet trat Orth in Kontakt mit dem Musiker und Journalisten Ulrich Coppel , der wiederum Ekki Kurz von der Coverband Starlight Excess und Albert Uhr von der Firma Citysound mit ins Boot holte. Was sie alle vereinte: „Wir sind gegen Pegida “, so Coppel.

An einem Wochenende regelte das Team all das, was man bei einer Großveranstaltung halt regeln muss: Bühne, Beschallung, Stromversorgung, überdies der Einsatz von Ordnern und Sanitätern.

So ganz nebenbei war die Finanzfrage zu klären. Selbst bei größtmöglichem ehrenamtlichen Engagement würden beim Veranstalter – sprich Stephan Orth – noch rund 2000 Euro hängen bleiben, rechneten Coppel, Kurz und Uhr dem 22-jährigen Theologiestudenten vor. Noch so ein Schweißausbruch!

10000 Münsteraner demonstrieren gegen Pegida

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  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner
  • Rund 8000 Menschen haben am Montagabend in der münsterischen Innenstadt gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstriert. Foto: Oliver Werner

Doch auch diese Klippe wurde umschifft. Ein Spendenaufruf leistete gute Dienste, bei der Demo gingen Helfer mit Spendendosen umher. „Das Geld reicht“, gab Stephan Orth am Montag Entwarnung.

Vor einer Herausforderung der besonderen Art stand der Technikchef Uhr. Es lag zwar eine polizeiliche Genehmigung für die Demo vor, aber keine für den Bühnenaufbau auf dem Domplatz. Also musste die Bühne unterhalb der genehmigungspflichtigen Grenze von 4,99 Meter Höhe bleiben, entsprechend bescheiden fiel die Lautsprecheranlage aus. Dass die Redner trotzdem so gut zu hören waren, führte Uhr auf die besondere Atmosphäre zurück: „Das Publikum war tiefenentspannt.“

Auch Ekki Kurz, der vor der Menschenmasse das Lied „Verdammt lang her“ von BAP anstimmte, war ganz begeistert: „Die Menschen haben gesungen, nicht gegrölt“.

Stephan Orth hatte nach eigenem Bekunden seinen ganz eigenen, ganz besonderen Gänsehautmoment: „Das war die Schweigeminute, als es wirklich still auf dem Domplatz wurde.“

Vorerst plant Stephan Orth keine neue Demonstration gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung. Nur eine Ausnahme lässt er gelten: „Sollte tatsächlich Pegida in Münster aktiv werden, stehen wir sofort auf der Straße.“

Bis dahin möchte er erst einmal die Eindrücke des Montagabends sacken lassen. Er dürfte nicht der einzige in Münster sein, dem es so ergeht.

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