Filiale nach 47 Jahren geschlossen
Bertelsmann-Buchclub gibt auf

Münster -

Nach 47 Jahren hat der Bertelsmann-Buchclub seine Filiale in Münster geschlossen. Das Unternehmen wickelt den einst erfolgreichen „Club“ bis Ende des Jahres ab, nachdem er zuletzt nur noch Verluste einfuhr.

Freitag, 09.01.2015, 06:01 Uhr

Die „Club“-Filiale an der Julius-Voos-Gasse hat Ende des Jahres ihre Pforten geschlossen. Bertelsmann wickelt die Buch-Kette bis Ende 2015 ab. Für das freie Ladenlokal wird nun ein Nachmieter gesucht.
Die „Club“-Filiale an der Julius-Voos-Gasse hat Ende des Jahres ihre Pforten geschlossen. Bertelsmann wickelt die Buch-Kette bis Ende 2015 ab. Für das freie Ladenlokal wird nun ein Nachmieter gesucht. Foto: Oliver Werner

In seinen besten Zeiten – in den 1970er- und 1980er-Jahren – hatte Bertelsmanns Buch-Club nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Mitglieder. Dann begann der Abstieg. Als die Mitgliederzahl 2014 auf rund 750 000 stürzte, zog Bertelsmann die Notbremse. Das Gütersloher Unternehmen beschloss, bis Ende 2015 die verbliebenen 52 Filialen zu schließen und den Buch-Club komplett abzuwickeln.

Zum Jahresende ist nun auch die Filiale an der münsterischen Julius-Voos-Gasse geschlossen worden – 47 Jahre nach ihrer Eröffnung im Sommer 1967. Die Vermarktung der Immobilie durch die Wirtschaftsförderung ist inzwischen angelaufen, die Monatsmiete beläuft sich auf rund 5000 Euro.

Gleich mehrere Faktoren sind in den vergangenen Jahrzehnten für den Niedergang des Buch-Clubs verantwortlich gewesen, berichtet Matthias Wulff , Sprecher des Bertelsmann-Unternehmens DirectGroup. „Bei vielen Kunden hat die Skepsis, sich an einen Club zu binden, zugenommen, sie kaufen heute lieber spontan“, so Wulff.

Zudem habe sich generell die Buchkultur geändert. „Früher waren Bücher im Wohnzimmer ein Zeichen für Bildung und sozialen Aufstieg.“ Heute hingegen müsse das Buch mit TV, Internet und Smartphone konkurrieren – und nicht selten verliert es diesen Kampf.

Schließlich habe es große Umbrüche im Handelsgeschäft gegeben. Weniger Menschen gehen in Buchgeschäfte, immer öfter werden Titel bei Internet-Händlern wie Amazon bestellt. Auch andere Ketten bekommen diesen Trend zunehmend zu spüren.

In den letzten Jahren bescherte der „Club“ Bertelsmann zunehmend Verluste, bestätigt Wulff. Rettungsversuche – wie die Öffnung der Filialen auch für Nicht-Mitglieder – scheiterten. Von den 2,5 Milliarden Umsatz, die der „Club“ noch vor gut einem Jahrzehnt weltweit einfuhr, sei er zuletzt weit entfernt gewesen. Innerhalb des Bertelsmann-Konzerns, zu dessen wichtigsten Standbeinen heute die RTL Group gehört, sei der „Club“ nur noch „vergleichsweise klein“ gewesen, sagt Wulff.

Für einen Teil der Mitarbeiter, die von der Abwicklung betroffen sind, gebe es „Renten-Optionen“. Einige würden aber auch arbeitslos. Konkrete Zahlen für Münster kann der Unternehmens-Sprecher nicht nennen.

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