Interview mit Fritz Schmücker
Im Jazz spricht Freiheit

Münster -

Das Internationale Jazzfestival Münster findet an diesem Wochenende zum 25. Mal statt. Das Festival ist seit Jahrzehnten untrennbar mit dem Namen Fritz Schmücker verbunden.

Freitag, 09.01.2015, 18:01 Uhr

Der Vater der Erfolgsgeschichte: Fritz Schmücker ist der künstlerische Leiter des Jazzfestivals.
Der Vater der Erfolgsgeschichte: Fritz Schmücker ist der künstlerische Leiter des Jazzfestivals. Foto: Ansgar Bolle

Redakteur Gerhard H. Kock sprach mit dem künstlerischen Leiter über die Anfänge und die Zukunft des Jazzfestivals .

Was sind ihre ersten Erinnerungen an Jazz?

Schmücker : Ich habe vor allem mein erstes Live-Erlebnis im Gedächtnis: 1979 bin ich spontan mit Freunden zum New Jazz Festival nach Moers gefahren. Das war ein Erlebnis! Bei manchem Konzert dachte ich, die Musiker stimmen auf der Bühne eine Stunde lang ihre Instrumente. Aber es waren auch für einen Newcomer-Jazz-Hörer wie mich schon begeisternde Konzerte dabei.

Was sind ihre ersten Erinnerungen ans Jazzfestival?

Schmücker: Kurz nach Moers sind wir nach Münster zur Erstausgabe im Schlossgarten gefahren. Das war eine super Atmosphäre, und ich erinnere mich noch gut an die grandiosen Konzerte, unter anderem von Jasper van’t Hof, den ich jetzt als Festivalmusiker der ersten Stunde zum Jubiläum eingeladen habe. Als Schüler habe ich da noch nicht geahnt, dass ich als Student und AStA-Kulturreferent sechs Jahre später (1985) gemeinsam mit drei Mitstreitern das Jazzfestival Münster im Preußenstadion organisieren würde.

Das Jazzfestival ist heute eine Erfolgsgeschichte. Gibt es da überhaupt noch Entwicklungsmöglichkeiten, Träume?

Schmücker: Der große Reiz liegt in der fortgesetzten Entdeckungsreise durch die Welt dieser aufregenden Musik. Es gibt immer Neues zu entdecken. Daraus leitet sich eine permanente Spannung und Intensität ab. Es ist eine glückliche Fügung, dass das Publikum dem Programm, das auf das Besondere, vielfach auch Unbekannte setzt, sein Vertrauen schenkt und dass so verlässliche Sponsoren und Partner das Festival unterstützen und nicht zuletzt die Stadt das Festival trägt. Dafür bin ich sehr dankbar, und es motiviert mich, weiter zu machen.

Das Jazzfestival ist seit Jahren ruckzuck ausverkauft und Jazz Inbetween ebenso. Könnte, sollte man das Angebot nicht weiter ausbauen?

Schmücker: Die mehr als 35-jährige Geschichte des Festivals ist durch Finanzkatastrophen, Existenzkrisen und Erfolge gekennzeichnet. Es geht nicht um höher, schneller, weiter oder immer mehr. Das Theater ist derzeit der beste Ort in Münster für die Musik, die ich vorstellen möchte. Bei diesem dichten Programm wäre ein Ausbau eine Überfrachtung.

Was wird sein, wenn eines fernen Tages, Fritz Schmücker nicht mehr das Jazzfestival leiten will oder kann?

Schmücker: Für eine seriöse Antwort auf diese Frage bin ich zu jung. Aber im Ernst: Ich hoffe, dass dann jemand da ist, der oder die nach ganz eigenen Vorstellungen dem Festival einen Stempel aufdrückt.

Konzert-Jazz hat noch immer den Nimbus, Musik für Intellektuelle zu sein. In Münster findet Jazz beim Kunstverein, im Keller am Hafen und in der Black Box des Cuba und nicht in der Halle Münsterland, im H1 oder Theater statt. Woran liegt es?

Schmücker: Machen wir uns nichts vor, Konzert-Jazz ist nach wie vor eine Minderheitenmusik. Die Musik scheint schwerer zugänglich zu sein. Im aktuellen Jazz gibt es wenige Protagonisten, die große Konzertsäle füllen. Da steht die improvisierende Musik nicht allein, ähnlich geht es etwa Neuer Musik oder Bildender Kunst. Um größere Publikumskreise zu erschließen, bedarf es besonderer Konzepte und Formate. Das kann man kritisch sehen oder auch als Herausforderung begreifen. Ich tue Letzteres.

Die alljährlichen Großereignisse erfreuen sich einer starken Nachfrage. Die lokale und regionale Szene hat es da deutlich schwerer. Warum?

Schmücker: Dieses Phänomen ist nicht neu. Die Propheten im eigenen Land haben es immer schwerer. Spielstätten wie die oben genannten und Förderinstrumentarien sind wichtig, um die heimische Szene zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Auch der Preis „Westfalen-Jazz“, der beim Festival verliehen wird, richtet den Spot auf die lokale beziehungsweise regionale Szene.

Jazz ist ein weites, unübersichtliches, gelegentlich beliebiges Feld. Was ist für Sie Jazz?

Schmücker: Für mich steht Jazz für mitunter ex­trem unterschiedliche Klangfarben. Ein verbindender Kern ist die Improvisation, in der sich Freiheit und Individualität artikulieren. Sein Lebenselixier sind Neugier, Offenheit und die Freude am Experiment. So verstehe ich auch mein Programm.

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