Von Verkaufsabsichten „geschockt“
Trick der Chillida-Erben könnte Skulptur entwerten

Münster -

Die Familie des 2002 verstorbenen Künstlers Eduardo Chillida ist „geschockt“, dass dessen Skulptur „Toleranz durch Dialog“ im Rathaus-Innenhof der Verkauf droht. Dies berichtet der Direktor des Picasso-Museums, Markus Müller, der jetzt mit Chillidas Sohn Ignacio telefoniert hat.

Donnerstag, 15.01.2015, 05:01 Uhr

Skulptur „Toleranz durch Dialog“
Die Skulptur „Toleranz durch Dialog“ vor dem Friedenssaal in Münster: Der Sohn des 2002 verstorbenen Künstlers Eduardo Chillida wehrt sich gegen einen Verkauf. Foto: Oliver Werner

Vom Leiter des münsterischen Picasso-Museums hat die Familie des 2002 verstorbenen Künstlers Eduardo Chillida jetzt davon erfahren, dass dessen für den Rathausinnenhof geschaffene Skulptur womöglich schon bald veräußert wird. „Die Angehörigen wussten davon noch nichts, sie sind geschockt“, so Prof. Dr. Markus Müller nach einem Telefonat mit Chillida-Sohn Ignacio .

Markus Müller, Direktor des Picasso-Museums

Markus Müller, Direktor des Picasso-Museums Foto: Martin Kalitschke

Kai Wilhelm Franzmeyer, Chef der Portigon AG , die für die Abwicklung der zusammengebrochenen WestLB verantwortlich ist, hatte dagegen vor wenigen Tagen angekündigt, dass der ehemalige Kunstbesitz der Bank wohl in den nächsten zwei Jahren unter den Hammer kommen soll.

„Toleranz durch Dialog“ heißt die Skulptur, die den Geist des 1648 in Münster und Osnabrück geschlossenen Westfälischen Friedens aufgreift. „Ignacio Chillida hofft in diesem Sinn, dass ein Verkauf noch abgewendet werden kann“, sagt Müller. Zugleich habe der Sohn des großen Künstlers betont, dass er sich eine Intervention bei den beiden großen Auktionshäusern Christies und Sothebys vorstellen könne, um dort eine Auktion zu verhindern.

Trick könnte Verkauf verhindern

Denkbar sei zudem, dass die Erbengemeinschaft das münsterische Kunstwerk aus Chillidas Werksverzeichnis nimmt und damit entwertet. „Es würde in diesem Fall drastisch an Wert verlieren“, sagt Markus Müller.

Die Skulptur befindet sich als Dauerleihgabe der WestLB in Münster. Eine andere Dauerleihgabe Chillidas, die einem spanischen Unternehmen gehörte und vor dem Guggenheim-Museum in Bilbao stand, kam 2013 unter den Hammer – für rund fünf Millionen Euro. „Die Skulptur befindet sich heute im Emirat Katar“, sagt Müller.

Platz und Baum gehören zum Kunstwerk

Fünf Millionen Euro – so hoch schätzt er auch den Wert der münsterischen Skulptur, zu der laut Müller nicht nur die Bänke, sondern auch ein Gingko-Baum sowie der extra für das Kunstwerk umgestaltete Platz im Rathaus-Innenhof gehören. Ignacio Chillida habe ihm detailliert geschildert, wie das Kunstwerk im Kopf seines Vaters Anfang der 1990er-Jahre entstanden sei, sagt Müller. Fazit: Das Kunstwerk sei „absolut ortsgebunden“, woanders mache es keinen Sinn – schließlich bezieht es sich direkt auf die historischen Ereignisse im benachbarten Friedenssaal. Es von dort zu entfernen, „gehe einfach nicht“, habe der Sohn des Künstlers klargestellt.

Würde das Kunstwerk verkauft, müsste – ganz im Sinne Chillidas – auch der damals umgestaltete Platz samt Gingko-Baum entfernt werden. Ignacio Chillida hat Müller unter anderem den Vertrag zwischen Künstler, Stadt und WestLB aus dem Jahr 1992 zugemailt. Daraus geht hervor, dass das Kunstwerk eine Million Schweizer Franken kostete. Dieser Preis habe schon damals unter dem Marktpreis gelegen. Eduardo Chillida habe diesen „Freundschaftspreis“ akzeptiert, da sein Kunstwerk an einem öffentlichen Ort aufgestellt werden sollte. Unterdessen hat die Stadt bestätigt, dass ein Treffen zwischen Oberbürgermeister Lewe und Portigon-Chef Franzmeyer geplant ist. Zuvor solle ein Gespräch am „runden Tisch“ zwischen Land und Portigon abgewartet werden.

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