Chillida-Sohn zur drohenden Skulptur-Veräußerung
„Verkauf wäre respektlos“

Münster -

Der Sohn des 2002 verstorbenen Künstlers Eduardo Chillida ruft die Münsteraner auf, den Verkauf von dessen Skulptur „Toleranz durch Dialog“ zu verhindern. Eine Veräußerung wäre „respektlos“, sagt Ignacio Chillida.

Samstag, 17.01.2015, 10:01 Uhr

 Zum Gedenken an die Opfer des Attentats in der Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo wurden Blumen auf der Skulptur abgelegt.
 Zum Gedenken an die Opfer des Attentats in der Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo wurden Blumen auf der Skulptur abgelegt. Foto: Oliver Werner

Der Skulptur „Toleranz durch Dialog“ von Eduardo Chillida im Rathausinnenhof ist vom Verkauf bedroht . 1993 kam sie als Dauerleihgabe der WestLB nach Münster . Die Portigon AG, Rechtsnachfolger der inzwischen zusammengebrochenen Bank, ist nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, den gesamten Besitz der WestLB – und damit auch deren Kunstsammlung – zu veräußern. Was der Sohn des 2002 verstorbenen Künstlers, Ignacio Chillida , davon hält, dazu befragte ihn unser Redakteur Martin Kalitschke.

Herr Chillida, wann haben Sie von den Verkaufsabsichten erfahren?

Chillida: Unsere Familie wusste bislang nichts davon. Erst vor wenigen Tagen wurden wir vom Leiter des Picasso-Museums, Markus Müller, darüber informiert.

Was waren Ihre ersten Gedanken?

Chillida: Was da im Moment passiert, ist einfach unglaublich. Ein Verkauf wäre nicht nur gegenüber Eduardo Chillida , sondern auch gegenüber der Stadt Münster schlichtweg respektlos.

Sehen Sie eine Chance, als Erbe und Nachlassverwalter einen möglichen Verkauf zu verhindern?

Chillida: Ich denke, man sollte tun, was möglich ist, um zu verhindern, dass die Skulptur von ihrem angestammten Platz entfernt wird.

Eduardo Chillida

Dass das Kunstwerk woanders aufgestellt werden könnte, ist für sie nicht vorstellbar?

Chillida: Das Kunstwerk wurde speziell für diesen Ort und für diese Stadt geschaffen – um an den Westfälischen Frieden zu erinnern. Es wäre absoluter Nonsens, sie abzubauen und woanders hinzustellen. Die Bürger Münsters sollten darum kämpfen, dass sie die Stadt nicht verlässt. Der Titel der Skulptur, „Toleranz durch Dialog“, spricht für sich.

2013 war bereits eine andere Skulptur ihres Vaters, die sich in Privatbesitz befand, vom Platz vor dem Guggenheim-Museum in Bilbao entfernt und verkauft worden.

Chillida: Hinter dem Verkauf der Skulptur „Suche nach dem Licht VI“, die sich heute in Katar befindet, steckt eine andere Geschichte, sie kann nicht mit der Diskussion über den Verbleib der münsterischen Skulptur im Rathausinnenhof verglichen werden. Dennoch waren wir nicht mit deren Abbau einverstanden und hatten das auch deutlich gemacht. In Münster werden meine Familie und ich allerdings versuchen, alles zu tun, was möglich ist, damit dieses öffentliche Kunstwerk, das heute ein Teil der Stadtgeschichte und auch ihres kulturellen Erbes ist, nicht verschwindet.

Hommage an Chillida - Ausstellung

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ignacio Chillida, ältester Sohn des Künstlers, half bei der Ausstellungsvorbereitung.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

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  • Ignacio Chillida (l.), ältester Sohn des Künstlers, half bei der Ausstellungsvorbereitung.

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

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  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeigt Werke des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

    Foto: Wilfried Gerharz

Einige sagen, die Skulptur sei damals ein Geschenk gewesen, der heutige Besitzer betont, dass es sich um eine Dauerleihgabe handelt.

Chillida: Nach den Dokumenten, die wir in unseren Archiven haben, war die Skulptur tatsächlich als Geschenk der Institution, die sie bezahlt hat, an die Stadt Münster gedacht. Uns liegt ein Brief des damaligen Stadtdirektors Hermann Janssen vor. Am 20. Mai 1992 schrieb er: „Die Westdeutsche Landesbank wird die Arbeit der Stadt Münster zum Stadtjubiläum schenken.“

Wie glauben Sie, sich für den Verbleib des Kunstwerks in Münster starkmachen zu können?

Chillida: Viel wichtiger als unsere Meinung und unsere Möglichkeiten ist es, dass sich die Bevölkerung von Münster überlegt, was sie tun kann. Menschen und Medien, in Münster und bundesweit, sollten gemeinsam so viel wie möglich tun, um das Kunstwerk zu schützen.

Was hätte wohl Ihr Vater zu den bevorstehenden Verkaufsabsichten gesagt?

Chillida: Ich denke, dass es mein Vater überhaupt nicht verstanden hätte, dass jemand meint, das Recht zu haben, so etwas zu tun. Und er hätte es ebenso wenig verstanden, sollten sich die Bürger nicht spätestens jetzt zusammentun, um das Kunstwerk, das zu ihrer Stadt gehört, zu schützen. Noch einmal: Ich denke, dass alles getan werden sollte, den Verkauf zu verhindern.

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