Neue Ortsgruppe der „Wahlverwandtschaften“
Sehnsucht nach der Wunschfamilie

Münster -

Chemiker beschreiben mit „Wahlverwandtschaft“ das anziehende Verhalten chemischer Verbindungen – Goethe machte daraus den Titel eines Romans. Nun hat sich in Münster eine Ortsgruppe des Vereins „Wahlverwandtschaften“ gegründet. Ihre Mitglieder suchen familiäre Kontakte.

Montag, 19.01.2015, 09:01 Uhr

Die Gastgeber Dr. Petra Schwarz, Volker Kuhlhüser und Samia Lilge (v.l.) luden zum ersten Treffen der Ortsgruppe Münster der Vereins „Wahlverwandtschaften“ ein.
Die Gastgeber Dr. Petra Schwarz, Volker Kuhlhüser und Samia Lilge (v.l.) luden zum ersten Treffen der Ortsgruppe Münster der Vereins „Wahlverwandtschaften“ ein. Foto: reg

Seit 2009 gibt es den Verein „ Wahlverwandtschaften “, der sowohl im Internet als auch in mehreren Städten vor Ort eine Plattform für Menschen bietet, die verwandtschaftsähnliche Beziehungen mit anderen Menschen suchen. Gründerin Dr. Christine Wichert hat Erfolg mit ihrem Konzept, wurde 2014 mit der „Goldenen Bild der Frau“ ausgezeichnet. Seither nimmt ihr Verein Fahrt auf. Jetzt gründete sich die bundesweit siebte Ortsgruppe in Münster – einer Stadt, in der das Interesse offenbar besonders hoch ist.

Die ehrenamtlichen Organisatoren der Ortsgruppe Münster – Dr. Petra Schwarz , Volker Kuhlhüser und Samia Lilge – sind vom Ansturm beim ersten Treffen begeistert. Die drei wirken wie ein eingespieltes Team, doch Schwarz erklärt: „Wir haben uns selbst erst vor Kurzem durch unser Interesse für den Verein kennengelernt!“ Jetzt moderieren sie mit viel Charme etwas auch für sie völlig Neues.

35 Menschen im Alter von Mitte 30 bis Mitte 70, überwiegend Frauen, sind gekommen. An kleinen Tischen nehmen sie Platz, bunt zusammengewürfelt und neugierig auf das, was „Wahlverwandtschaften“ für sie werden kann. Einige wirken zurückhaltend, wollen erst mal abwarten, andere formulieren schon ihre Erwartungshaltung oder melden Zweifel an. Niemand steht auf und geht. Die Neugier ist größer.

Zum Beispiel bei einem Paar um die 50. Die beiden sind vor einiger Zeit nach Münster gezogen und suchen hier engere Kontakte, die über die üblichen Vereinsaktivitäten hinausgehen, etwas Familiäres. Eine Frau – alleinstehend, Mitte 60 – ist bereit zu geben, wie sie selbst sagt, will offen sein für besondere Beziehungen in ihrem Leben. Ein älteres Paar, Mitte 60, sehnt sich nach Beziehungen, „deren Grad der Nähe nicht immer wieder neu definiert werden muss“, wie die Frau sagt. Sie wünschen sich Nähe, die auch Familienfeste einschließt.

Eine junge Frau, Mitte 30, ist Vollwaise, so wie es die Gründerin Wichert war, als sie sich entschloss, den Verein zu gründen. Wichert hatte Glück. Sie traf Ada und Ilse, zwei Frauen um die 70, mit denen sie sich so gut verstand, dass aus Freundschaft „Wahlverwandtschaft“ wurde. Glück wird die junge Frau auch brauchen, um den Menschen zu finden, der für sie zum Wahlverwandten werden kann. Aber die Chancen stehen bei knapp 1000 Teilnehmern im Online-Netzwerk nicht schlecht. Regelmäßige Treffen sollen alle sechs Wochen, ein Stammtisch alle zwei Wochen stattfinden.

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