Ratsbeschluss wird verschoben
Gesamtschule muss wieder warten

Münster -

Der Rat wird in seiner nächsten Sitzung entgegen der Planung nicht die Errichtung einer zweiten städtischen Gesamtschule im Ostviertel beschließen. Die Verwaltung kann noch kein schlüssiges Konzept vorlegen. Vor allem die Grundstücksfrage ist noch nicht geklärt. Die Schule soll 2016 ihren Betrieb aufnehmen. 

Freitag, 23.01.2015, 06:01 Uhr

Die zweite städtische Gesamtschule im Osten der Stadt ist eigentlich beschlossene Sache. Die Nachfrage in den Familien ist groß, alle Fraktionen sind dafür. Der Errichtungsbeschluss zum Schulstart im Schuljahr 2016/17 sollte am 11. Februar fallen. Doch nun ist das Thema wieder von der Tagesordnung des am Dienstag (27. Januar) tagenden Schulausschusses genommen worden.

Der Entwurf der Vorlage erhielt nicht die nötige Zustimmung des Verwaltungsvorstandes. „Abstimmungsprobleme in der Verwaltung“, begründet Schuldezernentin Dr. Andrea Hanke den Schritt. Die Einrichtung der Gesamtschule sei sehr komplex, die Verwaltung wolle dem Rat kein mit „heißer Nadel gestricktes“ Konzept zum Beschluss vorlegen. Hanke hat das Projekt über viele Jahre begleitet und hätte den Beschluss noch gern in ihrer Amtszeit erlebt, beteuert sie. Sie ist aber „optimistisch, dass der Beschluss nun vier Wochen später fallen wird“.

Vollendete Tatsachen sind bereits geschaffen worden, denn der Rat hat die schrittweise Auflösung der Fürstin-von-Gallitzin-Realschule beschlossen, in deren Gebäude die Gesamtschule – zunächst vierzügig – starten soll. Schon im kommenden Schuljahr werden dort keine Schüler mehr aufgenommen.

Erklärtes Wunschziel der Verwaltung und auch der Politik ist die Einrichtung einer sechszügigen Gesamtschule. Die aber braucht einen Neubau – größer als das Stein-Gymnasium in Gievenbeck . Und Platz für ein solches Gebäude bietet allein das Gelände der jetzigen Oberfinanzdirektion (OFD), die abgerissen wird.

Aus dem Entwurf der Vorlage zum Errichtungsbeschluss der Gesamtschule geht hervor, dass noch immer nicht klar ist, wann und zu welchen Konditionen die Stadt das Gelände vom Land übernehmen kann. Probleme drohen beim Zeitplan und beim Preis, den die Stadt im Fall der Übernahme zu entrichten hätte. Drei Jahre werde es mindestens dauern, das alte OFD-Gebäude abzureißen und die neue Schule zu bauen, kalkuliert die Stadtverwaltung. Dafür müsste die OFD in einem Jahr freigezogen sein.

In den Augen der Stadt wäre eine dauerhaft lediglich vierzügige Gesamtschule nur eine Notlösung. Der Verein Münster 08 mit seinem angrenzenden Sportgelände hätte dann mit Einschränkungen zu rechnen. Außerdem argumentiert die Stadt in dem Vorlagenentwurf weiterhin mit dem Denkmalschutz für das Gebäude der prinzipiell ebenfalls zur Verfügung stehenden Fürstenberg-Hauptschule, die ausläuft, aber derzeit auch von den angrenzenden Berufskollegs genutzt wird.

Während Schulausschussvorsitzende Angela Stähler (CDU) es für vertretbar hält, die Entscheidung noch einmal um einen Monat zu verschieben, werfen die schulpolitischen Sprecher von SPD und Grünen der Verwaltung vor, das Projekt nicht mit dem nötigen Nachdruck voranzutreiben. Christoph Kattentidt (Grüne) erwartet konkrete Lösungsvorschläge – „und nicht die Auflistung immer neuer Schwierigkeiten“. Und Robert von Olberg (SPD) fordert: Wir brauchen jetzt Taten. Der OB muss endlich liefern.“

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