Münster setzt Innenminister-Vorgabe bei schweren Unfällen bereits um
Polizei kassiert Handys

Münster -

Münster setzt bereits um, was NRW-Innenminister Ralf Jäger unlängst ankündigte: Handys von Fahrern werden bei schweren Unfällen einkassiert, um zu prüfen, ob die Nutzung Unfallursache war.

Freitag, 13.02.2015, 18:02 Uhr

Wer zwei Sekunden lang bei Tempo 50 aufs Display schaue, fahre rund 30 Meter im Blindflug, warnte NRW-Innenminister Ralf Jäger.
Wer zwei Sekunden lang bei Tempo 50 aufs Display schaue, fahre rund 30 Meter im Blindflug, warnte NRW-Innenminister Ralf Jäger. Foto: Colourbox.de

41 Verkehrstote mehr als 2013 zählte die Polizei im vergangenen Jahr in NRW. Deshalb und weil immer häufiger die Handy-Nutzung am Steuer eine Unfallursache ist, will NRW-Innenminister Ralf Jäger dem Telefonieren beim Fahren verstärkt den Kampf ansagen: Er will Mobiltelefone von Unfallfahrern beschlagnahmen lassen, kündigte Jäger jetzt an, als er die Verkehrsunfallstatistik 2014 präsentierte. Das allerdings ist in Münster längst Praxis.

Das bestätigte Andreas Bode , Sprecher des Polizeipräsidiums Münster, am Freitag auf Nachfrage. Bei schweren Verkehrsunfällen mit Personenschaden beschlagnahme die Polizei Handys der Fahrer. Bode: „Wir sehen das Mobiltelefon als Beweismittel.“ Und diese dürfte die Polizei bei etwaigen Straftaten, zu denen auch Unfälle mit Verletzten zählen, sicherstellen. Das sei jedoch kein Standard: „Wir beschlagnahmen die Telefone nur bei Verdacht, wenn wir eine unklare Sachlage haben.“

Ausgewertet werden dürften die Handys jedoch erst auf Anordnung der Staatsanwaltschaft – und auch dann nicht zur Klärung, mit wem, sondern nur ob telefoniert worden sei. Für den Zugriff auf Inhalte bedürfe es einer richterlichen Anordnung.

Die genaue Zahl der bisher beschlagnahmten Handys kann der Polizeisprecher nicht nennen, weil diese nicht erfasst werde. Rund ein Dutzend seien es im vergangenen Jahr gewesen. Bode kann aber mit anderen Zahlen aufwarten, zum Beispiel zu geahndeten Handy-Verstößen: Rund 5300 seien es 2013 in der Stadt und auf den Autobahnen im Präsidiumsbezirk gewesen, im vergangenen Jahr noch 4150. „Es gibt aber eine hohe Dunkelziffer“, weiß Bode.

Sinnvoll sei die Auswertung von Handys bei schweren Unfällen, meint Bode. „Es geht um die Verkehrssicherheit. Smartphones lenken einfach ab.“ Das hatte auch der Innenminister betont: „Wer bei Tempo 50 den Blick für zwei Sekunden von der Straße abwendet, um zum Beispiel aufs Display zu schauen, fährt fast 30 Meter im Blindflug.“ Telefonieren am Steuer sei genauso gefährlich wie 0,8 Promille Alkohol im Blut, so Jäger. Wer eine SMS schreibe, reagiere wie ein Fahrer mit 1,1 Promille. Polizeisprecher Bode appelliert an Fahrer, nicht nur an ihr eigenes, sondern auch die Leben anderer zu denken. „So wichtig kann es nicht sein, dass man nicht mal rechts ranfahren kann.“

Fahrern, die bei der Handy-Nutzung am Steuer erwischt werden, müssen nach Bodes Auskunft mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in der Flensburger „Verkehrssünderkartei“ rechnen. Deutlich mehr droht Fahrern, wenn durchs Telefonieren oder Simsen ein Unfall verursacht wird. Das könne nicht nur strafrechtlich erhebliche Konsequenzen haben, sondern auch teuer werden, weil der Versicherungsschutz erlöschen kann. „Das ist wie bei Alkoholkonsum“, so Bode. „Das können bei schweren Verkehrsunfällen immense Kosten sein, die da auf einen zukommen.“

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