70-Jähriger Kult-Straßenmusiker gibt am Samstag sein letztes Konzert
Onkel Willi nimmt den Hut

Münster -

Kult-Straßenmusiker „Onkel Willi“ macht Schluss. Wegen seiner chronischen Lungenerkrankung will der 70-Jährige am Samstag (21. Februar) sein letztes Konzert auf der Rathaustreppe geben.

Donnerstag, 19.02.2015, 11:02 Uhr

Onkel Willi  braucht die Erinnerungsstücke in seinem vollgestopften Häuschen um ihn herum.
Onkel Willi  braucht die Erinnerungsstücke in seinem vollgestopften Häuschen um ihn herum. Foto: Oliver Werner

Es war kein gutes Jahr für Onkel Willi – sagt Münsters Straßenmusiker mit Kultstatus mit Blick auf 2014. Und so richtig aufwärts geht es auch 2015 nicht. Darum will Onkel Willi nun Schluss machen mit der Musik auf der Rathaustreppe . Am Samstag (21. Februar) ab 12 Uhr will er dort noch einmal spielen – ein letztes Mal, wie er sagt. Seine chronische Lungenerkrankung setze ihm sehr zu. „Ich schaffe meist nur eine Strophe. Es ist besser, einen ordentlichen Abgang zu machen.“

Die Rathaustreppe an Markttagen mit Onkel Willi – darauf mussten die Münsteraner, die sich über Jahrzehnte an das Original gewöhnt haben, in letzter Zeit schon meistens verzichten. Onkel Willi, der Ende März vergangenen Jahres am Rathaus noch seinen 70. Geburtstag mit seinen Fans gefeiert hat, schaffte es in den vergangenen Monaten nur noch sehr sporadisch bis in die Stadt. Das Fahrradfahren fällt ihm schwer, „wie vieles mittlerweile sehr anstrengend geworden ist“, sagt er. Dass er darüber traurig ist, daraus macht er gar kein Geheimnis.

Onkel Willi gibt sein letztes Konzert auf der Rathaustreppe

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  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
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  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
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  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner
  • Der 70-jährige Kult-Straßenmusiker Onkel Willi gibt am Samstag aus gesundheitlichen Gründen sein letztes öffentliches Konzert auf der Rathaustreppe. Er lebt inmitten vieler Erinnerungsstücke in einem Gartenhäuschen in Gremmendorf. Foto: Oliver Werner

Es ist ein frostiger Tag im Februar in der Gremmendorfer Kleingartenanlage, in der Onkel Willi seit 15 Jahren in seinem Gartenhäuschen lebt. Vorn beim Eingang heizt der alte Backofen mit offener Tür, im hinteren Raum ein kleiner Ofen. Mitarbeiter vom „Haus der Wohnungslosen“ in Münster bringen ihm gelegentlich Briketts vorbei, auch andere Leute aus der Stadt, denen Onkel Willi am Herzen liegt. Im Radio der betagten Hifi-Anlage läuft Klassik, Radio 4 aus den Niederlanden, Onkel Willi sitzt in seinem Sessel. „Ich brauche immer Musik um mich herum“, sagt er. Auf dem Klavier spielt er nicht mehr so oft wie früher, auch nicht auf dem Banjo, der Gitarre und den anderen Saiteninstrumenten, die an der Wand hängen. Nicht nur das Leben hier draußen, auch die Musik ist ihm zu anstrengend geworden, erzählt Onkel Willi.

Vor bald 71 Jahren wurde er als Klaus Reinhardt in Berlin geboren und war Tontechniker beim hessischen Rundfunk, bevor er Straßenmusiker wurde und in Münster vor über 30 Jahren hängenblieb. Klaus Reinhardt wurde hier Onkel Willi – und Onkel Willi mochte sich nicht in das Korsett von Vorschriften oder in Mehrfamilienhäusern geltenden Hausordnungen pressen lassen. Darum das Leben in dem Gartenhäuschen – das ihm der Schrebergartenverein und auch die Stadt Münster ausnahmsweise gestattet, obwohl es eigentlich verboten ist.

Auch jetzt, da das Leben hier, gerade im Winter, sehr beschwerlich geworden ist, will er nicht weg. In ein Heim für Obdachlose sollte er schon umziehen, erzählt er – „aber das halte ich nicht aus“. Er brauche die Erinnerungsstücke in seinem vollgestopften Häuschen um ihn herum, seinen alten Kater Hänsche, der hier schon geboren wurde, und draußen den Garten. Den hat es im vergangenen Jahr ziemlich getroffen – Pfingsten kam der große Sturm, der fast alle geliebten hochgewachsenen Bäume umstürzen ließ. „Die Leute vom Schrebergartenverein haben alles weggeräumt“, erzählt Onkel Willi ehrlich dankbar, auch wenn ihm der Garten jetzt viel zu kahl ist und die Nachbarn über den Zaun gucken können.

Onkel Willi liebt Publikum, aber ist auch gern für sich allein. Unter Menschen geht er, seitdem er es nicht mehr bis in die Stadt schafft, morgens zum Frühstück in die Caféteria des SB-Warenhauses auf der Loddenheide. Spielen will er dort aber nicht. „Nee nee, Onkel Willi ist kein Penner, der vor dem Marktkauf nur noch ein paar Griffe auf der Klampfe runterspielt“, sagt er, „dann lieber einen richtigen Abgang.“

Dazu wird ihn am nächsten Samstag ein Bekannter aus Gremmendorf in die Stadt fahren, eine Bäckerei wird geschmierte Brötchen spendieren, zwei Musiker aus Wolbeck werden mitspielen, aushelfen, wenn Onkel Willi nicht mehr kann. Ein richtiges kleines Fest soll es werden.

Onkel Willi will dann sehen, wie es weitergeht: „Die Dinge sind in meinem Leben immer auf mich zugekommen“, sagt er, „wie im Märchen Sterntaler.“ Onkel Willi vertraut darauf, dass es so bleibt. 

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