Eingestellte Ermittlungen
Durchsuchung mit vielen Konjunktiven

Münster -

Die haltlosen Korruptionsvorwürfe gegen zwei bekannte Münsteraner wirken nach. Nach und nach werden weitere Details des Falls bekannt.

Montag, 23.02.2015, 18:02 Uhr

Heinrich Bökamp (l.) mit seinem Anwalt Dr. Rolf Krüger.
Heinrich Bökamp (l.) mit seinem Anwalt Dr. Rolf Krüger. Foto: Oliver Werner

Es geht um Vertrauen – „das ist kein verhandelbares Gut“, stellt Dr. Heinrich Bökamp klar. Gerade Ingenieuren müsse man vertrauen können – etwa wenn sie Wohngebäude oder Brücken bauten. Umso mehr haben den ehrenamtlichen Präsidenten der Ingenieurkammer-Bau, der in Münster seit vielen Jahren ein Ingenieurbüro unterhält, die angeblichen Korruptionsvorwürfe getroffen. Sie waren aus Sicht Bökamps geeignet, das Vertrauen in seine Person zu zerstören. Die Vorwürfe haben sich – wie berichtet – nach intensiven Ermittlungen der Staatsanwaltschaft als haltlos erwiesen. „Ob dem Anzeigeerstatter klar war, was er anrichtet“, fragt sich Bökamp heute.

Nach und nach werden Details über die spektakulären Durchsuchungen bei ihm und Stadtdirektor Hartwig Schultheiß sowie die folgenden Ermittlungen bekannt: Sie brachten letztlich keinerlei Belege für ein strafbares Verhalten der beiden an den Tag. Dabei richtete sich die erste Strafanzeige eines Münsteraners aus dem Jahr 2013 nach Recherchen unserer Zeitung zunächst nur gegen den städtischen Planungsdezernenten Schultheiß. Die Ermittler legten die Anzeige aber nach einer Überprüfung zu den Akten, weil sie offenbar keinen Anlass für ein strafbares Verhalten sahen. Erst die Beschwerde dagegen und eine weitere Anzeige brachten die Ermittlungen erneut ins Rollen – und rückten Bökamp ebenfalls in den Fokus.

Die Durchsuchungen von Büro- und Privaträumen machten den Fall öffentlich. Für dieses Mittel braucht es keine hohe Verdachtsschwelle, wie Juristen übereinstimmend sagen. Bei den Betroffenen wirkt es gleichwohl einschneidend. So musste sich Bökamp die Wohnungsschlüssel für sein Privathaus an der Polizeiwache am Friesenring abholen, wie er sagt – die Ermittler hatten das alte Schloss aufgebrochen. Zugang hatten sie nur, weil sie im zweiten Anlauf einen Durchsuchungsbeschluss erwirken konnten. Selten habe er so viele Konjunktive gelesen, sagt ein am Fall beteiligter Jurist zu dem Antrag. Am Ende sollte es dabei bleiben.

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