Kritik von Theologen aus Münster
„Kirchenasyl ist ein Menschenrecht“

Münster -

Für Martin Ostermann, Dr. Michael Ramminger und Dr. Julia Lis geht es um ein „fundamentales Menschenrecht“. Die neue Auslegung des Kirchenasyls für Flüchtlinge durch das Bundesamt für Migration hat die Theologen des Instituts für Theologie und Politik Münster auf den Plan gerufen: Sie haben an Innenminister Thomas de Maizière einen offenen Brief geschickt, in dem sie ihrer Empörung als Christen darüber Ausdruck verleihen, dass der Innenminister in öffentlichen Äußerungen das Kirchenasyl prinzipiell und fundamental ablehne und Kirchen sich damit eigenmächtig über Gesetze hinwegsetzen.

Dienstag, 03.03.2015, 07:03 Uhr

Sie sehen das Menschenrecht auf Kirchenasyl in Gefahr (v.l.): Martin Ostermann, Dr. Julia Lis und Dr. Michael Ramminger. 
Sie sehen das Menschenrecht auf Kirchenasyl in Gefahr (v.l.): Martin Ostermann, Dr. Julia Lis und Dr. Michael Ramminger.  Foto: kv

Weiterer Kritikpunkt: Wenn Kirchengemeinden sich entschließen sollten, Flüchtlingen in einer Kirche Obdach zu geben, müssten sie die Asylsuchenden nun nicht mehr sechs Monate, wie bisher, sondern 18 Monate beherbergen, bis die Flüchtlinge einen neuen Asylantrag stellen dürften – „eine riesige Herausforderung, der sich kaum Gemeinden stellen dürften“, wie Norbert Ramminger sagt. Mit ihm haben acht Theologen, darunter mit Norbert Arntz ein emeritierter Pfarrer und mit Hermann Steinkamp und Norbert Mette zwei emeritierte Theologie-Professoren, den Brief unterzeichnet.

Es geht ihnen weniger um konkrete Fälle, denn momentan gewährt keine Kirchengemeinde in Münster und Umgebung Flüchtlingen Schutz vor Abschiebung. „Das Kirchenasyl hat eine symbolische Bedeutung“, betont der Lehrer Martin Ostermann , Mitbegründer von „ Asyl in der Kirche“. „Menschenrechtliche Standards werden durch die Bundesregierung verletzt“, erklärt auch die Theologin Dr. Julia Lis . Die Äußerungen des Innenministers und die Entscheidung der Behörden, Flüchtlinge im Kirchenasyl als „untergetaucht“ einzustufen, seien eine „faktische Aushöhlung“ des Rechts auf Kirchenasyl, meinen die Unterzeichner. Der Rechtsdruck auf Gemeinden sei ohnehin „enorm“, sagt Ramminger. Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass er und seine Mitstreiter sich von den Kirchen in der Frage des Kirchenasyls nicht entschieden genug unterstützt sehen.

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