Forscher mit geringem Lohn
Angestellte Wissenschaftler an der Universität werden oft dürftig bezahlt

Münster -

Als am Donnerstag die angestellten Lehrer zum Warnstreik aufgerufen waren, richtete sich die Einladung zur Protestkundgebung auch an Wissenschaftler der Hochschulen im Angestelltenverhältnis. Sie unterrichten häufig vor großer Kulisse in den Hörsälen der Universität – und verdienen meistens noch weniger als angestellte Lehrer an öffentlichen Schulen.

Freitag, 06.03.2015, 10:03 Uhr

Lehren im Hörsaal vor großer Kulisse – das ist nicht zwangsläufig mit guter Bezahlung verbunden. Viele Wissenschaftler an den Hochschulen werden nur dürftig entlohnt.
Lehren im Hörsaal vor großer Kulisse – das ist nicht zwangsläufig mit guter Bezahlung verbunden. Viele Wissenschaftler an den Hochschulen werden nur dürftig entlohnt. Foto: dpa

Eine Untersuchung des Personalrats der Universität vor einiger Zeit ergab: Die Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft sind häufig prekär. Rund 3400 Frauen und Männer arbeiten allein an der Universität Münster als Wissenschaftler im Angestelltenverhältnis , „95 Prozent von ihnen mit befristeten Verträgen“, erklärt der stellvertretende Personalratsvorsitzende für die wissenschaftlich Beschäftigten der Universität, Dr. Detlev Berntzen. Die meisten hoffen auf eine Karriere in der Wissenschaft und einen künftigen gesicherten Arbeitsplatz. „Für viele aber zerplatzt dieser Traum“, erklärt Detlev Berntzen.

Nach sechs Jahren darf die Hochschule befristet angestellte Wissenschaftler nicht mehr weiterbeschäftigen. Viele der Betroffenen, die eigentlich angestellt wurden, um sich weiter zu qualifizieren und zu forschen, haben vielfältige Aufgaben, vor allem in der Lehre oder im Wissenschaftsmanagement. Für die Doktorarbeit bleibe vielen schlicht kaum noch Zeit, sagt Berntzen. Der Weg in die Wissenschaft werde dann häufig zur beruflichen Sackgasse.

Hinzu kommt, dass viele Beschäftigte nur auf einer halben Stelle arbeiten, aber mit Blick auf die eigene Karriere viel mehr an Arbeitsstunden leisten. Die Bezahlung sei dann sehr dürftig, liege unter 2000 Euro brutto pro Monat.

Besonders schlecht entlohnt sind nach Ansicht des Personalrats die etwa 120 sogenannten „Lehrkräfte für besondere Aufgaben“, die ausschließlich in der Lehre tätig sind und für eine volle Stelle knapp 3400 Euro brutto verdienen.

Ein wesentlicher Teil aller Lehrveranstaltungen der Universität wird überdies von freiberuflich tätigen Wissenschaftlern per Lehrauftrag erteilt. Sie erhalten aktuell 35 Euro pro erteilter Stunde, „das sind immerhin zehn Euro mehr als noch vor Kurzem“, für Berntzen ein kleiner Erfolg.

An der Universität gebe es ganze Studienfächer, in denen die Lehre fast ausschließlich von Lehrbeauftragten erteilt wird. Ein Beispiel sei das Fach Musikpädagogik.

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