Kita-Navigator mit Schwachstellen
"Vergabe-System ist intransparent"

Münster - Die Kita-Plätze werden von der Stadt mit Hilfe eine Online-Bewerbungssystems vergeben. Eltern sehen gravierende Schwachstellen.

Samstag, 07.03.2015, 17:03 Uhr

Kita Symbolbild Foto: dpa
Kita-Plätze werden in Münster mit Hilfe eines Online-Systems vergeben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Viele Eltern kleiner Kinder, die auf der Suche nach einem Kitaplatz sind, und sich über den Kita-Navigator im Internet beworben haben, wissen mittlerweile Bescheid, ob ihr Kind ab August untergebracht ist.  Zu denen, die noch keine Zusage haben, gehört auch Neval Lüders , die mit ihrer Familie in Gievenbeck wohnt. Obwohl ihr Sohn demnächst schon drei Jahre alt wird, hat sie noch keine Zusage der Kita gleich um die Ecke.

Und die Teilzeit-Berufstätige Mutter übt massive Kritik am Kita-Navigator, den das Jugendamt im vergangenen Jahr erstmals bei der Platz-Verteilung eingesetzt hat. "Das Vergabe-System ist vollkommen intransparent“, sagt Neval Lüders – und dies führe dazu, „dass Eltern auf der Suche nach Betreuungsplätzen, wie schon früher, vor Einführung der Online-Bewerbung, selbst Dutzende von Kitas abklappern, sich persönlich vorstellen“. Außerdem , so bemängelt die Mutter, gebe es keine klaren, von der Stadt verordneten Kriterien, nach denen die Kitas unabhängig von ihren Trägern die Plätze vergeben müssen.

Das Vergabe-System ist vollkommen intransparent.

Neval Lüders

Oliver Elferich Vorsitzender Jugendamtselternbeirats, kennt die Kritik am Kita-Navigator: Dort können Eltern beispielsweise nirgendwo eintragen, welche besonderen Umstände sie veranlassen, sich bei einer Kita zu bewerben, wo besondere Dringlichkeit besteht. Elferichs Vorgänger im Amt. Johannes Schmack, auch Mitglied des Ausschusses fpr Kinder Jugendliche und Familien,  stimmt in die Kritik ein: „Eltern können in dem Online-System zwar bis zu acht alternative Kitas angeben, aber keine Präferenz. Schmanck: „Für die Kitas, die ja selbst über die Platzvergabe entscheiden, wäre es wichtig zu wissen, ob sie für Eltern erste Wahl sind oder nur Notlösung wären. 

Dafür müsste der Kita-Navigator, der auch von anderen NRW-Städten, unter anderem Düsseldorf genutzt wird, umprogrammiert werden, erklärt Frank Philipp vom Amt für Kinder- Jugendliche und Familien. „Das kostet zusätzliches Geld.“ Auch ihm sind die Schwachstellen des Kita-Navigators bekannt. Würde es eine Möglichkeit geben, persönliche Anmerkungen der Bewerbung beizufügen, müsste ein Mitarbeiter des Amtes Tausende Bewerbungen prüfen – zusätzlicher Aufwand. Philipp verteidigt das System: „Fast alle Eltern wissen jetzt viel schneller Bescheid, nämlich Ende März“.

Vor Einführung des Kita-Navigators habe es bis zum Mai gedauert. Was die Transparenz bei der Vergabe angehe, so betont Philipp, dass die Stadt sehr wohl den Kitas vorgebe, dass sie berufstätige Eltern oder Alleinerziehende  bevorzugt behandelten. Allerdings: Die Entscheidung der Platzvergabe treffe immer die Kita – und die Einrichtungen werden, anders als öffentliche Schulen, nicht nur von der Stadt, sondern von vielen unterschiedlichen Trägern betrieben. Bleibt das bekannte Problem, dass alle Beteiligten sehen: Es gibt, vor allem für die unter dreijährigen Kinder einfach nicht genügend Plätze. Schmanck: „Wenn die da wären, würde es auch  keine Klagen über den Kita-Navigator geben.“

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