19. Internationales Lyrikertreffen vom 8. bis 10 . Mai
Das lustvolle Risiko der Dichter

Münster -

Einfach nur auf bekannte Namen setzen? Das ist Hermann Wallmanns Sache nicht: Unter den eingeladenen zehn Autoren für das 19. Lyrikertreffen ist „keiner, der bislang in Münster als Dichter aufgetreten ist“. Und der künstlerische Leiter sieht sich bei dieser Auswahl in guter Gesellschaft: „Dieses Risiko geht Kasper König ein. Dieses Risiko geht Fritz Schmücker ein. Und dieses Risiko gehe auch ich lustvoll ein.“ So wie die Skulptur-Projekte und das Jazzfestival die Münsteraner mit neuen Künsten und Sounds bekannt machen, so sollen die drei Tage im Mai Sprach- und Sprechfreunden ein Festival für ihre Neugier sein.

Dienstag, 31.03.2015, 08:03 Uhr

Ob Kaffee-, Mokka- oder Kakao-Braun die Hintergrundfarbe des Plakates für das Lyrikertreffen sein soll, konnten (v.l.) Hermann Wallmann und Kulturamtsleiterin Frauke Schnell nicht klären. Dafür freuen sie sich auf die 19. Ausgabe des Festivals.
Ob Kaffee-, Mokka- oder Kakao-Braun die Hintergrundfarbe des Plakates für das Lyrikertreffen sein soll, konnten (v.l.) Hermann Wallmann und Kulturamtsleiterin Frauke Schnell nicht klären. Dafür freuen sie sich auf die 19. Ausgabe des Festivals. Foto: -kok-

Und Lyrik soll Laune machen. Beispielhaft nennt Wallmann die Erzählung „Der kleptomanische Übersetzer“ von Dezső Kosztolányi, in der jener Mann zwar perfekt übersetzt, aber aus den Texten Summen „kürzt“, Edelsteine durch Tand ersetzt oder Teppiche „entwendet“. Was beim Kleptomanen krankhaft ist, vermag als Freiheit Anspielungshorizonte zu entfalten. Da kann aus einer Übersetzung von Elfriede Jelineks Stück-Titel „Die Schutzbefohlenen“ lautmalerisch schräg im Englischen „die, should sea be ­fallen in“ werden: „stirb, sollte in ein Meer gefallen werden“. Und plötzlich erhalten die Schutzbefohlenen einen Bezug zu den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer .

Solche die Sprache und das Sprechen übergreifende und mit ihnen spielende Texte werden in der Stimmenvielfalt moderner Poesie eine Rolle spielen. Wallmann: „Lyrik von heute – das bedeutet Belesenheit, Mehrsprachigkeit, Poetologische Reflexivität, transdisziplinäre Offenheit und internationalen Austausch.“

Nach dem „Poetry“-Programm im April als Vorspiel, den Schul- und Abendlesungen wird die Verleihung des „Internationalen Poesiepreises der Stadt Münster “ den festlichen Abschluss bilden. Mit dem Amerikaner Charles Bernstein wird ein Verfechter des sogenannten Schwierigen Gedichtes geehrt. Bernstein gilt seit den 70er-Jahren als prominentester Vertreter der „language poetry“ – ein „Spiel zwischen den Genres und Formgattungen“. Neben Bernstein geht der Preis an zwei Kollektive, die bei ihren Übersetzungen ungewöhnliche Wege beschreiten, sich vom Original lösen und dem übersetzten Gedicht eine eigene Sprache verleihen. Ein öffentlicher Workshop lädt zum ersten Mal zum Experimentieren mit Sprache und Sprechen ein.

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Karten für das Lyrikertreffen vom 8. bis 10. Mai gibt es ab sofort an der Theaterkasse, Neubrückenstraße 63, ✆ 5909100.

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