Glücksspiel
17,5 Millionen Euro in Münster verzockt: Caritas fordert Wettbürosteuer

Münster -

Aus Sicht der Caritas Münster ist ein erweitertes Angebot für pathologische Glücksspieler in Münster dringend nötig. 102 Spielsüchtige wurden im vergangenen Jahr beim katholischen Wohlfahrtsverband beraten.

Dienstag, 31.03.2015, 16:03 Uhr

Die Zahl der Ausgaben an Automaten in Spielhallen hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.
Die Zahl der Ausgaben an Automaten in Spielhallen hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Foto: dpa

Im Jahr 2014 sind an Geldspielautomaten in münsterischen Spielhallen 17,5 Millionen Euro verzockt worden. Geteilt durch die 300 000 Münsteraner bedeutet dies für jeden Bürger durchschnittlich einen Kaufkraftverlust von 58 Euro.

Die Dynamik des Problems zeigt sich darin, dass im Jahr 2008 in Münster 6,5 Millionen Euro verspielt worden sind. In den letzten sechs Jahren sind die Ausgaben damit um 169 Prozent gestiegen. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Landeskoordinierungsstelle für Glücksspielsucht hervor, teilt die Caritas in einer Pressemitteilung mit. Die Entwicklung deckt sich mit Zahlen aus NRW , landesweit wurden im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro verspielt. Hinzu kommen noch die Ausgaben an Automaten in Gaststätten.

Die Caritas Münster berät Spielsüchtige in einer Fachstelle. Suchtberater Werner Hassolt sieht schon seit längerer Zeit mit Sorge, dass Ratsuchende Wartezeiten bis zu vier Wochen in Kauf nehmen müssen. „Aus fachlicher Sicht, müsste die Behandlung innerhalb von 14 Tagen beginnen.“ Im vergangenen Jahr suchten 102 Spielsüchtige seine Hilfe.

Aus Sicht des katholischen Wohlfahrtsverbands ist ein erweitertes Angebot für pathologische Glücksspieler in Münster dringend nötig. Finanziert werden könnte dies durch einen Anteil an der städtischen Vergnügungssteuer, die Spielhallen zahlen müssen. „Zumindest ein kleiner Prozentanteil davon sollte in Vorbeugung und Behandlung von Spielsüchtigen fließen“, fordert Caritas-Abteilungsleiter Bernhard Paßlick. Durch den erhöhten Umsatz in Spielhallen profitiert die Stadt unmittelbar. Im Haushaltsplan der Stadt Münster für das Jahr 2015 seien 3,7 Millionen Euro an Einnahmen aus der Vergnügungssteuer eingeplant.

Eine weitere Möglichkeit, um Vorbeugung und Behandlung finanzieren zu können, besteht laut Caritas darin, eine Wettbürosteuer einzuführen, wie dies einige Städte in NRW getan haben.

Werner Hassolt weiß: „Eine kleine Gruppe sorgt für den Hauptumsatz in den Spielhallen.“ Sobald sich Spielsüchtige auf einen Index setzen lassen können, bricht der Umsatz ein. Hessen hat im Mai 2014 eine zentrale Sperrdatei für die Spielhallen eingeführt. 7601 Personen haben sich registrieren lassen, seitdem ist der Branchenumsatz um 26 Prozent gesunken.

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