Verbraucherschutz
Mogelpackungen und Co.: Das Eichamt prüft, ob drin ist, was draufsteht

Das Eichamt Münster prüft Tankstellen des Münsterlandes. Oder auch Taxen. Im vergangenen Jahr hat es Bußgelder in Höhe von 65.000 Euro erhoben. Wir haben den Leiter des Eichamtes in Münster getroffen.

Samstag, 04.04.2015, 10:35 Uhr aktualisiert: 04.04.2015, 11:21 Uhr

Eine halbe Stunde zuvor hat Dietmar Langhorst erzählt, was ihn seit 30 Jahren an seinem Beruf reizt. Er sprach von der enormen Abwechslung, die jeder neue Prüfauftrag mit sich bringt, von der Herausforderung, sich immer wieder auf andere Menschen und Situationen einzulassen, und letztendlich auch davon, dass in seinem Amt Verbrauscherschutz nicht nur als Vokabel bemüht, sondern gelebt werde.

Und es schien fast so, als würde jeder neue Punkt, den er benannte, seine Augen noch ein bisschen mehr zum Leuchten bringen. Doch schade – als Leiter des Eichamtes in Münster hat der 62-Jährige nur noch selten Gelegenheit, herauszufahren und zu prüfen, ob das Päckchen Tütensuppe auch tatsächlich die angegebenen 100 Gramm enthält und der Marktbeschicker verlässlich mit seiner Waage umgeht.

Stimmt die Literanzeige der Zapfsäule?

Umso mehr genießt er den Ortstermin an einer Tankstelle. Bartosch Duran, ein Mitarbeiter seines Teams, hat den Zapfhahn gerade in einen der drei Eichkolben geschoben, die massig ihre Plätze auf dem Spezialfahrzeug des Eichamtes beanspruchen. „Ich mache hier letztendlich nichts anderes als jeder andere auch, der sein Fahrzeug betankt“, erklärt Duran dabei.

Einen Unterschied gibt es gleichwohl: Weil das Eichamt so exakt wie irgend möglich wissen will, ob die Literanzeige auf dem kleinen Monitor der Zapfsäule mit der tatsächlich in den Tank einlaufenden Menge Treibstoff übereinstimmt, arbeitet das Team mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Gerade sind 43 Liter in der Minute in die Eichkolben gerast. Jetzt probiert es Duran gemächlich mit acht Litern pro Minute. Sein Kollege Michael Brömmler und der Chef des Amtes protokollieren derweil das, was die Literanzeige auf den Eichkolben anzeigt. „Verbraucherfreundlich“, konstatiert Langhorst und grinst verschwörerisch: „Diese Tankstelle ist zu empfehlen.“

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Messgerät. Foto: Wilfried Gerharz

Der Verbraucher bekommt ein winziges bisschen mehr Treibstoff, als er bezahlen muss. Die Differenz ist so gering, dass keiner der Prüfer die Abgabemenge beanstanden muss. Doch egal: Kleinvieh macht eben auch Mist.

Allein das Eichamt Münster schickt an jedem Arbeitstag drei dieser Spezialfahrzeuge auf Prüfvisite zu den Tankstellen des Münsterlandes. „Zwei Tage brauchen wir meistens pro Tankstelle“, sagt Michael Brömmler. Bei acht Zapfstellen pro Tankanlage zieht sich die Prozedur schnell in die Länge.

Von Apothekerwaage bis Fahrzeugwaage

Ginge es nach Langhorst, stände dem Team längst ein neues Fahrzeug mit Fachbesatzung zur Verfügung. Denn schon lange gelingt es den Spezialteams nicht mehr, die optimalen Prüfintervalle einzuhalten. Die Zapfanlagen dieser Tankstelle hätten beispielsweise schon im vorigen Jahr untersucht werden müssen. Bislang sind Langhorsts Bitten in Düsseldorf – die Eichämter sind Landesbetriebe – nicht erhört worden. Macht nichts – der Amtsleiter wird es weiter probieren.

Vielfältig ist tatsächlich das, was die Mitarbeiter prüfen. Das Spektrum beginnt bei der Apothekerwaage und endet bei der Fahrzeugwaage, die bis zu 120 Tonnen Gewicht exakt anzeigen sollte.

Freitags herrscht in der Regel Hochbetrieb im Amt. „Das ist unser Kundentag“, erklärt Eichamtsmitarbeiter Uwe Beyer. Die Gewichte, mit denen er die Waagen prüft, werden mindestens einmal jährlich exakt kontrolliert und sorgsam verwahrt. Bei ihnen wäre nicht einmal ein Milligramm Ungenauigkeit tolerabel.

Derzeit kommen viele Spargelbauern in den Kontrollraum des Eichamtes und hoffen auf die Marke, die besagt, dass ihre Geräte tadellos wiegen. „15 bis 20 Prozent bekommen die Eichmarke nicht auf Anhieb“, sagt Beyer. Für die Marktbeschicker und Bauern kann das teuer werden. 26 Euro für die Prüfung, Korrektur der Waage beim sogenannten Instandsetzer und noch einmal Gebühren für die zweite Prüfung – all das summiert sich empfindlich.

Taxitarife wegen Mindestlohn erhöhnt

Auf dem Hof ist mittlerweile ein Taxi vorgefahren. Ein fabrikneues Großraumfahrzeug, dessen Taxameter geeicht werden muss. Beyer lässt den Taxifahrer bis zu einer markierten Linie fahren und dann einer Spur folgen, die auf 21 Metern zum Rollenprüfstand führt. „Zehn Radumdrehungen auf 21 Metern“, stellt der Mitarbeiter fest und nickt dem Taxifahrer zu: Alles so, wie es sein sollte. Der erste Eindruck bestätigt sich beim Check auf dem Rollenprüfstand. Die Rollen bewegen die Vorderräder so lange, bis der Überwachungsmonitor 1000 Meter anzeigt – und der Taxameter ebenfalls. Perfekt.

In den vergangenen zwei Monaten hat das Team mehr als 1200 Taxen geprüft. Wegen des Mindestlohnes haben die Kreise und die Stadt Münster die Taxitarife angehoben. In Münster setzt er nun bei 3,19 Euro an und erhöht sich pro Kilometer um 1,89 Euro. „Das bringt uns ständig Auseinandersetzungen mit unseren Kunden ein“, ärgert sich der Taxifahrer. Die Summen, die die Fahrer zum Schluss berechnen, klingen für viele Fahrgäste unglaubwürdig. Eine so krumme Summe – das kann, so unterstellen die Kunden, doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Der Taxifahrer hebt die Schultern an, was so viel bedeuten soll wie „Ist ja doch alles nicht zu ändern“.

Langhorst denkt derweil über Verstöße nach, die sich in Grenzen halten. „Im vorigen Jahr haben wir Bußgelder in der Gesamthöhe von 65.000 Euro erhoben“, sagt er. Kein wirklich nennenswerter Betrag, wenn er bedenkt, dass ein grober Verstoß mit einem Bußgeld von maximal 20.000 Euro geahndet werden darf. Ohnehin sind die Kundenkontakte zumeist erfreulich oder doch zumindest weitgehend störungsfrei. Nur ganz selten musste Langhorst bislang auf die Rückseite seines Dienstausweises zeigen. „Wir haben polizeiliche und staatsanwaltliche Befugnisse“, hat er dann klargestellt. Und selbst dem missmutigsten Kunden war klar, was das bedeuten soll.

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