Paul Weller im Interview
Von Schallplatten, Saturnmustern und Schlafliedern

Münster -

Das letzte Mal hat Paul Weller vor zwölf Jahren in Münster gespielt. Jetzt kehrt der sogenannte Modfather mit Band zurück ins Jovel. Der Frontmann legendärer Bands wie The Jam und The Style Council hat ein neues Album im Gepäck, das Mitte Mai erscheint. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit ihm gesprochen.

Mittwoch, 08.04.2015, 11:04 Uhr

 
  Foto: Universal

Deine Karriere ist von Veränderungen geprägt. Musikalisch bist du schwer in Schubladen zu stecken. Würdest du von dir selbst sagen, dass du eine Art „Changingman“ bist?

Paul Weller : Mich langweilt es, immer dasselbe zu spielen. Ich höre viel neue, aber auch ältere Musik, die mich beeinflusst. Mal funktioniert das gut, mal weniger. Ich versuche eben so viel wie möglich zu machen.

Im Mai erscheint dein mittlerweile zwölftes Solo-Studioalbum „Saturns Pattern “. Die beiden Vorgänger waren völlig unterschiedlich. „Wake Up The Nation“ eher rockig, „Sonik Kicks“ sogar tanzbar. Was erwartet uns jetzt?

Weller: Das Album hat sehr viele verschiedene Einflüsse. Persönlich finde ich es originell und einzigartig. Es groovt und es ist – ich würde beinahe sagen – funky.

Ich habe bisher nur einen Song vom neuen Album auf Youtube gehört. Mich erinnert es an den Soul Ihres ersten Solo-Albums und an Traffic mit Steve Winwood .

Weller: Oh. Welcher Song war das?

Der Titelsong „Saturns Pattern“.

Weller: Ich hätte jetzt bei dem Song nicht an Traffic gedacht, obwohl ich ein großer Fan ihrer Art Musik bin. Auf dem neuen Album finden sich durchaus soulige Stücke und etwas psychedelische Songs. Eine sehr ungewöhnliche Mischung.

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Paul Weller veränderte mit seinen Bands wie The Jam und The Style Council nachhaltig die Musikszene. Foto: FKP Scorpio

Es sind sehr lange Songs auf dem Album...

Weller: Ja, ein paar. Der letzte Song „These City Streets“ ist ungefähr neun Minuten lang. Innerhalb der längeren Lieder schlage ich vier oder fünf unterschiedliche Richtungen ein.

Gab es im Studio Jam-Sessions oder wie kam das zustande?

Weller: Ja, das hat bestimmt etwas damit zu tun. Wir haben improvisiert. Aber letztlich haben wir die Songs passend arrangiert.

Gibt das nicht auch für Konzerte eine größere Flexibilität?

Weller: Das schon. Aber die Songs sind klar strukturiert und komponiert, bei einigen wenigen gibt es uns sicherlich die Gelegenheit, etwas zu improvisieren.

Du bist jetzt aber nicht wirklich an Astronomie und dem Sonnensystem interessiert, oder?

Weller: I‘m always interested in our universe, man! Nein, ich habe davon nicht die geringste Ahnung (lacht).

Wie kam es dann zum Albumtitel „Saturns Pattern“?

Weller: Um ehrlich zu sein, der kam einfach so auf. Meine Frau hat dann nachgeschaut und festgestellt, dass dieses Muster offenbar ein sechseckiges Strömungsmuster auf dem Nordpol des Saturns ist.

Ach, ich dachte, du hättest keine Ahnung davon (lacht)...

Weller: Hatte ich vorher auch nicht. Ich versuche nur, intelligent zu wirken (lacht).

 

Auch wenn „Wake Up The Nations“ sich auf die Zeit von The Jam zurückbesinnt, bist du doch eher ein in die Zukunft gewandter Mensch, oder?

Weller: Das hoffe ich doch. Ich bin nicht wirklich nostalgisch und mag das, was ich jetzt mache. Gerade in der Medizin und in der Wissenschaft gibt es so viele Fortschritte. Deshalb finde ich, sollte man die Zeit zu schätzen wissen, in der man lebt.

Früher gab es aber Schallplatten . Und jetzt gibt es Downloads und Steaming-Angebote...

Weller: Tatsächlich bin ich aus dem Alter raus, als ich noch Vinyl bevorzugt habe. Auch wenn meine Alben und Singles noch auf Vinyl erscheinen. Ich bin auch froh, dass das so ist. Und natürlich bevorzuge ich Platten auch, wenn es um den Klang, das Cover und um das Haptische geht.

Im Auto oder im Flugzeug kann man sie allerdings schlecht mitnehmen.

Weller: Vor 30 Jahren habe ich noch einen Schallplattenspieler und eine große Box mit Schallplatten auf Tournee mitgenommen. Dann CDs. Ich sehe schon einen Vorteil in der digitalen Entwicklung. Man muss konstatieren, dass in den vergangenen zwei Jahren der Sound besser geworden ist. Früher war er eher flach und undynamisch, jetzt nähert er sich dem wahren Klangbild an. Und obwohl er immer besser wird, liebe ich auch meine alten Schallplatten.

Wahrscheinlich nervt dich jeder Redakteur mit der Frage nach einer Reunion von The Jam oder The Style Council...

Weller: Nein, nie (lacht)...

... deshalb frage ich mal andersherum. Gibt es eine Band, die sich getrennt hat und die du gerne wieder zusammen auf der Bühne sehen würdest?

Weller: Vor sieben Jahren sind The Zombies in Originalbesetzung aufgetreten und haben das komplette Album „Odessey and Oracle“ gespielt. Ein fantastisches Album. Das noch einmal zu hören, war wirklich wunderschön. Und ich hätte gerne die Kinks gesehen, bevor Peter Quaife gestorben ist. Es gibt immer ein paar Ausnahmen, aber generell gibt es aktuell so viele gute Bands und gute Musik, die mich mehr interessieren.

Du bist eben sehr vorwärtsgerichtet...

Weller: It‘s the mod in me, man!

Du hast ein Männer-Modelabel „Real Stars Are Rare“. Karl Lagerfeld hat mal eine Kollektion für H&M kreiert. Erzähl mir doch mal, warum du niemals eine Kollektion für H&M designen würden.

Weller: (lacht) Ich würde niemals zu träumen wagen, mich Designer zu nennen. Es ist ja nur eine kleine Onlineplattform , auf der ich Männermode verkaufe. H&M kämen sowieso nicht darauf, mich zu fragen.

Du gehst jetzt auf Tour. Erinnerst du dich an Münster?

Weller: Ja, aber das ist sehr, sehr lange her.

Paul Weller live

Paul Weller spielt am 17. April ab 20 Uhr im Jovel. Karten gibt es im WN-Ticketshop.

...

Kennst du bereits die Setlist für das Konzert?

Weller: Klar, aber ich verrate Sie nicht (lacht).

Neue Songs, alte Songs...

Weller: Ich will ja die Spannung nicht verderben (lacht). Tatsächlich spiele ich Songs von meinem ersten Solo-Album wie „Kosmos“ und „Uh-Huh Oh Yeh“.

Dann war mein Eindruck ja nicht so falsch, dass die neuen Songs zum ersten Solo-Album passen.

Weller: Nein, aber sie passen auch zu anderen alten Songs. Wir haben eine UK-Tour gemacht, auf der wir nur die Songs meiner Solo-Alben gespielt haben. Die Songs von Stanley Road kann man schon alt nennen, das Album habe ich vor zwanzig Jahren veröffentlicht.

Eine letzte Frage: Hast du deinen Kindern Schlaflieder vorgesungen?

Weller: Ja!

Was denn für welche? Eigene?

Weller: Klar. „Town Called Malice“ (lacht). Nein, im Ernst, das waren typische Gute-Nacht-Lieder-Melodien, die ich ihnen vorgesungen habe.

 
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