Symposium des Riga-Komitees
Eine gemeinsame Erinnerung

Münster -

Das Riga-Komitee wurde von den 13 deutschen Städten gegründet, aus denen Transporte nach Riga erfolgten. Mittlerweile gehören über 50 Städte dem Zusammenschluss an. Das Kriegsende vor 70 Jahren war jetzt Anlass für ein Symposium in Münster.

Montag, 20.04.2015, 08:04 Uhr

Kaum Bestrafungen für NS-Täter, das resümierte Historikerin Prof. Dr. Isabel Heinemann von der Universität Münster für die Nachkriegsjahre in Deutschland. Mit ihr im Gespräch: Markus Meckel (r.) und WDR-Autor Dr. Heiner Wember.
Kaum Bestrafungen für NS-Täter, das resümierte Historikerin Prof. Dr. Isabel Heinemann von der Universität Münster für die Nachkriegsjahre in Deutschland. Mit ihr im Gespräch: Markus Meckel (r.) und WDR-Autor Dr. Heiner Wember. Foto: Möllers

Das Kriegsende vor 70 Jahren war am Freitag und Samstag Anlass für das „Riga-Komitee“, sein zweites Symposium abzuhalten. Diesmal mit Vertretern aus 26 Städten. Münster war dem Zusammenschluss schon bei der Gründung im Jahr 2000 beigetreten. Es geht um die Erinnerung an die Deportation jüdischer Menschen in das NS-Ghetto im lettischen Riga 1941 und 1942, die auch aus Münster heraus stattfanden.

„In Lettland“, dem Tatort, bestehe „sehr wenig Bereitschaft, sich mit der eigenen Holocaust-Geschichte zu befassen“. Das erklärte Künstler Dr. Horst Hoheisel aus Kassel, der mit dem Thema vertraut ist, bei einer Diskussion am Freitagabend im Rathausfestsaal. An der Erschießung Zehntausender Juden erst aus Lettland, dann aus Deutschland, Österreich und Tschechien, durch die deutsche Sicherheitspolizei, waren auch lettische Hilfstruppen beteiligt.

„Vorbehalte in der lettischen Bevölkerung“ bestätigte als Gast aus Riga die Historikerin Prof. Dr. Ilva Skulte. Eine „europäische, gemeinsame Erinnerung“ halte er für wichtig, erklärte Münsters ehemaliger Bundestagsabgeordneter Winfried Nachtwei . Geschichte könne „schädlich“ sein, meinte er, „wenn man nur seine eigene Rolle und sich selbst ausschließlich als Opfer sieht“.

Das Riga-Komitee wurde auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge von jenen 13 deutschen Städten gegründet, aus denen Transporte nach Riga erfolgten, darunter auch Bielefeld und Osnabrück. Mittlerweile gehören dem Komitee über 50 Städte an.

Die Vertreter von Behörden, Schulen, Stiftungen und Aufklärungsprojekten wurden am Freitag im Rathaus empfangen. Historiker Matthias Ester aus Münster sprach später über Riga als „europäische Erinnerungslandschaft“. Nachtwei hielt einen Rückblick auf die 15-jährige Geschichte des Komitees. Er hatte sich unter anderem schon 1994 für die Einrichtung eines Gedenksteines am Rande des einstigen Ghettos engagiert, der durch Spenden aus Münster mitfinanziert wurde.

Das Thema „Verantwortung“ sprach der Präsident der Kriegsgräberfürsorge, Markus Meckel, am Samstag im Namen des Volksbundes an. „Wir bauen Kriegsgräberstätten in Ländern, in denen wir Deutsche als Aggressoren, als mörderische Ban- den, eingefallen sind. Wir müssen uns auf die Seite der Opfer stellen.“ Die rund 90 Teilnehmer besuchten später die Gedenkstele am ehemaligen Gertrudenhof und die Villa ten Hompel.

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