Bündnis gegen Abschiebungen will ein Netzwerk in Münster gründen
Kirchenasyl als letztes Mittel

Münster -

Das Bündnis gegen Abschiebungen will ein Netzwerk für Kirchenasyle in Münster gründen. Ein erstes Treffen fand jetzt statt.

Freitag, 24.04.2015, 18:04 Uhr

In einer Kirche schlafen müssen Flüchtlinge nicht unbedingt, die im Kirchenasyl unterkommen – aber in einem Gebäude, in dem die Kirche das Haurecht hat, erfuhren Teilnehmer des Treffen zur Bildung eines Netzwerkes.
In einer Kirche schlafen müssen Flüchtlinge nicht unbedingt, die im Kirchenasyl unterkommen – aber in einem Gebäude, in dem die Kirche das Haurecht hat, erfuhren Teilnehmer des Treffen zur Bildung eines Netzwerkes. Foto: dpa

Benedikt Kern macht sich im Fall der Wartburgschule keine Illusionen. „Wir werden wahrscheinlich nicht verhindern können, dass es Abschiebungen gibt“, erklärt Kern, Mitglied des Bündnisses gegen Abschiebungen Münster . Das aber sei grundsätzlich das Ziel der Initiative. Dafür setzt das Bündnis auch auf ein Instrument, für das es die Kirchen ins Boot holen muss: das Kirchenasyl .

Um dafür Mitstreiter zu gewinnen und ein Netzwerk aufzubauen, lud das Bündnis katholische wie evangelische Gemeinden in Münster zu einem ersten Treffen ein. Knapp 40 Interessierte nahmen im Pfarrzentrum Überwasser in der Innenstadt teil.

Dass der Weg des Kirchenasyls kein leichter ist, daraus machte Pfarrer Joachim Poggenklaß keinen Hehl. „Das ist nicht unbedingt ein Spaziergang“, sagte er. Poggen­klaß vom Netzwerk Asyl in der Kirche NRW hat 1994 das „Ökumenische Netzwerk Bielefeld zum Schutz von Flüchtlingen“ mitgegründet und seither viele Kirchenasyle begleitet. „70 bis 90 Prozent sind erfolgreich“, betonte er.

Allerdings riet der Referent, das Instrument nur bei Flüchtlingen einzusetzen, bei denen eine Erfolgsaussicht und „Gefahr für Leib und Leben“ bestehe, wenn sie in andere Länder müssten. Im Blick hatte er dabei nicht nur die Herkunftsländer, sondern auch einige Staaten der Europäischen Union .

Denn nach dem Dublin-III-Abkommen gilt, dass Flüchtlinge in dem Staat Asyl beantragen müssen, in dem sie zuerst in die EU eingereist sind. „Das hat dazu geführt, dass die Anzahl der Kirchenasyle stark angestiegen ist“, so Poggenklaß. Denn in einem Teil der Länder herrschten nicht akzeptable Verhältnisse.

Dass ein Kirchenasyl zur Kontrolle der staatlichen Entscheidung sinnvoll sein kann, begründete der Pfarrer etwa damit, dass Flüchtlinge den Behörden aufgrund schlechter Erfahrungen nicht alles erzählten. Insbesondere gelte dies oft für Frauen gegenüber männlichen Beamten. „Es muss Vertrauen wachsen“, betont Poggenklaß – weshalb auch ein Kirchenasyl lange dauern könne. „Wir hatten eine Familie vier oder fünf Jahre im Kirchenasyl.“

Ob sich ein Netzwerk in Münster bilden wird, bleibt noch abzuwarten: Am 2. Juni will das Bündnis zu einem weiteren Treffen einladen. „Jetzt geht es auch darum, an die beiden Kirchenleitungen hier in Münster heranzutreten“, sagt Benedikt Kern.

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