Doping im Alltag
Expertin aus Münster: "Die Menge ist entscheidend"

Münster -

Mit Tabletten zur Traumfigur: Dopingmittel sind nach Expertenmeinung im Alltag vieler Menschen angekommen. Dies hänge stark mit der heutigen Leistungsgesellschaft zusammen, sagt Sportwissenschaftlerin Johanna Schirm aus Münster.

Mittwoch, 29.04.2015, 09:04 Uhr

Energydrinks
Immer mehr Menschen dopen im Alltag und schlucken Tabletten, Energydrinks oder Eiweißshakes. Foto: dpa (Symbolbild)

Mit Tabletten zur Traumfigur : Dopingmittel sind im Alltag vieler Menschen angekommen. Dies hänge stark mit der heutigen Leistungsgesellschaft zusammen, sagt Sportwissenschaftlerin Johanna Schirm im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur . Die Expertin referiert am Mittwoch beim 8. Nordrhein-Westfälischen Kooperationstag „Sucht und Drogen“ zum Thema „Schlanker schlauer schöner? Alltagsdoping und Geschlechterunterschiede“ in Münster .

Johanna Schirm

Johanna Schirm

Gegen Stress greifen immer mehr Menschen zu Tabletten oder Energiedrinks. Woher kommt das Verlangen nach diesem Alltagsdoping, wie Sie es nennen?

Johanna Schirm: Ich denke, das hängt mit unserer Leistungsgesellschaft zusammen. Wir wollen immer schneller, höher, weiter. Ein Beispiel ist das heutige Schönheitsideal: Man muss einen guten, fitten und muskulösen Körper haben und Falten sind tabu, auch wenn man schon auf die 40 zugeht. Die Medien spielen hier eine große Rolle, sie schaffen verfälschte Vorbilder. Die Menschen sehen sich dem Druck ausgesetzt, diesem Wunschbild zu entsprechen - und greifen dann zu Hilfsmitteln.

Zur Person

Johanna Schirm (34) lehrt am Institut für Sportwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Sportwissenschaftlerin befasst sich unter anderem mit der Behandlung des Themas Doping in den Printmedien.

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Inwiefern unterscheiden sich Männer und Frauen im Einsatz von Aufputschmitteln?

Johanna Schirm: Erstaunlicherweise gibt es da tatsächlich Unterschiede. Frauen greifen eher nach Antidepressiva und Beruhigungsmitteln. Bei Männern sind es vermehrt Medikamente gegen Gedächtnisprobleme oder Müdigkeit. Beim Sport im Fitnessstudio ist der Eiweißshake obligatorisch. Viel Ertrag mit möglichst wenig Zeitaufwand ist da die Maxime.

Wie erkenne ich, dass ein Mensch aus meinem Umfeld süchtig nach Alltagsdoping ist?

Johanna Schirm: Die klassischen „Alltags-Suchtmittel“ Kaffee, Alkohol und Zigaretten sind in der Gesellschaft bekannt und geduldet. Es geht eher um die Frage, wann eine Abhängigkeit anfängt. Ist es schon das Feierabendbier, der morgendliche Kaffee oder die berühmte Zigarettenpause? Ich denke, die Menge ist entscheidend. Die Grenzen verschwimmen da ein bisschen, das macht es schwierig, darüber zu reden.

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