Tierfriedhof in Handorf wird 25 Jahre alt
Einäscherung statt Begräbnis

Münster -

Nur noch selten wird auf dem Gräberfeld für Tiere in Handorf ein Vierbeiner beerdigt. Fast alle Besitzer von Hund und Katz lassen ihre toten Lieblinge inzwischen einäschern.

Dienstag, 05.05.2015, 08:05 Uhr

Abschied von einem vierbeinigen Wegbegleiter auf dem Tierfriedhof in Handorf. Die Gräber sind sehr individuell gestaltet und Ausdruck der Trauer.
Abschied von einem vierbeinigen Wegbegleiter auf dem Tierfriedhof in Handorf. Die Gräber sind sehr individuell gestaltet und Ausdruck der Trauer. Foto: hpe

Der Schmerz über den Tod des geliebten Haustieres sitzt oft tief und für viele ist es ein unerträglicher Gedanke, seinen Vierbeiner in der Tierkörperverwertungsanstalt einfach entsorgen zu lassen.

Landwirt Franz-Josef Schulze Leusing (62) in Sudmühle war einer der ersten in NRW , die 1990 einen Tierfriedhof eröffneten. Inzwischen ist das Gräberfeld in Nähe des Bauernhofes längst nicht mehr das wesentliche Arbeitsfeld des Tierbestatters. „95 Prozent aller Tierbesitzer lassen ihren Vierbeiner einäschern, fast alle nehmen die Urne als Andenken wieder mit ins eigene Heim“, so der Handorfer. Wohl auch, weil es eine Frage des Preises ist.

etzkorn

Tierbestatter Franz-Josef Schulze Leusing in Sudmühle mit der Asche eines Labrador-Hundes vor dem Urnenregal. Foto: Etzkorn

Die Einzeleinäscherung eines 30 Kilogramm schweren Labrador-Hundes kostet beispielsweise inklusive Standardurne 220 Euro, eine Bestattung mit vierjähriger Grabgestellung und Abholpauschale auf dem Tierfriedhof liegt bei 400 Euro.

„Besonders dann, wenn die Menschen aus dem Umland kommen, ist der Weg zum Friedhof oft beschwerlich. Auch die Grabpflege ist vielen zu aufwendig. Deshalb entscheiden sich immer mehr Menschen für die Einäscherung“, so der Landwirt.

Die Grabpflege ist vielen zu aufwendig, deshalb entscheiden sie sich für die Einäscherung.

F.-J. Schulze Leusing, Tierbestatter

Der Kreis der Kunden geht quer durch alle Schichten und Altersgruppen. „Von der Studentin, die um ihre Ratte trauert, bis zur Rentnerin, deren Katze verstorben ist“, so der Tierbestatter. In dem kleinen Empfangsraum stehen ein Schreibtisch und zwei Sessel.

„Die Menschen erzählen gern aus ihrem Leben mit dem Tier, und wir nehmen uns die Zeit, ohne den Blick auf die Uhr zuzuhören“, sagt Schulze Leusing. In den Regalen stehen Designer-Urnen. Hund und Katz in weißem Nebel auf nachtblauer Fläche ab 55 Euro aufwärts. Die Kupfer-Exemplare mit goldenem Sternenhimmel gibt es ab 16 Euro. Eingeäschert wird in einem Kleintierkrematorium im sauerländischen Peckelsheim. „Der individuelle Rahmen, um Trauern und Abschied nehmen zu können, ist uns wichtig“, sagt Schulze Leusing.

Laut Ordnungsamt darf jeder Bürger ein Kleintier auf seinem eigenen Grund beerdigen, wenn das Gelände nicht im Wasserschutzgebiet liegt. Das Tier muss zwei Meter von der Grundstücksgrenze entfernt und mindestens 80 Zentimeter tief vergraben werden.

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