Podiumsdiskussion in der Raphaelsklinik
Pflege am Limit

Münster -

Angehörige von Pflegeberufen kommen an Grenzen: Sie haben immer weniger Zeit für die Patienten und aufgrund knapper Finanzen können Krankenhäuser eigenen Angaben nach nicht mehr Personal einstellen.

Montag, 11.05.2015, 01:05 Uhr

Diskutierten über Pflege: (v.l.) Prof. Friedrich Dieckmann, Sabine Nöll-Lenzing, Michael Fehrenkötter, Maria Klein-Schmeink, Gesundheitsministerin Barbara Steffens und Gilbert Aldejohann.
Diskutierten über Pflege: (v.l.) Prof. Friedrich Dieckmann, Sabine Nöll-Lenzing, Michael Fehrenkötter, Maria Klein-Schmeink, Gesundheitsministerin Barbara Steffens und Gilbert Aldejohann. Foto: jvg

Pflege am Limit“: Das war das Thema der Diskussionsrunde am Samstag in der Raphaelsklinik , mit dem die Veranstalter offensichtlich ins Schwarze getroffen haben. Zahlreiche Mitarbeiter aus der Pflege in Krankenhäusern, Kliniken sowie Senioren- und Altenpflege-Einrichtungen waren gekommen, um zu hören, was unter anderem auch NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens zu diesem Thema zu sagen hatte.

Dass die Rahmenbedingungen im Berufsfeld Pflege „sehr schlecht sind“, war einer der oft wiederholten Kritikpunkte in der Diskussion, die Prof. Friedrich Dieckmann von der katholischen Fachhochschule moderierte. Schon jetzt sei die Belastung für alle Pflegenden – sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege – bei vergleichsweise schlechter Entlohnung enorm. Die steigenden Anforderungen, engere Zeittaktungen und immer mehr Pflegebedürftige führten dazu, dass Menschen in den Pflegeberufen ihren Patientinnen und Patienten oftmals nicht mehr gerecht werden könnten. Diese Entwicklung unterstrichen auch der Pflegedirektor Michael Fehrenkötter sowie der Klinik-Geschäftsführer Gilbert Aldejohann . „Die Arbeitsanforderungen werden mehr und die Zeit, in der man die Pflege erbringen muss, immer geringer“, so Aldejohann.

Bis 2030 könnten es laut aktueller Prognosen etwa 3,4 Millionen Pflegebedürfte geben. Demgegenüber stehen Berechnungen nach etwa eine halbe Million zu wenig Pflegefachkräfte. Bis 2050 rechnen Experten angesichts des demografischen Wandels mit einer Verdoppelung der Pflegebedürftigen. Zur Diskussion stehe also nicht nur die Qualitätssicherung, sondern auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um Menschen dauerhaft in den Pflegeberufen zu halten.

Personal zu finden, sei schwierig. Krankenhäuser beispielsweise seien aber durch die finanziellen Rahmenbedingungen eingeengt. Laut Ministerin Steffens liegt ein Krankenhaus-Reformentwurf bereits vor, der 330 Millionen Euro umfasst. Fachleute sind sich aber sicher, das dies nicht reiche, um die Situation in den rund 2000 Krankenhäusern bundesweit zu verbessern.

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