Albert Hammond im Interview
Der personifizierte Jungbrunnen

Münster -

Albert Hammond ist bekannt für Lieder wie „It Never Rains in Southern California“ und „The Air That I Breathe“. Dass er auch Songs wie „One Moment in Time“ (gesungen von Whitney Houston) und “I Don‘t Want To Lose You“ (interpretiert von Tina Turner) geschrieben hat, wissen die wenigsten. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit ihm gesprochen.

Montag, 11.05.2015, 16:05 Uhr

Den Hut kann Albert Hammond ruhig vor sich selbst ziehen: Vor sieben Jahren wurde er in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Und nach wie vor ist der 70-jährige Musiker immer noch mit seiner Band auf den Bühnen der Welt präsent.
Den Hut kann Albert Hammond ruhig vor sich selbst ziehen: Vor sieben Jahren wurde er in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Und nach wie vor ist der 70-jährige Musiker immer noch mit seiner Band auf den Bühnen der Welt präsent. Foto: Albert Hammond

Albert Hammond fällt direkt mit der Tür ins Haus, er sei in Buchholz und müsse in fünf Minuten das Hotelzimmer verlassen. Wir müssten uns also beeilen. Das Gespräch verläuft aber dann doch so, dass Zeit keine Rolle mehr spielte.

Kalifornien hat angekündigt, dass die Menschen 25 Prozent weniger Wasser nutzen sollen. Mittlerweile ist Wasser dort mehr wert als Öl. Vor 43 Jahren hast du mal gesungen „It Never Rains in Southern California“. Was hat sich seitdem geändert?

Albert Hammond: Nicht wirklich viel. Als ich noch dort gelebt habe, war es auch trocken. Wir durften unsere Autos auch nicht waschen, unseren Rasen nicht wässern, aber Hauptsache die Golfplätze durften gesprengt werden. Es hat nichts mit Wassermangel zu tun: Hat man genug Geld, dann kommt man auch an Wasser. Das ist die Welt, in der wir leben: Die Amerikaner können auf den Mond fliegen, sie könnten auch eine Pipeline von Alaska nach Kalifornien legen. Dann gäbe es keine Probleme. Aber mein Song hat nichts mit Regen zu tun. Ich verstehe, warum du die Frage stellst, aber das Lied ist biografisch und befasst sich damit, ob man etwas schaffen kann oder nicht.

Du kommst nach Münster. Die Stadt ist das exakte Gegenteil von Kalifornien...

Hammond: (lacht) Es regnet permanent?

Man sagt hier: Entweder es regnet oder die Glocken läuten. Hast du eine Ahnung, wo Münster liegt?

Hammond: Nein, ich glaube, ich war noch nie da. Aber ich mag Regen. Er ist romantisch...

Und melancholisch?

Hammond: Ja, auch. Er weckt Erinnerungen an die Kindheit, als man im Regen gespielt hat und nass wurde. Das fand ich toll. Sicherlich kann zu viel Regen auch nerven, aber ich mag ihn und Sonnenschein. Was ich nicht mag, sind Wind und Kälte.

 

Ich habe gelesen, dass du aufgehört hast zu touren, als du Vater geworden bist.

Hammond: Nicht ganz. Ich war bereits Vater von zwei Töchtern, aber nicht so, wie ich es hätte sein sollen, weil ich ständig auf Tour war. Als mein Sohn Albert geboren wurde, habe ich mich entschlossen, zu Hause zu bleiben.

Ein bisschen wie bei John Lennon...

Hammond: Ja, das kann man vergleichen.

Mittlerweile ist dein Sohn ebenfalls Musiker (er ist Gitarrist bei der Band The Strokes - die Red.)  – bist du stolz auf ihn?

Hammond: Machst du Witze? Natürlich! Ich bin ein sehr stolzer Vater. Er macht, was er liebt. Und wenn Leute tun können, was sie lieben, dann stehen sie morgens auf und sind glücklich. Wenn du etwas tun müsstest, was du nicht magst, dann möchtest du doch gar nicht erst aufstehen.

Streitet ihr euch denn nicht wegen der Art seiner Musik?

Hammond: Nein. Niemals. Ich habe Songs für Pop, Rock, Rhythm and Blues, Country und für Broadway-Shows geschrieben. Er ist anders als ich, weil er sich nur einer Stilrichtung verschrieben hat. Wir respektieren uns aber gegenseitig. Er hat mal zu mir gesagt: „Dad, es ist unglaublich, was du erreicht und geschaffen hast.“ Dafür ist er jetzt berühmter als ich (lacht).

Dein erstes Livealbum ist eine Aufnahme aus Wilhelmshaven. Was hast du für eine Beziehung zu Deutschland?

Hammond: Die geht zurück auf die 60er Jahre, auf den „Beat-Club“ und den „Musikladen“. Deutschland hat mich immer mit offenen Armen empfangen für Songs wie „Down By The River“, „Everything I Want To Do“ und „The Free Electric Band“. Ich habe sogar den silbernen Otto von der Bravo bekommen (lacht). Wenn jemand, der wie ich kommende Woche 71 wird, Lieder aus fünf Jahrzehnten singt, dann ist das die Art von Nostalgie, die die Deutschen mögen. It`s like the soundtrack of their lives and mine too.

Wer kommt zu deinen Konzerten?

Hammond: Menschen zwischen 40 und 80. Gestern zum Beispiel kam jemand auf mich zu und sagte, dass er sich jung fühlte bei meinem Konzert. I‘m a young kind of an old person.

Eher so in meinem Alter also.

Hammond: Ja. Aber es kommen mittlerweile auch Jüngere. Bei einem Konzert vor ein paar Tagen standen 19- oder 20-Jährige in der ersten Reihe, haben getanzt und alle Texte mitgesungen. Das war unglaublich. Bei den Älteren habe ich versucht, dass sie wenigstens die Hände heben und klatschen (lacht).

Hast du selbst nie an Rente gedacht?

Hammond: Nein. Warum sollte ich aufhören, Menschen zu sehen, die fröhlich sind, wenn sie meine Musik hören? Warum sollte ich aufhören, andere glücklich zu machen? Das ist doch das Schönste im Leben. Es geht mir dabei nicht ums Geld. Bei manchen Auftritten mache ich sogar Verlust.

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Songbook Tour 2013 von Albert Hammond mit vielen seiner Hits. (Foto: Albrecht Schmidt)

Wie kann das denn sein?

Hammond: Manchmal kommen nicht mehr als 400 Leute und ich bin mit einem Gefolge von Musikern, Bühnentechnikern und Beleuchtern in drei oder vier Transportern unterwegs. Dazu kommen die Hotel- und die Verpflegungskosten. Das rechnet sich nicht immer. Aber das macht nichts. Ich habe genug verdient und schließlich kann ich das Geld nicht mit ins Grab nehmen. Heute Abend gebe ich ein Wohltätigkeitskonzert für Kinder, die bald sterben werden. Und nur darum geht es: andere Menschen glücklich zu machen.

Du hast Whitney Houston den Song „One Moment in Time“ auf den Leib geschrieben...

Hammond: Ich habe ihn nicht für Whitney Houston geschrieben. Ich glaube, ich habe nie jemandem einen Song auf den Leib geschrieben. Ich versuche einfach, einen guten Song zu schreiben. Bei „One Moment in Time“ habe ich daran gedacht, dass Elvis Presley ihn singen sollte, aber der war bereits tot. Whitney hat ihn adaptiert und sich einverleibt. Als ich ihn das erste Mal gehört habe, hatte ich Tränen in den Augen, weil ich glaube, dass ihn niemand hätte besser singen können. Und darin besteht die Kunst. Tina Turner kann das. Sogar Julio Iglesias kann das. Ob man es mag oder nicht (lacht).

In der deutschen Spielshow „Schlag den Raab“ läuft der Song immer im Abspann. Wie findest du es, wenn deine Songs benutzt werden, vor allem, wenn sie für Werbung missbraucht würden?

Hammond: Ich kann das nicht wirklich verhindern. Ist ein Lied auf dem Markt, kann ihn jeder neu aufnehmen, ohne nach der Erlaubnis zu fragen. Wenn es aber um schlechte Dinge oder um Krieg geht, dann würde ich es unterbinden. Dafür würde ich kämpfen. Nutzt meine Lieder nicht, wenn ihr Bomben auf ein anderes Land werfen wollt!

Live

Albert Hammond and Band spielen am 12. Mai ab 20 Uhr in der Jovel Music Hall. 

...

Wie viele Schallplatten hast du?

Hammond: Oh, Tausende.

Hast du nicht das Gefühl, viel zu wenig Zeit zu haben, sie zu hören?

Hammond: Ich habe überhaupt keine Zeit (lacht). Die Platten liegen seit Jahren einfach nur herum, ohne dass ich sie berührt habe. Ich will die aber auch nicht weggeben. Ich habe alles von den Beatles, von Elton John, von den Beach Boys. Manchmal reicht es, sie nur zu sehen. Aber eines Tages werde ich die Zeit haben, sie zu hören.

Hat dich jemals jemand gefragt, ob du die berühmte Orgel erfunden hast?

Hammond: (lacht) Ja, ständig. Viele Leute fragen das und ich antworte dann immer, dass ich zwar wünschte, sie erfunden zu haben, aber ich war‘s nicht.

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