Ex-Angestellter einer insolventen Firma aus Münster sitzt in Abu Dhabi fest
Schmoren am Golf – wie in Geiselhaft

Münster -

Rainer Behnken, der im Golfstaat Abu Dhabi festgehaltene Mitarbeiter der insolventen münsterischen Firma Hawerkamp Projekt GmbH, kämpft in dem Emirat verzweifelt gegen sein Ausreiseverbot und die drohende Erzwingungshaft.

Freitag, 29.05.2015, 10:05 Uhr

 
  Foto: dpa

Behnken hatte in Abu Dhabi die Geschäfte für die seit einem Jahr insolvente Tochterfirma des Unternehmens Hawerkamp Sicherheitstechnik geleitet und für seinen Arbeitgeber Mietverträge unterschrieben. Die sich daraus ergebenden Verbindlichkeiten wurden nicht bezahlt, Behnken daraufhin aufgrund eines Gesetzes in Abu Dhabi und anderen Golfstaaten an der Ausreise gehindert . Behnken, der seit knapp einem Jahr dort festsitzt, fühlt sich wie eine Geisel, wie er jetzt geschrieben hat. Er habe seit einem Jahr keine Einkünfte, lebe von Grundsicherung, die auch Deutsche im Ausland erhalten können. Das deutsche Konsulat, so klagt der festgehaltene Behnken, habe ihm nicht geholfen, ihn auch nicht darauf aufmerksam gemacht, dass er im Ausland Unterstützung durch Sozialhilfe bekommen kann.

Das bestätigt Helmut Lorscheid . Der freie Journalist aus Bonn berichtet über das Schicksal von Deutschen, die in Golfstaaten festgehalten werden.

Lorscheid hat Kontakt zu Behörden und Politik aufgenommen: Er wandte sich unter anderen an den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung , den münsterischen SPD-Abgeordneten Christoph Strässer, und den münsterischen Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel von der Linken. Zdebel sagte Lorscheid zu, sich für Behnken einsetzen zu wollen.

Dieser hat mittlerweile in Abu Dhabi Unterlagen des Insolvenzverwalters vorgelegt, aus denen hervorgehen soll, dass nicht er, sondern das Unternehmen Partner des Mietvertrages war. Die Behörde in Abu Dhabi habe die Unterlagen bisher ignorieren. Nun kämpft er darum, dass ihn eine internationale Rechtsschutzversicherung aufnimmt, die die Kosten des Rechtsstreits trägt. Stellenangebote, die ihn in seiner Verbannung erreichten, „musste er wegen des Ausreiseverbotes allesamt ablehnen“, schreibt Behnken in einer Mail an unsere Zeitung und bemerkt: „Meine Familie in Deutschland habe ich seit einem Jahr nicht gesehen.“

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