Ratsherr Atalan im türkischen Parlament
Münsteraner kandidiert erfolgreich für die HDP in der Provinzhauptstadt Batma

Münster/Istanbul -

Aus dem münsterischen Rathaus ins türkische Parlament: Der Ratsherr Ali Atalan von der Partei Die Linke hat bei der türkischen Parlamentswahl einen Sitz für die neue Partei HDP gewonnen. Entsprechende Agenturmeldungen bestätigte Rüdiger Sagel, Ratsfraktionschef der münsterischen Linken. Atalan selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dienstag, 09.06.2015, 19:06 Uhr

Ratsherr Ali Atalan hat bei der türkischen Parlamentswahl einen Sitz für die neue Partei HDP gewonnen.
Ratsherr Ali Atalan hat bei der türkischen Parlamentswahl einen Sitz für die neue Partei HDP gewonnen. Foto: dpa

Atalan hält sich laut Sagel derzeit in Batman auf, einer Regionalhauptstadt im Südosten der Türkei . Dort war Atalan auch als HDP-Kandidat angetreten. Der 47-Jährige gehört der Minderheit der Jesiden an. Sie sind Angehörige einer uralten Religion, die seit Jahrhunderten unter Verfolgung leiden und oft als „Teufelsanbeter“ beschimpft werden. Das Schicksal der Jesiden beherrschte im vergangenen Jahr die Schlagzeilen, als Terroristen des Islamischen Staates die Jesiden im Norden des Irak überfielen.

Ob Atalan in der Türkei bleiben und sein Ratsmandat in Münster niederlegen wird, sei derzeit noch offen, so Sagel. Zum Hintergrund: Wegen der unklaren Mehrheitsverhältnisse im türkischen Parlament sind Neuwahlen nicht ausgeschlossen. Dann muss sich zeigen, ob Atalans Partei ein zweites Mal die Zehn-Prozent-Hürde überspringen kann.

Atalan hat sowohl die türkische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft, weshalb es ihm überhaupt möglich ist, in zwei Ländern politische Mandate auszuüben. Die bevorstehende Sommerpause gibt Atalan nach Auskunft Sagels die nötige Zeit, „um die Dinge zu klären“.

Atalan, Vater von vier Kindern, saß von 2004 bis 2010 für die Linke im Rat der Stadt, ehe er von 2010 bis 2012 Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags war. 2014 kehrte er zurück in den Rat. Zuletzt war er dem Vernehmen nach allerdings vorwiegend in der Türkei, um verfolgte Jesiden zu unterstützen.

Auffällig wurde Atalan vor Jahren, als er sich gegen das Verbot der als Terrororganisation eingestuften Kurdenpartei PKK wandte. In Deutschland wurden ihm Kontakte zur vom Verfassungsschutz beobachteten „Anitkapitalistischen Linke“ zugeschrieben, zu deren Zielen Atalan sich bekannte.

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