Echter Gewinn für Münster
Kommentar: Belebende und erfrischende „Flurstücke“

Tänzchen mit dem Bagger, bunte Projektionen auf ehrwürdigen Giebelhäusern, provokative Prozessionen durch Münsters Gute Stube und eine durchschlagende Hochofen-Sinfonie: Die zweite Ausgabe der Flurstücke mit internationalem Straßentheater ließ kaum Wünsche offen.

Montag, 22.06.2015, 06:00 Uhr aktualisiert: 22.06.2015, 07:18 Uhr
Flurstücke in Münster
Prozession in der Nacht: Spektakulär sah es in Münsters Innenstadt aus, als riesige Bilder auf die Hauswände projiziert wurden. Foto: Matthias Ahlke/Collage: Uwe Wahlbrink

Wer sich Zeit nahm, der erlebte über drei Tage in rund 60 Vorstellungen eine belebende Mixtur aus Straßenkunst, umgesetzt durch lokale und internationale Stars der Szene. Der Zuschauer durfte staunen, applaudieren, auch die Nase rümpfen und grübeln. Kein Zweifel: Die Flurstücke , nach 2011 zum zweiten Mal aufgelegt, dürften langfristig in Münster eine gute Tradition entwickeln und sich neben den Skulptur-Projekten, die alle zehn Jahre ins Stadtgebiet eingreifen, eine zweite urbane Intervention bilden.

Einzig über Zeitpunkt und Taktung des Spektakels dürften die für ihre kreative Arbeit zu lobenden Organisatoren noch einmal nachdenken. Ein Wochenende, an dem sich Lionel Richie , das Open-Air-Kino, die Grünflächenunterhaltung und der Flohmarkt zusätzlich um Zuschauergunst bemühen, scheint restlos überfrachtet. Merke: Es gibt ganz sicher auch ein Leben in den Sommerferien und danach. Kulturelle Entzerrung sichert ungeteilte Aufmerksamkeit, Überladung verursacht letztlich Überdruss.

Mehr Zuschauer als bei der „Flurstücke“-Premiere 2011

Von Petra Noppeney

Für ein umfassendes Fazit ist es noch zu früh – das Festival lief schließlich noch bis Sonntagabend. Die Zwischenbilanz von Ludger Schnieder , mitverantwortlicher künstlerischer Leiter des Pumpenhauses, lässt aber keinen Zweifel, dass die „Flurstücke 2015“ großen Zuspruch fanden: „Mit über 25 000 Zuschauern“, so Schnieder, „hatten wir mehr Zuschauer als 2011“, als das Straßentheater-Festival in Münster Premiere hatte. Wie Schnieder weiter erklärte, gab es keine Unfälle, keine Verletzungen und – dank der guten Kooperation mit den münsterischen Behörden wie Polizei oder Ordnungsamt – auch keine Verschiebung in der geplanten Programmabfolge.

Lediglich die Tänzer um die russische Choreographin Olga Pona mussten aufgrund des Wetters zwei Mal „unter ein Dach schlüpfen“. Alle anderen Veranstaltungen, selbst die technisch aufwendigen, trotzten dem nicht gerade sommerlichen Wetter.

Ausdrücklich lobt der Pumpenhaus-Leiter den „sehr guten Mix“ zwischen kleinen und großen Veranstaltungen und den verschiedenen Genres der Darbietungen: „Das ist total gut angekommen.“ Allein über 400 Interessierte hofften gestern Morgen darauf, eine der begehrten 250 Karten für die Pina-Bausch-Truppe am Abend zu ergattern.

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