Hungerstreik vorm Stadthaus 2
Nur Papagei „Socke“bekommt noch Futter

Münster -

Es ist der erste Tag seines Hungerstreiks, Pascal Thüer geht es gut. Sein Papagei „Socke“ bekommt weiter seine Körner. Der 40-jährige Thüer hat seinen Wohnwagen vor dem Stadthaus 2 am Ludgeriplatz abgestellt.

Montag, 22.06.2015, 21:06 Uhr

Er klagt gegen die „Behördenwillkür“ und ist in einen vierzehntägigen Hungerstreik getreten. Für ihn gibt es nichts als Wasser, so Thüer.

Die Stadt lässt ihn gewähren. „Es handelt sich um eine angemeldete Versammlung“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes , Martin Schulze-Werner. Arnt Wenger , Leiter der Polizeiwache Moltke­straße, schaut vorbei. Wenn was sei, dann möge er sich bei ihnen 100 Meter entfernt melden, fordert Wenger Pascal Thüer auf. „Standhaft bleiben“, wünscht er dem Hungerstreikenden.

Viele Kunden hat das Jobcenters an diesem Montag Manche bleiben stehen, schauen sich Pascal Thüers Protest an. Manche trauen sich und heften eine Nachricht an Thüers Klagemauer, denn als solche bezeichnet er seinen Wohnwagen. Aber niemand möchte seinen Namen öffentlich machen. Einige Jobcenter-Kunden üben wie der Elektromeister Kritik an der Bürokratie, andere loben das Jobcenter . „Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht“, sagt eine 60-Jährige. „Ich bin gut zufrieden, vielleicht habe ich auch etwas Glück gehabt“, schließt sich ein 49-Jähriger dem Lob an. Mitarbeiter vom Jobcenter haben am Montag schon Kontakt zu Thüer aufgenommen. Dessen Leiter, Ralf Bierstedt , bezieht keine Stellung und verweist auf den Datenschutz. „Wenn jemand Geld aus Steuermitteln möchte, dann muss er Nachweise bringen“, sagt Bierstedt. „Die Beweislast liegt beim Antragsteller“, fügt er hinzu.

Lukas Zaremba begleitet Pascal Thüer. Der gelernte Gärtnermeister war „auf Hartz IV“ und studiert heute. Er habe damals gemerkt, sagt der Mann, dass die Mitarbeiter im Jobcenter durch alle Gesetzgebungen aufgefressen werden. Den Sachbearbeitern möchte er nicht die Schulde geben. Mit ein paar Leuten will er Pascal Thüer während des Hungerstreiks unterstützen. Thüer, der nach einer Insolvenz heute als Elektromeister in eigener Regie arbeitet, hat im Jobcenter nach eigenen Angaben aufstockende Hilfe beantragt.

Jetzt kämpft er aber mit alltäglichen Dingen wie den defekten öffentlichen Toiletten am Ludgeriplatz. Positiv am Hungerstreik sei nur, sagt der 110-Kilo-Mann, dass er dabei abnehmen werde.

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