Bündnis gegen Abschiebungen: „Kosovo – unbegründet, abgelehnt“
Minderheiten lebensbedrohlich ausgegrenzt

Münster -

Muss es ein alternatives Bleiberecht für Kosovo-Flüchtlinge geben, die derzeit meist im Eilverfahren abgeschoben und in ihr Land zurückgeschickt werden, weil sie als Wirtschafts- und nicht als Kriegs- und Krisenflüchtlinge eingestuft werden? Das zumindest fordert das Bündnis gegen Abschiebungen Münster.

Mittwoch, 24.06.2015, 18:06 Uhr

Eva Weber von der Forschungsstelle Flucht und Migration Berlin sprach über die Situation im Kosovo.
Eva Weber von der Forschungsstelle Flucht und Migration Berlin sprach über die Situation im Kosovo. Foto: reg

Mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „ Kosovo – unbegründet, abgelehnt“ will das Bündnis darauf hinweisen, dass Minderheiten wie Roma, Ashkali oder Ägypter im ohnehin bitterarmen Kosovo in lebensbedrohlicher Weise vom Staat ausgegrenzt und an der Schaffung einer Existenzgrundlage für sich und ihre Familien gehindert werden.

Das Bündnis konnte sich am Dienstagabend über ein volles Haus in der Aula der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde KSHG in der Frauenstraße freuen, als Eva Weber von der Forschungsstelle Flucht und Migration aus Berlin über die gegenwärtige und historische Lage im Kosovo sprach. Sie selbst ist seit den 1990er-Jahren mit einem der Minderheit der Ashkali angehörigen Kosovaren verheiratet und hat die Region unmittelbar nach dem Krieg im Sommer 1999 und viele Male danach besucht. Weber fordert Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis und die sofortige Abschaffung der Visumspflicht für Kosovaren. Dies seien die „unerlässlich notwendigen Ventile, um den Druck herauszunehmen aus dem „Kosovo-Kessel“, der andernfalls weiter brodeln und erneut explodieren könnte, so Weber.

„Der Kosovo leidet an massiven Defiziten bezüglich fast aller Strukturen, die Staatlichkeit ausmachen.“ heißt es in einer Veröffentlichung der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl .

Im Dezember 2014 hatte ein regelrechter Exodus aus dem Kosovo in Richtung Deutschland eingesetzt, als Serbien freie Durchreisezone in Richtung ungarische Grenze wurde. Es ging das Gerücht im Kosovo um, jeder eingereiste Kosovare erhielt Arbeit und Geld vom deutschen Staat. Bereits im März hatten staatliche Stellen auf beiden Seiten die Mär als solche entlarvt, der Strom der Flüchtlinge ging zurück. Webers Argumente sind vor allem als Aufruf zum Widerstand gegen die Bestrebungen der Regierung zur Einstufung einiger Balkanländer als sichere Herkunftsländer aufzufassen. Erst jetzt habe Staatssekretärin Dr. Emily Haber sich beim 15. Berliner Symposium zum Flüchtlingsschutz noch einmal deutlich gegen die Öffnung des Asylverfahrens für eine Zuwanderung aus wirtschaftlicher Not ausgesprochen. Am Freitag (3. Juli) um 19.30 Uhr lädt das Bündnis zur Podiumsdiskussion in den Lesesaal der Stadtbücherei ein.

Seit Jahresbeginn bis Ende Mai haben 29 747 Kosovaren Anträge auf Asyl gestellt, gefolgt von Syrien mit 26 250 Anträgen. Zum Vergleich: im Jahr 2014 stellten im gleichen Zeitraum 2114 Kosovaren und 10 046 Syrer Antrag auf Asyl.

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