Münsters erste „Schnippeldisko“
Protest kann so lecker sein

Münster - Sie saßen in Grüppchen auf dem Rasen und auf Bänken und schnippelten zu DJ-Musik aussortiertes Gemüse und Obst.

Dienstag, 30.06.2015, 14:44 Uhr
„Das könnte es öfters geben“, finden Gloria Schröder, Marlene Wunder und Julia Tröndle.
„Das könnte es öfters geben“, finden Gloria Schröder, Marlene Wunder und Julia Tröndle. Foto: Anne Koslowski

Unter dem Motto „Teller statt Tonne“ haben Besucher von Münsters erster „Schnippeldisko“ am Samstag 200 Kilogramm gespendete Lebensmittel, die auf dem Wochenmarkt nicht verkauft werden konnten, verarbeitet und gegessen. Mit dieser kulinarischen Protestaktion wollten sie im Rahmen des Nachhaltigkeitstages ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen.

Hände an Wasserkanistern gewaschen und desinfiziert, verwachsene Karotten, gespaltene Kartoffeln, großwüchsige Rote Beete, verschmähte Pastinaken, Kräuter und anderes Grünzeug in Schüsseln abgeholt, gewaschen und zum Tisch getragen – und los ging es mit dem Schnippeln.

„Es ist nicht gerecht, wenn wir hier gute Lebensmittel wegschmeißen und andernorts Mangel herrscht“, sagte Veganer Timo Lauterbach, während er an einer Bierzeltgarnitur auf dem Servatiiplatz Knoblauch hackte und mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kam.

18 Millionen Tonnen an Nahrung landen einer neuen Studie der Umweltstiftung WWF in Deutschland jedes Jahr im Müll. Knapp 40 Prozent des Mülls falle der Studie „Das große Wegschmeißen“ zufolge in Privathaushalten an, hinzu kämen unter anderem Verluste bei der Produktion sowie in der Gastronomie. „In der Gastronomie wird oft sehr unüberlegt weggeschmissen“, sagte am Samstag auch Köchin und Ökotrophologiestudentin Karina Buss, die auf einer Bühne das Gemüse zu Ratatouille, Curry und Eintopf verarbeitete. Durch bessere Planung könnte diese Lebensmittelverschwendung vermieden werden. Sie nahm als Mitglied der Slow-Food-Gruppe Münster an der „Schnippeldisko“ teil, „weil es mir ein Anliegen ist, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für Lebensmittel zu schaffen“.

Ihr Koch-Kollege und Kommilitone Philipp Große zeigte sich begeistert über die großzügigen Spenden, die auch teure Chia-Samen sowie Kürbiskerne und Nüsse enthielten und in drei Monaten abgelaufen wären.

In Baby-Wannen sammelten die Organisatoren das Obst für den Nachtisch ein: süßer Couscous. Es blieb so viel übrig, dass die Besucher Essen mit nach Hause nehmen konnten. Die durften freiwillige Spenden hinterlassen und zeigten sich angetan von der Veranstaltung: „Das könnte es öfters geben“, sagte Gloria Schröder. Insbesondere auch die Studierenden des Masters für Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft der FH Münster waren zufrieden. Sie hatten die „Schnippeldisko“ ein halbes Jahr lang organisiert. „Dass die Leute so entspannt sind und dass es ihnen schmeckt, das macht mich glücklich“, sagte Gesa Wannick.

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