Zu wenig Toiletten am Aasee
Ein dringendes Bedürfnis am Aasee

Münster -

Links und rechts von den Aaseetreppen fehlt es an Toiletten. Mit der Folge, dass die Menschen an lauen Sommerabenden von der Partywiese am See in die benachbarte Promenade gehen, um ihr dringendes Bedürfnis zu erledigen.

Samstag, 04.07.2015, 11:07 Uhr aktualisiert: 04.07.2015, 11:38 Uhr
Origineller Hinweis auf fehlende Toiletten am Aasee: Ein Pissoir hängt seit Freitag am Baum vor den Stufen.
Origineller Hinweis auf fehlende Toiletten am Aasee: Ein Pissoir hängt seit Freitag am Baum vor den Stufen. Foto: hpe

Seit Freitag hängt am letzten Baum vor den Aasee-Terrassen an den Ku­geln eine ungewöhnliche Bedürfnisanstalt . Nicht zur Benutzung, sondern als Protest wegen der dort fehlenden Toiletten.

Eine auffällige Aktion zu einem Problem, das offenbar viele Menschen rund um das innerstädtische Naherholungsgebiet gerade an den heißen Sommertagen mit der Pflicht, viel zu trinken, beschäftigt. Wenn es am Aasee langsam dämmert und auf den Wiesen an den Kugeln das große Grillen läuft, beginnt das Problem.

Beispielsweise für Walter Gertz, Inhaber der Gaststätte Kruse Baimken. Er schaut aus seinem Biergarten auf die Promenadenwiese an der Adenauer-Allee und was er da sieht, stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel.

An den Bäumen und Büschen stehen die Wildpinkler, und je später der Abend, desto dreister die dann schon ziemlich angesäuselten Jugendlichen. Manche stellen sich unverhohlen mitten auf die Wiese, andere hocken auf der Grünfläche; und Gertz schämt sich schon fast gegenüber seinen Gäste.

Die sitzen nämlich nur ein paar Meter von der „Pinkelwiese“ entfernt am Tisch. Bei Weißbier und Schnitzel mit Bratkartoffeln sind sie unfreiwillige Augenzeugen der Open-Air-Entleerung direkt vor ihrer Nase.

Gertz: „Warum stellt die Stadt nicht einen Toilettenwagen auf? Der ist eigenbewirtschaftet, so etwas kostet die Stadt keinen Cent, und das Problem wäre gelöst.“

An seiner Tür hängt ein Schild „Toilettennutzung nur für Gäste des Hauses“. Trotzdem huschen immer wieder Leute von den Party-Kugeln auf die Gaststätten-Klos. „Ich sehe die gar nicht alle und zahlen dafür will ja auch kaum einer“, sagt Gertz. „Manche werden auch aggressiv, wenn man sie anspricht“, so der Gastronom.

Provokantes Pissoir am Aasee

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  • Foto: Markus Lehmann
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Alternativen für alle, die mal müssen, sind am Aasee durchaus vorhanden. Unten im A 2 neben dem Tretbootverleih gibt es saubere und laut Stadt auch öffentliche Toiletten. An einem Tisch neben dem Eingang sitzt Süphan Yurdagül. Bis Mitternacht kann dort jeder sein Geschäft verrichten, erbeten wird auch hier ein Obolus. „Ich schicke aber niemanden weg, der kein Geld dabeihat“, meint Yurdagül. „Kundschaft“ von den Aaseewiesen hat er allerdings nach eigener Einschätzung eher selten. „Wenn, dann kommen Frauen. Männer fast nie“, so der Mann am Tisch. Vom Grundsatz her würde Yurdagül einen Toilettenwagen an den Kugeln begrüßen. „Besonders bei größeren Veranstaltungen wie den AaSeerenaden ist der Bedarf da“, meint er. Auf der anderen Uferseite an der Bismarckallee können bis 22 Uhr die Toilettenanlagen der Mensa genutzt werden, dort gibt es weder Einlasskontrollen noch Hinweise,  Geld dafür bezahlen zu müssen.

Zusätzliche Müllbehälter

Gegen den Sommermüll rund um den Aasee soll die Stadt „konsequent durchgreifen“, fordert die CDU in einem Ratsantrag. Dabei soll auch der aktuelle Stand zum Handlungskonzept Aasee vorgelegt und überprüft werden. Besonders nach einem sommerlichen Wochenende sieht es montags früh auf den Wiesen an den Kugeln übel aus. Auch, weil die dort vorhandenen Papierkörbe die Menge an gebrauchten Einweggrills, Aluschalen, Flaschen, leeren Holzkohlesäcken und Verpackungsmaterial einfach nicht verkraften können. Weil es heiß bleibt, will die Stadt ab sofort die Müllentsorgung erleichtern. „Wir stellen bis zum Wochenende zusätzliche Großbehälter auf“, so Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt.

...

Bei der Stadt gibt es ein eigenes Toiletten-Versorgungskonzept für den Aasee. Reimer Stoldt vom Grünflächenamt hat mit Ausnahme vom Kruse-Baimken-Wirt aus der Aasee-Nachbarschaft „weder Beschwerden noch Hinweise auf Hygiene-Mängel“ vorliegen. Gleichwohl werde man das Thema noch mal angehen. „Wir prüfen, ob man da mehr machen kann“, so Stoldt. Kurzfristig sei aber auch aus optischen Gründen nicht an die Aufstellung eines Toilettenwagens gedacht.  

Kommentar: Die Stadt lässt es laufen

von Ralf Repöhler

Gestern Abend war der Ansturm groß, heute wird es ähnlich sein – die jüngeren Semester feiern den Sommer am liebsten am Aasee. Das kollektive Grillen an den Kugeln hat Tradition; ebenso wie das Problem mit der vollen Blase für diejenigen, die dort länger chillen. Da ist für die meisten das nächste Gebüsch der kürzeste Weg. Minutenlang bis zur Mensa an der Bismarckallee oder gar bis zu den Toiletten am A2 läuft kaum jemand.

Die öffentliche Entleerung vor den Augen vieler Spaziergänger, Jogger und sogar den im Biergarten sitzenden Gästen des Kruse Baimken mag allerdings so gar nicht zur Stadt der Wissenschaft und Lebensart passen. Die Stadt lässt es laufen und verweist auf ihr Toiletten-Versorgungskonzept für den Aasee, das nicht viele zu kennen scheinen.

Es fehlt in den heißen Sommermonaten, wenn täglich Hunderte am Aasee Party feiern, an einer mobilen Toilettenanlage, die dezent platziert, schnell erreichbar ist und nicht den Blick auf den Aasee trübt. Ein privater Betreiber sollte dort sein Geschäft machen können.

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