Münster und das alte Ägypten
Neues Leben für kopflosen Jüngling

Münster -

Münster ist der rechtmäßige Aufenthaltsort des kopflosen jungen Mannes. Hierher wird ihn Dr. Helge Nieswandt demnächst mit einem Bulli aus Hildesheim zurück chauffieren. Es ist eine sehr spezielle Fracht – der junge Mann ohne Kopf ist seit etwa 2800 Jahren tot.

Sonntag, 26.07.2015, 09:07 Uhr

Der Deckel des Sarkophags zeigt Gesicht und Frisur des toten Ägypters.
Der Deckel des Sarkophags zeigt Gesicht und Frisur des toten Ägypters. Foto: WWU

Jetzt aber ist er stark aufgefrischt. Jens Klocke , Restaurator und als solcher Spezialist für ägyptische Mumien, hat sich intensiv um den jungen Mann gekümmert.

Bald könnte die Mumie aus dem achten Jahrhundert vor Christus samt Sarg in Münster ausgestellt werden. Helge Nieswandt , Leiter des Archäologischen Museums der Universität, kann die „Münster-Mumie“ aber vorerst noch nicht in den Museums-Räumen zeigen. Dafür soll das Museum um ein Keller-Geschoss erweitert werden.

Die Archäologen der Universität sind vorerst aber dankbar, dass die Mumie des jungen Mannes aus dem alten Ägypten nun überhaupt mit Mitteln des Exzellenzclusters Religion und Politik der Universität restauriert wurde. Rund 50 Jahre lagerte die Mumie in den Beständen des Museums. Ein Gymnasium in Mülheim an der Ruhr hatte sie seinerzeit beim Aufräumen in einem Abstellraum gefunden – „wie sie dorthin gekommen war, weiß niemand“, erzählt Nieswandt. Gut möglich, dass die Mumie in der Schule schon seit Anfang des vorigen Jahrhundertes lag. Vor gut 100 Jahren gelangten nach den großen Ausgrabungswellen in Ägypten massenweise Mumien nach Europa, es gab in Ägypten so viele, dass sie dort teils als Brennmaterial verwandt wurden, erklärt Nieswandt.

Entsprechend wenig sorgsam ging man mit ihnen um. Auch der junge Mann des Uni-Museums wurde schon einmal aus- und wieder eingewickelt. Wie er seinen Kopf verlor, kann nicht mehr geklärt werden. Gut möglich, dass Mumienhändler vor über 100 Jahren den Kopf abtrennten, um gleich zwei Teile verkaufen und den Erlös steigern zu können, mutmaßte die Ägyptologin Prof. Angelika Lohwasser, als die Mumie vor fünf Jahren in einem Computertomograf im Uniklinikum untersucht wurde.

Seither weiß man auch erst, dass es sich um einen Mann handelt – die Darstellungen auf dem Sarg der Mumie hatten früher eher auf einen Frauenkörper hingedeutet. Möglich sei auch, dass die Mumie irgendwann in den Sarg einer anderen Toten gelangte, vermuten die Fachleute.

Rätsel, die wohl niemals aufgeklärt werden können, die die Mumie aber nicht weniger sehenswert machen. Das Archäologische Museum der Universität ist zwar mittlerweile selbst saniert – hat aus den alten Beständen des früheren Archäologie-Museums des LWL eine passende Vitrine zur Präsentation. In den Museums-Räumen im Erdgeschoss des Fürstenberghauses am Domplatz wird es bei Sonneneinstrahlung aber zu warm für den Ägypter – und bis der Keller-Ausbau abgeschlossen ist, werden noch mindestens zwei Jahre vergehen, glaubt Helge Nieswandt. Er sucht deshalb derzeit einen Ausstellungsraum, um die Mumie schon eher in einer Sonderausstellung zu zeigen.

Die Archäologen der Universität sind sich sicher: „Eine Attraktion ist sie in jedem Fall.“

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