Burg Hülshoff
Schluss mit maroden Steinen

Münster/Havixbeck -

Stein und Stein, Fenster um Fenster. Bei der Renovierung von Burg Hülshoff geht es langsam weiter. Aber gründlich.

Dienstag, 28.07.2015, 13:07 Uhr

Eingerüstet ist der Westflügel von Burg Hülshoff. Stein um Stein wird dort zurzeit auf seine Fertigkeit geprüft.
Eingerüstet ist der Westflügel von Burg Hülshoff. Stein um Stein wird dort zurzeit auf seine Fertigkeit geprüft. Foto: eo

Bernhard Mensen klopft mit dem Meißel gegen den gelben Sandstein – ein dumpfer Hall, der selbst dem Laien verrät, dass es dahinter hohl ist. „So wird Stein um Stein auf seine Fertigkeit geprüft“, verrät der verantwortliche Architekt hoch oben auf einem schmalen Steg an der Westwand von Burg Hülshoff , die zurzeit eingerüstet ist – als Bühne zur guten Aussicht für die Handwerker, die mit traditionellen Fertigungsmethoden die Witterungsschäden der letzten Jahrzehnte beheben. Unter anderem mit dem Geld der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: „Wir wollen nicht nur Geld bringen, sondern auch sehen, was damit gemacht wird“, begründete Sigrid Karliczek den Besuch auf der Baustelle.

Seit zwei Jahren prüft Architekt Mensen seinen Patienten auf Herz und Nieren, auf Stein und Statik – die Schäden aufgrund eines Jahrzehnte langen Investitionsstaus sind gravierend, aber andere Gebäude hätten sie wohl nicht überstanden, bescheinigt der Fachmann dem Bau der mehr als 400 Jahre alten Wasserburg eine gewisse Nachhaltigkeit. Um bei den maroden Steinen zu bleiben: Sie müssen passgenau ersetzt werden, was große Handwerkskunst verlangt. Wie auch die Schreinerarbeiten: Da werden nicht einfach komplett neue Fenster eingesetzt, sondern Millimeter genau die schadhaften Stellen erneuert.

Als Bernhard Mensen anfing, gab es so gut wie keine Unterlagen, ein paar alte Fotos, keinerlei Bauzeichnungen. So stand am Beginn eine minuziöse Bestandsaufnahme – „oft sah man die Schäden erst, wenn die Stelle freigelegt war.“ Diese detaillierten Zeichnungen waren dann auch Grundlage für die Ausschreibungen der Gewerke. Wobei Handwerker, Denkmalschützer und Architekt ein enges Team bilden.

Die hohen Dächer sind ganz traditionell neu eingedeckt worden, mit Formziegeln, die eine unterschiedliche Röte aufweisen, je nachdem, wo sie im Ofen gesteckt haben. Und mit dem charakteristischen „Strohfutter“, den Strohdocken oder Strohpuppen, wie Dachdecker Dominik Pöppelmann an einem Modell vorführte. Der verriet ein Berufsgeheimnis, wie nämlich die herausstehenden Enden beseitigt werden: „Die faulen einfach ab.“

Bernhard Mensen kritisierte zum Schluss die Landesregierung, die ja die Zuschüsse für die Denkmalpflege gestrichen hat. „Das hat verheerende Auswirkungen.“ Die Gelder für die Restaurierung von Burg Hülshoff stammen zum größten Teil aus der Hülshoff-Stiftung. Einen Scheck über 100 000 Euro steuerte Sigrid Karliczek vor kurzem von der Denkmalstiftung bei. „Ich denke, das ist nicht der letzte gewesen.“ Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ist die berühmteste Vertreterin derer von Hülshoff, ihr Erbe zu wahren und zu mehren, ist Zweck der 2012 gegründeten Hülshoff-Stiftung. Dazu gehört der Erhalt ihres Geburtsortes, eben der Wasserburg Hülshoff.

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