Crypto-Party am Samstag an der Stubengasse
„Wir wollen nicht im Dunkeln leben“

Münster -

Sie wehren sich gegen Datenschnüffler und Überwachung. Am Samstag findet auf dem Stubengassenplatz eine Crypto-Party statt. Die, sagen die Veranstalter, „weltgrößte“. Ein Happening für Internet-Sicherheit.

Donnerstag, 13.08.2015, 16:08 Uhr

Till Horstmann gehört zu den Organisatoren der münsterischen Crypto-Partys der Wirtschaftsinformatiker hat was gegen Datensammlungen.
Till Horstmann gehört zu den Organisatoren der münsterischen Crypto-Partys. Der Wirtschaftsinformatiker hat was gegen Datensammlungen. Foto: bn

Till Horstmann hat seinen kleinen Laptop mitgebracht. Er ist ja kein Technik-Feind. „Wir wollen nicht im Dunkeln leben und wieder zurück in den Wald“, schmunzelt der 29-jährige Student der Wirtschaftsinformatik. Aber er hat etwas gegen Datenschnüffler, Vorratsdatensammler, Geheimdiente und Mega-Konzerne, die den Menschen im Internet ausspionieren.

Darum veranstaltet er Crypto-Partys. Am Samstag auf dem Stubengassen-Platz die nach seinen Worten „größte Outdoor-Crypto-Party der Welt“ (ab 14 Uhr).

Wem das jetzt kryptisch – geheimnisvoll – vorkommt, dem kann Horstmann seine Motivation erklären. Im „Teilchen und Beschleuniger“, bei einem Mate, recht einfach: Erstens, seit den Aufklärungen von Edward Snowden über die flächendeckende Bespitzelung des Internets durch Geheimdienste sei er „sehr unzufrieden mit der Situation“.

Zweitens, die innerdeutsche Diskussion über die Speicherung von Positions- und Verbindungsdaten von Handys, die Vorratsdatenspeicherung , steigert dieses Unwohlsein.

Drittens, es gibt mittlerweile eine wachsende Gruppe von Nutzern, die ihre Daten schützen. In Berlin , wo Horstmann studiert, lernte er Crypto-Partys kennen, bei denen sie mit Laptops und Smartphone zusammenkommen, um sichere Programme zu laden und zu installieren.

In Münster gab es bereits einige Partys mit jeweils 30 bis 40 Teilnehmern – und nun soll im Rahmen einer Demonstration gegen Überwachung und Vorratsdatenspeicherung der Rahmen gesprengt werden. „Wir haben Biertische, Strom und WLAN“, sagt er. Wer sein digitales Gerät mitbringt, dem wollen die Verschlüsselungsfachleute beibringen, wie man sicher durchs Internet kommt.

„Und das ist gar nicht schwer“, sagt Horstmann. Man könne zum Beispiel seine Emails mit Programmen wie PGP (Pretty Good Privacy) verschlüsseln, so dass nur Sender und Empfänger den Sinn verstehen. Man kann nur Software installieren, deren Code zu lesen – und zu kontrollieren ist.

Und man muss wohl, wie Horstmann, auf einige Errungenschaften der digitalen Kommunikation verzichten. Der Daten-Experte ist weder bei Facebook, noch bei Twitter, noch bei Whats App. Wer mit ihm kommunizieren will, muss mailen. „Oder“, sagt er, „anrufen.“ Wunderbar, dass man trotzdem mit normalen Menschen Treffen vereinbaren könne.

Wichtig für ihn: „Wir sind keine Datenbefreiungsfront – was wir machen, ist völlig legal in Deutschland.“ Noch.

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