Neuer Name für Wagenfeld-Realschule in Münster
Rat beschließt über Erna de Vries

Münster -

In Ahlen darf nach einem Bürgerentscheid am Sonntag der umstrittenen Heimatdichter Karl Wagenfeld seine Straße behalten. In Münster soll der Schriftsteller, der nach Einschätzung von Historikern, darunter die Professoren Hans-Ulrich Thamer und Alfons Kenkmann, die Ideologie der Nationalsozialisten transportierte und stützte, nun nach der Straße auch nicht mehr im Namen der bisherigen Karl-Wagenfeld-Schule geführt werden.

Montag, 17.08.2015, 16:08 Uhr

Erna de Vries hatte die Realschule im Vorfeld der Umbenennung mehrmals besucht und den Jugendlichen von ihren Holocaust-Erlebnissen berichtet. Foto: Ahlke
Erna de Vries hatte die Realschule im Vorfeld der Umbenennung mehrmals besucht und den Jugendlichen von ihren Holocaust-Erlebnissen berichtet. Foto: Ahlke

Wie berichtet, hatte die Schulkonferenz der Realschule an der Spichernstraße vor den Ferien beschlossen, die Schule künftig nach der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries zu benennen.

Der Schulausschuss soll in seiner Sitzung am 25. August über den Schulkonferenz-Beschluss entscheiden. Amtlich wird die Namensänderung, wenn der Rat in seiner Sitzung am 16. September zustimmt.

Sabine Leifhelm, Leiterin der bisherigen Karl-Wagenfeld-Schule, bestätigt den Schulkonferenz-Beschluss. Die Schule will den neuen Namen auch mit besonderen Projekten würdigen. „Wir planen aber nichts konkret, bevor der Rat offiziell zugestimmt hat, sagt Leifhelm.

Sie spricht aus schmerzlicher Erfahrung: In einem ersten Versuch, den unliebsamen Namen Karl Wagenfeld abzustreifen, hatte die Schulkonferenz sich auf den münsterischen Zoogründer Professor Landois geeinigt. Der Name kam im Zuge der Diskussion in den politischen Gremien ins Gerede, Landois wurde Rassismus vorgeworfen, weil er vor gut 100 Jahren im Zoo sogenannte Völkerschauen mit Afrikanern veranstaltet hatte. Mit Erna de Vries, 91-jähriger Holocaust-Überlebende aus Lathen im Emsland , die seit vielen Jahren engagiert als Zeitzeugin in Schulen, auch mehrmals an der bisherigen Karl-Wagenfeld-Schule, die Erinnerung an den Naziterror wachhält, sind derartige Debatten nicht zu befürchten.

Erna des Vries hat ihr Einverständnis zur Namenswahl der Schule gegeben. Leifhelm: „Sie fühlt sich geehrt.“

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