Das Kreuzviertel feiert
Kein Fest zum Nulltarif

Münster -

Angefangen hat alles 1989. Damals meinten Kaufleute im Kreuzviertel, sie müssten etwas tun. Inzwischen hat sich das Kreuzviertel-Fest zu einer Party entwickelt, die Jahr für Jahr mehr Besucher anlockt. In diesem Jahr freute sich der neue Vorstand mit Joachim Pues über die Unterstützung durch den alten Vorstand.

Samstag, 22.08.2015, 10:08 Uhr

Joachim Pues (r.) freut sich über die Unterstützung von Amtsvorgänger Herbert Stallkamp bei den Vorbereitungen des Kreuzviertelfestes.
Joachim Pues (r.) freut sich über die Unterstützung von Amtsvorgänger Herbert Stallkamp bei den Vorbereitungen des Kreuzviertelfestes. Foto: gh

Herbert Stallkamp lebt seit Jahrzehnten im Kreuzviertel und betreibt dort seit fast 30 Jahren einen Raumausstatter-Betrieb. Joachim Pues ist im Kreuzviertel aufgewachsen und dreht als Fahrradhändler in dritter Generation am Rad. Beide haben ihr Herz an das Viertel verloren, sonst würden sie sich nicht so dafür einsetzen. Der 65-jährige Herbert Stallkamp war mehr als drei Jahrzehnte Vorsitzender des Vereins „Kreuzviertler Geschäftsleute e.V.“. Der 47-jährige Joachim Pues trat seine Nachfolge an. Aber gemeinsam mit dem neuen Vorstand kümmern sich in diesem Jahr noch einmal Oldies wie Herbert Stallkamp, Arnold Thöne und Wolfgang Layda um das Kreuzviertelfest, das an diesem Wochenende gefeiert wird. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit dem alten und neuen Vorsitzenden.

Wann wurde eigentlich die Festidee geboren?

Stallkamp: Das war 1989. Angefangen hat alles auf dem Vorplatz eines Getränkehandels an der Studt­straße. Wir Kaufleute meinten, wir müssen etwas tun, also haben wir gefeiert. Kaufleute stellten sich dabei vor. Kostproben gab es beispielsweise von einem großen Platenkuchen, den Josef Limberg präsentierte. Wir hatten einen riesigen Ohrensessel dabei.

Wie ging es weiter?

Stallkamp: Die Premiere war so erfolgreich, dass nach einem größeren Ort gesucht wurde. Nur der Vorplatz vor der Kirche mitten im Viertel kam infrage. Wir bauten eine Bühne auf und hatten zwei Tage Nonstop-Programm. Später kam die zweite Bühne dazu.

Pues: Seitdem geht es rund um die Kirche. Das ist doch auch das, was das Kreuzviertelfest ausmacht. Die Besucher gehen rund – und treffen sich.

Zwei Bühnen und ein umfangreiches Musikprogramm: Ist das nicht auf Dauer zu kostspielig?

Stallkamp: Zum Nulltarif ist ein solches Fest mit der ganzen Logistik im Vorfeld nicht zu haben. Wir Geschäftsleute legen jedes Jahr zwischen 2000 und 4000 Euro drauf. Aber Musik fördert die Begegnung. Und ein solches Programm könnten wir ohne Wolfgang Halberscheidt nicht stemmen. Außerdem sind wir besonders stolz darauf, dass wir immer ein Programm für jedes Alter haben. Darum gab es bei uns nie Randale.

Pues: Das Programm gibt dem Fest das Gesicht. Würde man es verändern, dann wäre es nicht mehr das Kreuzviertelfest. Ein Verkehrsschild aufzustellen, ist eine einfache Sache, aber ein Programm aufzustellen, ist eine schwierige Aufgabe.

Ist die Organisation für Sie jetzt Neuland?

Pues: Ich springe schon ins kalte Wasser, aber Herbert Stallkamp, Arnold Thöne und Wolfgang Layda haben uns geholfen. Für die Unterstützung möchten wir uns bedanken. Es war eine Hauruck-Aktion, aber ohne die Oldies hätten wir keine Chance gehabt. So ganz neu ist das Fest auch für mich nicht. Seit 1993 stelle ich als Fahrradhändler beim Kreuzviertelfest aus. Seit einigen Jahren kümmere ich mich auch um den Kinderflohmarkt am Sonntagmorgen.

Stallkamp: Auch für uns war früher bei aller Routine ein solches Fest kein Selbstläufer. Wir haben uns mehrfach dafür getroffen. Aber einige Dinge waren für uns auch Alltag. Es genügt oft ein Anruf, weil man uns kennt.

Was ist für Sie der Motor dieser vielen Arbeit?

Stallkamp: Die Besucher sollen einfach ihren Spaß haben. Das Viertel und auch seine Kaufleute sollen bekannt werden.

Pues: Wer nicht wirbt, der stirbt. Andere Viertel in dieser Stadt explodieren, es gibt immer mehr Szene-Ecken. Wo bleibt da das Kreuzviertel? Wir sorgen dafür, dass rund 20 000 Besucher kommen. So ein Fest ist ein gutes In­strument, um diesem Trend entgegenzusteuern.

Wie sehen Ihre Pläne für ein Kreuzviertelfest der Zukunft aus?

Pues: Ich wünsche mir, dass das Kreuzviertelfest so bleibt, wie es ist, denn nur so hat es Überlebenschancen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Bürger kommen. Das Konzept hat sich 100-prozentig bewährt.

Stallkamp: Und die Besucher kommen von weither. Ich werde oft Wochen vorher angerufen, wann denn gefeiert wird. Ich traf kürzlich einen Mann aus Aachen, der gebürtig aus Münster kommt und jedes Jahr fürs Fest in seine Heimat fährt.

Ist der Vorsitzende bei so einer großen Veranstaltung besonders in der Pflicht?

Stallkamp: Manchmal schon. Ich erinnere mich an drei Bewohner des Viertels, denen das Fest zu laut war. Ihnen brachte ich Schaumstoffrollen aus meinem Laden, legte sie vor deren Fenster; und schon war die Luft raus. Dann sollte die Spencer Davis Group bei uns auftreten. Also fuhr ich nach Weeze, um die Künstler aus England und New York dort abzuholen. Untergebracht waren sie im Hotel, aber zwischendurch mussten wir dafür sorgen, dass sie ordentlich mit Getränken und Essen versorgt wurden. Das war schon aufwendiger.

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