Rainer Behnken darf ausreisen
Unfreiwilliger Aufenthalt in Abu Dhabi endet nach einem Jahr

Münster -

Ein Jahr wurde ein ehemaliger Mitarbeiter einer insolventen münsterischen Firma im Golfstaat Abu Dhabi festgehalten. Nun darf er endlich ausreisen.

Dienstag, 25.08.2015, 20:08 Uhr

Für Rainer Behnken war Abu Dhabi in den vergangenen zwölf Monaten alles andere als ein Urlaubsparadies. Er wurde dort festgehalten.
Für Rainer Behnken war Abu Dhabi in den vergangenen zwölf Monaten alles andere als ein Urlaubsparadies. Er wurde dort festgehalten. Foto: dpa

Die große Erleichterung ist aus der Mail von Rainer Behnken zwischen den Zeilen herauszulesen. Ein Jahr saß der frühere Mitarbeiter der insolventen münsterischen Firma Hawerkamp Projekt GmbH im Golfstaat Abu Dhabi wegen eines dort geltenden Gesetzes fest ( wir berichteten ). Nun darf Behnken ausreisen, wie ihm am Dienstag seine Anwälte vor Ort mitteilten.

Für Mietschulden haftbar gemacht

Behnken, der als Ingenieur der Tochterfirma des münsterischen Unternehmens Hawerkamp Sicherheitstechnik am Arabischen Golf tätig war, wurde von den Behörden in Abu Dhabi für Mietschulden der Firma im Insolvenzverfahren haftbar gemacht. Die rund 40  000 Euro konnte Behnken aber nicht zahlen; der Insolvenzverwalter der Firma betonte, die Mietschulden könnten im laufenden Insolvenzverfahren nicht beglichen werden. Weil Rainer Behnken die Verlängerung des Mietvertrages unterschrieben hatte, ließ ihn der Golfstaat nicht mehr ausreisen, es drohte ihm sogar Erzwingungshaft.

Nach Bemühungen von Anwälten, Berichten mehrerer Medien sowie der Intervention des linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel aus Münster ist nun der sogenannte „Travel Ban“ gegen den 53 Jahre alten Ingenieur Behnken aufgehoben worden.

Das ist alles ein schlechter Treppenwitz.

Rainer Behnken

Ganz ohne Weiteres kann Rainer Behnken aber immer noch nicht das arabische Land verlassen. Nun fordern die Behörden von ihm 9000 Euro Strafe, weil er sein vor gut einem Jahr ausgelaufenes Touristenvisum für Abu Dhabi nicht verlängert hat. Dass Behnken aufgrund einer staatlichen Verfügung gar nicht ausreisen durfte, spielt dabei keine Rolle. „Das ist alles ein schlechter Treppenwitz“, kommentiert Behnken, zeigt aber seine Erleichterung: „Ich darf das Land wirklich verlassen. Zwischenzeitlich ist mein Name auch schon aus dem Computer-System des Immigration Department gelöscht worden.“ Am Mittwoch will er mit der Immigrationsbehörde das Thema der Geldstrafe wegen des Visums klären. „Das regele ich schon“, lässt er wissen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3467008?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F4847834%2F4847839%2F
Münsterisches Labor findet Mineralölspuren in Milchpulver
Potenziell krebserregende Stoffe: Münsterisches Labor findet Mineralölspuren in Milchpulver
Nachrichten-Ticker