Interview mit Boysetsfire
Sturköpfe bis zum Letzten

Münster/München -

Die US-Postcore-Band Boysetsfire geht meist ihren eigenen Weg. Das Video zu ihrer neuen Single haben sie zuerst auf der Facebook-Timeline eines Fans veröffentlicht. Sie streamen auch mal ihre Konzerte. Und auch sonst bürstet das Quintett gerne mal das Musikbusiness gegen den Strich. Mit Bassist Robert Ehrenbrand sprach unser Redakteur Carsten Vogel über das Bandgefüge, die Veröffentlichung ihres sechsten und selbstbetitelten Albums und über ihr anstehendes Konzert im Skaters Palace Anfang Oktober in Münster.

Mittwoch, 26.08.2015, 17:08 Uhr

„Fründe ston zesamme“: Die US-amerikanische Postcore-Institution Boysetsfire mit ihrem Bassisten Robert Ehrenbrand (l.).
„Fründe ston zesamme“: Die US-amerikanische Postcore-Institution Boysetsfire mit ihrem Bassisten Robert Ehrenbrand (l.). Foto: Promo

Was kann Münster von euch erwarten?

Robert: Du musst anders fragen, Carsten : Was kann Robert von Boysetsfire von Münster erwarten? (lacht) Ich bin schon ganz aufgeregt, denn ich bin ein riesiger Geschichtsnerd und habe bereits viel über die Wiedertäuferbewegung gelesen. Und ich habe bereits jetzt – und das ist kein Witz – eine private Stadtführung zum Thema gebucht und werde zwei Stunden vor dem Soundcheck durch Münster geführt. Ich reibe mir jetzt schon die Hände, bevor ich in eure schöne Stadt kommen darf.

Kann man als Musiker heute noch Familie mit Kindern und Hund finanzieren?

Robert: Boysetsfire ist in einer glücklichen Situation. Wir haben eine gute Fanbasis und treue Unterstützer. 2006 haben wir eine Pause eingelegt und Jahre später festgestellt, dass wir uns gegenseitig fehlen. Mittlerweile hatten alle Bandmitglieder Familie und Hunde. Jeder hat also sein eigenes logistisches Setup (lacht). Wir waren uns einig darüber, dass wir nicht mehr alle nur von der Band abhängig sein wollten. Jeder von uns hat einen „ Dayjob “. Das hat den Vorteil, dass wir der Band den Rücken frei halten. Es geht uns darum, als beste Freunde Musik zu machen.

Es gab ein Kommen und Gehen in der Band. Nun hattet ihr vergangenes Jahr 20- jähriges Jubiläum. Fühlt es sich trotzdem eher an wie ein Fünfjähriges?

Robert: Das ist gut beobachtet. Die Band fühlt sich als durchgehendes Kontinuum an. Boysetsfire wurden aus und auf bestimmten Grundsätzen gegründet, und das zieht sich durch. In unserer Freundschaft gab es keine Zäsur, sondern wir sind nur als Band nicht mehr aufgetreten. Als ich 2008 geheiratet habe, sind alle Bandmitglieder nach Deutschland geflogen. Chad, unser Gitarrist, hat neben mir gestanden und Akustikgitarre gespielt. Die temporäre Auflösung hat uns verdeutlicht, wie sehr wir als musikalische Entitäten aneinander hängen.

Das neue Album ist selbstbetitelt. Ist das Ausdruck eines neuen Bandgefüges?

Robert: Genau. Es ist nicht, weil uns kein Titel eingefallen ist (lacht), sondern weil wir uns in über zwanzig Jahren in der Musikbranche eine Nische herausgegraben haben. Immer auch etwas gegen den Strom. Sturköpfig bis zum Letzten (lacht).

Tour

Das neue Album erscheint am 25. September. Die European-Tour 2015 führt Boysetsfire am 5. Oktober nach Münster ins Skaters Palace.

...

Im „Waschzettel“ zum neuen Album steht, es ströme vor mitreißendem Optimismus...

Robert: Ich beschreibe es mal mit der Metapher „Licht am Ende des Tunnels“. Der Tunnel war eher das Vorgängeralbum „While a Nation Sleeps…“: düster, rumpelig, kantig. Das neue Album hat einen fast hoffnungsvollen Unterton.

Ich hätte das Wort „Aufbruchstimmung“ verwendet.

Robert: Das trifft es sehr gut. Ich hätte noch ein anderes: Befreiungsschlag.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3468650?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F4847834%2F4847839%2F
Nachrichten-Ticker